Millionengagen trotz Kürzung
Die Millionen-Bonuszahlungen für das Topmanagement des vom Abgasskandal gebeutelten Volkswagen-Konzerns bleiben umstritten. Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies, der im Aufsichtsrat von VW sitzt, kritisierte am Donnerstag, dass der Vorstand keiner stärkeren Reduzierung seiner Bezüge zugestimmt habe.
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„Ich will ganz offen sagen, ich hätte mir ein klareres, ein deutlicheres Signal des Vorstands vorstellen können“, sagte der SPD-Politiker im Deutschlandfunk. Vergangene Woche hatte Volkswagen mitgeteilt, dass die Boni des Vorstands für das kommende Jahr zunächst um 30 Prozent gekürzt werden und je nach Entwicklung des Kurses der VW-Aktie, der Geschäftsentwicklung und der Aufarbeitung des Abgasskandals ab 2019 ausgezahlt werden können. Theoretisch kann der Bonus dann komplett ausfallen.
63,2 Mio. Euro für Vorstandsmitglieder
VW-Vorstandschef Matthias Müller sagte auf der Bilanzpressekonferenz in Wolfsburg, er habe Verständnis für die öffentliche Debatte über die Vorstandsboni. Der Bonus für die VW-Vorstände setzt sich aus Zahlungen für Erfolge im jeweils abgelaufenen Jahr, aber auch für die Erfolge der letzten zwei und der letzten vier Jahre zusammen. Damit beeinflusst der Rekordverlust im Geschäftsjahr 2015 die variablen Vergütungselemente nur teilweise.
Die Vorstandsmitglieder erhielten für das vergangene Geschäftsjahr 63,2 Mio. Euro an festen und variablen Vergütungen. Das geht aus dem am Donnerstag vorgelegten Geschäftsbericht für 2015 hervor. 28 Mio. Euro entfielen demnach auf feststehende Anteile und etwa 35 Mio. auf die erfolgsabhängigen variablen Bonuszahlungen. In dieser Summe ist aber die 30-prozentige Kürzung noch nicht eingerechnet.
Noch 7,3 Millionen für Winterkorn
Die Aufstellung enthält auch alle Zahlungen an inzwischen ausgeschiedene Vorstände, etwa den im Zuge der Affäre geschassten Ex-VW-Vorstandschef Martin Winterkorn. Dieser bekam demnach für das abgelaufene Geschäftsjahr 7,3 Mio. Euro. Der Ende September 2015 zurückgetretene Manager, dessen Vertrag aber noch bis Ende 2016 weiterläuft, hatte 2014 noch fast 16 Millionen Euro kassiert.
Neuer Spitzenverdiener im Volkswagen-Vorstand ist nun der Chef der schweren Nutzfahrzeuge, Andreas Renschler, mit fast 15 Millionen Euro. Er war im Winter 2015 von Daimler in den VW-Konzern gewechselt. Vorstandschef Matthias Müller kam vor Bonusrückbehalt für 2015 auf etwa 4,7 Mio. Euro. Zur Gesamtsumme gehören außerdem 2,5 Mio. Euro für den Ex-Finanzvorstand und neuen VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, der unwiderruflich auf 2,3 Mio. Euro verzichtet hatte.
Systemreform gefordert
Vergütungsexperten forderten am Donnerstag einen radikalen Umbau des Vergütungssystems für das VW-Management. „Die bisher lediglich rückwärtsgewandte variable Vergütung bei Volkswagen ist international und in Deutschland einzigartig und hat ihre Schwächen offenbart“, erklärte Michael Kramarsch, Mitgründer der Frankfurter Vergütungsberatung hkp.
Krisen schlügen sich erst mit Verzögerung auf die Vorstandsgehälter nieder. „Wenn Systemfehler nur noch durch Verzicht korrigiert werden können, geht es nicht mehr nur um die Justierung von Detailaspekten, sondern um das Vergütungssystem als Ganzes.“
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