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In Wien-Simmering aufgewachsen

Christian Kern gilt als smarter ÖBB-Sanierer und langjähriger Hoffnungsträger der SPÖ. Ihm wurde seit Längerem nachgesagt, sowohl Interesse an der Funktion des SPÖ-Chefs als auch an jener des Kanzlers zu haben. Nicht nur er selbst traut sich diese Doppelrolle durchaus zu.

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Kern, als Sohn einer Sekretärin und eines Elektroinstallateurs in Wien-Simmering aufgewachsen, gilt als ehrgeizig und zielstrebig. Kern soll die Sozialdemokratie aus ihrer Krise bringen. Dass Politik „nicht seine Stärke“ sei, hatte Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ), eine der engsten Vertrauten von Ex-Kanzler Werner Faymann, 2014 in einem vielbeachteten Interview gemeint.

Doris Bures und Christian Kern

APA/Herbert Pfarrhofer

Faymann-Vertraute Bures hatte Kern’sche Ambitionen im Vorjahr ausgebremst

Bereits damals war Kern als Faymann-Nachfolger im Gespräch. Kern ist in der (Partei-)Politik groß geworden und hat über viele Jahre erfolgreich im staatsnahen Wirtschaftsbereich gewirkt. Er sei telegen und eloquent, hieß es. Nach einem kurzen Ausflug in den Journalismus dockte der damalige Publizistikstudent Kern, der später auch eine postgraduale Ausbildung am Management-Zentrum St. Gallen absolvierte, schon früh in der SPÖ an.

Bundespräsident Heinz Fischer und Christian Kern

APA/Roland Schlager

ÖBB-Chef-Sein ist auch eine ständige politische Übung

Assistent von Kostelka

Bereits mit 25 wurde er Assistent von Staatssekretär Peter Kostelka (SPÖ), drei Jahre später wechselte er mit seinem Chef ins Parlament und wurde Büroleiter und Pressesprecher des damals neuen Klubobmanns. 1997 folgte der zwischenzeitliche Ausstieg aus der Politik. Kern wechselte in den Verbund, wo er diverse Funktionen ausfüllte, ehe er 2007 in den Vorstand aufstieg. Pikanterweise war es gerade Bures, die ihn als Infrastrukturministerin 2010 zum Nachfolger von Peter Klugar als ÖBB-Chef machte.

Asfinag-Vorstand Alois Schedl und Christian Kern

APA/Herbert Pfarrhofer

Mit ASFINAG-Vorstand Alois Schedl bei einer gemeinsamen Pressekonferenz

Keinem Flügel zuzurechnen

Galten die Bundesbahnen davor über Jahre als Krisenzone, hat Kern diese Ära beendet. Die Zahlen passen offenbar wieder, die Massenfrühpensionierungen sind eingestellt, der Zentralbahnhof wurde rechtzeitig und innerhalb des Kostenrahmens fertig, auch Konflikte mit der streitbaren Eisenbahnergewerkschaft sind zumindest nach außen nicht sichtbar. Gefallen auch beim linken Flügel der SPÖ, dem Kern eher nicht zuzuordnen ist, erlangte er mit der unbürokratischen Abwicklung des Flüchtlingsbewegung im vergangenen Jahr.

Dass Kern Höheres vorhatte, war schon länger absehbar. Wirklich klar, welche Agenda er als Partei- und Regierungschef haben wird, sieht man vorerst nicht, hat sich Kern doch nie in eines der roten Lager eingefügt - möglicherweise ein Vorteil in der aktuell zerstrittenen Partei.

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