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Entscheidung vertagt

Wer die Bundespräsidentschaftswahl gewonnen hat, wird erst am Montag nach Auszählung der Briefwahlstimmen feststehen, das vorläufige amtliche Endergebnis liegt nun aber bereits vor. In der Urnenwahl am Sonntag konnte sich FPÖ-Kandidat Norbert Hofer mit 51,9 Prozent knapp vor Alexander Van der Bellen mit 48,1 Prozent durchsetzen.

Allzu aussagekräftig ist das vorläufige Endergebnis nicht, denn es wurden so viele Wahlkarten wie noch nie ausgegeben - exakt 885.437, das sind fast 14 Prozent der 6.382.507 Wahlberechtigten. Ein guter Teil davon wird erst am Montag ausgezählt.

Vorläufiges amtliches Ergebnis ohne Briefwahl:  51,9 % Hofer; 48,1 % Van der Bellen; Wahlbeteiligung: 60,7 %

ORF.at/Innenministerium

In Prognose gleichauf

Laut jüngster SORA-Hochrechnung für den ORF kommen mit den Briefwahlstimmen Hofer und Van der Bellen auf 50,0 Prozent der Stimmen. Zwischen den beiden Kandidaten lagen nur wenige hundert Stimmen. In den allerersten Hochrechnungen lag Hofer voran, mit den ersten Ergebnissen aus Wien ging Van der Bellen in Führung. Schließlich landeten beide praktisch gleichauf.

Hochrechnung Bundespräsidentschaftswahl 2016

SORA/ORF

Bei den Wahlkartenwählern wird ein deutlicher Überhang an Stimmen für Van der Bellen erwartet. Wie groß dieser Vorsprung tatsächlich ist, steht aber erst nach der Auszählung am Montag fest.

Hofer punktet auf dem Land

Deutlich ist die Kluft zwischen Stadt und Land. In praktisch allen Städten setzte sich Van der Bellen deutlich durch. Eisenstadt ging als einzige Landeshauptstadt an Hofer. In Vorarlberg setzte sich Van der Bellen mit 56,4 Prozent gegen Hofer mit 43,6 Prozent durch. Im Burgenland siegte Hofer deutlich mit 63 Prozent. In Salzburg setzte sich der FPÖ-Kandidat mit 55,1 Prozent durch, in Kärnten mit 60,1 Prozent. In der Steiermark gewann er 58,7 Prozent, nur Graz gewann Van der Bellen deutlich. Auch Niederösterreich geht an Hofer.

Ohne Wahlkarten lag Hofer auch im vorläufigen Endergebnis in Oberösterreich und Tirol voran, allerdings dürfte Van der Bellen in den beiden Bundesländern mit Wahlkarten noch als Erster ins Ziel gehen. Wien geht deutlich an Van der Bellen, derzeit werden mit Wahlkarten 63 Prozent für ihn prognostiziert.

Beide Kandidaten optimistisch

Van der Bellen zeigte sich bei seinem Eintreffen in der Hofburg „vorsichtig zuversichtlich“. Er verwies gegenüber Journalisten auf die noch ausständige Auszählung der großen Städte und der Wahlkarten. Wie der Souverän entschieden habe, wisse man noch nicht. Grundsätzlich meinte er auf eine Journalistenfrage, dass noch in jedem Wahlkampf Gräben aufgerissen worden seien.

Erste Stellungnahmen der Kandidaten

Gegen 18.40 Uhr traten Norbert Hofer und Alexander Van der Bellen zum ersten Mal an diesem Wahlabend vor die Öffentlichkeit.

Auch Hofer vertraute darauf, dass er in die Hofburg einziehen könnte. Egal wer gewinne, der neue Präsident müsse versuchen, Österreich zu einen. Er sei immer ein Optimist und bleibe das auch. Allerdings werde er diesmal „nicht so gut schlafen wie sonst“, meinte Hofer mit Verweis darauf, dass das Endergebnis nicht Sonntagabend feststehen wird.

FPÖ von Sieg überzeugt

Trotz der knappen Ergebnisse in den Hochrechnungen war FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl davon überzeugt, dass Hofer Bundespräsident wird. „Das Ergebnis ist auch ein Sieg der Demokratie und der Glaubwürdigkeit“, sagte er zur APA. Hofers Gegenkandidat Van der Bellen habe am Schluss auf einen „Angstwahlkampf“ gesetzt.

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sprach von einem „Sieg der Demokratie“. Es sei der „bewegendste und schönste Moment“, den er in seiner „politischen Karriere erleben darf“. Strache beklagte sich über die Hochrechnung des ORF und verwies auf die Zahlen des Innenministeriums, die Hofer deutlicher voran sehen. Allerdings berücksichtigt das Innenministerium in seiner Prognose die 900.000 Wahlkarten nicht.

Auch Grüne zuversichtlich

Mit Zuversicht kommentierte Van der Bellens Wahlkampfmanager Lothar Lockl die Hochrechnungen. „Wir sind ganz knapp dran“, sagte er vor Journalisten im Wiener Palais Auersperg. „Wir haben eine Chance, wir glauben daran, es kann sich ausgehen.“ Lockl sprach von einem Fotofinish, „das Spiel geht in die Verlängerung“.

Runde der Klubobleute

Bei ORF-Reporter Wolfgang Geier diskutierten die Klubobleute der Grünen, der FPÖ, von NEOS und des Teams Stronach. SPÖ und ÖVP blieben der Diskussion fern.

Aufgeregt und „sehr optimistisch“ zeigte sich Grünen-Chefin Eva Glawischnig. Sie sei „unglaublich gespannt“, Van der Bellen habe ein „Fotofinish“ hingelegt. Angesichts der großartigen Wahlbewegung sei sie sprachlos. All das sei ein „sehr schönes, ermutigendes Signal für Österreich“. Alles sei noch offen, klar sei nur, dass Van der Bellen eine unglaubliche Aufholjagd hingelegt habe.

Höhere Wahlbeteiligung

Schon während des Wahltages zeichnete sich eine hohe Wahlbeteiligung ab: In den Städten Wien und Salzburg, aber auch auf dem Land - etwa in Niederösterreich - vermeldeten die jeweiligen Wahlbehörden am Vormittag durchgehend eine höhere Beteiligung als zum selben Zeitpunkt vor einem Monat. Laut SORA-Hochrechnung sollte sie bei rund 72 Pozent liegen.

Schild "Zum Wahllokal"

APA/Georg Hochmuth

So leer waren die Wahllokale meist nicht

Am ersten Wahlgang hatten 68,5 Prozent der Wahlberechtigten teilgenommen - ein deutliches Plus gegenüber dem historischen Tiefststand im Jahr 2010 von 53,57 Prozent bei der Wiederwahl von Noch-Bundespräsident Heinz Fischer.

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