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Khol und Hundstorfer abgeschlagen

Ein deutlicher Sieger, und auch das Rennen um Platz zwei und damit die Stichwahl ist entschieden: Die Bundespräsidentschaftswahl am Sonntag hat laut ORF-Hochrechnung einige Überraschungen parat. Mit deutlichem Vorsprung liegt Norbert Hofer (FPÖ) auf Platz eins, klar dahinter ist Alexander Van der Bellen, der Irmgard Griss auf Distanz halten konnte. Rudolf Hundstorfer (SPÖ), Andreas Khol (ÖVP) und Richard Lugner sind deutlich abgeschlagen.

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Laut Hochrechnung des Instituts SORA für den ORF kommt Hofer auf 35,3 Prozent. Der von den Grünen unterstützte Van der Bellen erreicht 21,3 Prozent. Er ist damit in der Stichwahl. Griss kommt auf 19,0 Prozent. In den ersten Hochrechnungen hatte sich noch ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz zwei abgezeichnet. Praktisch gleichauf liegen Khol und Hundstorfer, sie kommen auf 11,1 bzw. 10,9 Prozent. Lugner erhält 2,3 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung wird auf 68,1 Prozent geschätzt. In die Hochrechnung ist bereits eine Prognose der Briefwahlstimmen - die erst Montagabend ausgezählt sein werden - eingerechnet.

Hochrechnung Bundespräsidentschafswahl 2016

SORA/ORF

Bestes FPÖ-Ergebnis auf Bundesebene

Für den Dritten Nationalratspräsidenten Hofer ist es jedenfalls das beste Ergebnis, das die Freiheitlichen jemals bei einer Bundeswahl erreicht haben. Das bisher beste stammte von der EU-Wahl 1996, als die FPÖ 27,53 Prozent der Stimmen erhielt. Bei Präsidentschaftswahlen kam Willfried Gredler 1980 auf knapp 17 Prozent.

Der Wahltag im ORF

Der ORF begleitet den Wahltag in Internet, Radio, Teletext und TV mit laufender Berichterstattung - mehr dazu in tv.ORF.at. ORF.at bietet zudem eine Vielzahl von interaktiven Datengrafiken an.

Diesmal ist der Kandidat der Freiheitlichen in allen Ländern außer Wien deutlich voran. In einzelnen könnte er sogar die 40-Prozent-Marke überschreiten. Zu den Verlierern des Abends zählen nicht nur SPÖ und ÖVP, sondern auch die Meinungsforscher, die einen Dreikampf zwischen Hofer, Van der Bellen und Griss vorhergesagt hatten. Abgesehen von den Großstädten gibt es nur wenige Einsprengsel in der blau gefärbten Österreich-Karte.

Van der Bellen in Wien voran

Seinen Platz in der Stichwahl hat Van der Bellen vor allem dem Ergebnis in Wien zu verdanken. In der Bundeshauptstadt liegt der ehemalige Parteichef der Grünen laut Hochrechnung mit 33 Prozent auf dem ersten Platz. Hofer folgt mit 27,8 Prozent, Griss mit 19,3 Prozent. Hundstorfer kommt in Wien laut Hochrechnung nur auf 11,9 Prozent, Khol gar nur auf sechs Prozent.

Hochrechnung Wien

ORF

Hofer „dankbar und voller Demut“

Wahlsieger Hofer gab sich in einer ersten Reaktion bescheiden. „Dankbar und voller Demut“ sei er, sagte der Freiheitliche, der erst lange zu einem Antreten überredet werden musste. Er wolle jedenfalls ein Präsident für alle Österreicher sein, seine Prinzipien und Standpunkte aber nicht aufgeben.

Schon deutlicher war sein Parteichef. Heinz-Christian Strache tönte: „Heute wurde Geschichte geschrieben.“ Es sei ein „politisch neues Zeitalter aufgeschlagen“. FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl sah „ein sensationelles Ergebnis für Norbert Hofer und ein historisches Ergebnis für die FPÖ“.

Van der Bellen: Karten neu gemischt

Für Van der Bellen sind nach dem Wahlsonntag „die Karten neu gemischt“. Für die Stichwahl rechnet er mit einem intensiven Wahlkampf. Für ihn sei das Ergebnis „nicht überraschend“, sagte er am Sonntag beim Eintreffen in der Hofburg. „Ich habe immer gesagt, ich bin ein Außenseiter.“ Noch bevor der Einzug in die Stichwahl fix war, meinte Van der Bellen, er würde, falls er Dritter werde, Griss unterstützen. Sein Wahlkampfmanager Lothar Lockl hatte sich zuvor bereits ähnlich geäußert.

Griss will weitermachen

Griss gratulierte nach der ersten Hochrechnung dem Wahlsieger Hofer. Sie überlegt sich zudem, ihre Bewegung weiterzuführen, sollte sie Dritte werden. Ob sie eine Wahlempfehlung für die Stichwahl abgeben werde, ließ sie noch offen. Mit dem sich abzeichnenden Ergebnis der Wahl sieht Griss eine Antwort auf die Regierungspolitik, die abgestraft worden sei.

„Ich hätte überhaupt kein Problem, gegen Herrn Hofer anzutreten“, sagte sie bei ihrer Wahlfeier vor Journalisten. Das wäre „sicher eine interessante Auseinandersetzung“. Griss geht es laut eigener Aussage nun darum, eine Spaltung zu überwinden. Die ehemalige OGH-Präsidentin sprach von einer schrecklichen Entwicklung. Die Bundespräsidentenwahl sollte nicht dazu führen, dass Gräben vertieft werden.

Im Wahlergebnis spiegelt sich für Griss wider, was die Regierung in der Flüchtlingspolitik versäumt hat. Die „martialische Rhetorik“, die in letzter Zeit zugenommen habe, habe nur der FPÖ und Hofer genützt. Griss: „Ich hoffe sehr, dass die Regierungsparteien das jetzt wohl oder übel begreifen werden.“

Khol dankt Helfern

Äußerst knapp kommentierte Khol seine deutliche Niederlage. „Der Tag ist nicht so ausgegangen, wie wir es uns gewünscht hätten“, sagte Khol bei einem kurzen Auftritt in der Parteizentrale. Die Stimmung unter den Funktionären war dem Ergebnis entsprechend gedrückt, Khol selbst wurde von den wartenden Journalisten abgeschirmt.

Er sei mit Freude in den Wahlkampf gegangen, und es sei ein Persönlichkeits-, ein Themen- und auch ein „Protestwahlkampf“ geworden, sagte Khol. Er dankte seinen Unterstützern und seinen Wählern, bevor er doch noch „in die Hofburg“ aufbrach, wie er sagte - wenn auch nicht ins Amt, sondern nur „ins Fernsehen“, also zum in der Hofburg eingerichteten Medienzentrum. „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut“, sagte Khol und kündigte dort seinen Rückzug in die Position des „Elder Statesman“ an. Seiner Partei wolle er nicht als „Balkon-Muppet“ Ratschläge erteilen.

Hundstorfer: „Regierungsamt war Rucksack“

SPÖ-Kandidat Hundstorfer bedauerte, dass vom Wähler die „Extreme“ gestärkt worden seien und seine vermittelnde Rolle nicht so geschätzt worden sei. Der Inhalt seiner Kampagne - nämlich für Zusammenhalt zu sorgen - habe „heute nicht die Unterstützung bekommen“. Auch sei seine Vergangenheit als Minister eine Bürde gewesen: „Was auch klar ist: Das Regierungsamt war doch ein Rucksack.“

Gleichzeitig verwies er darauf, dass es derzeit „auf allen Ebenen“ politische Veränderungen gebe, wie er etwa mit Blick auf die Regierungsbeteiligung der FPÖ im Burgenland meinte. Er wolle trotz des Wahlergebnisses allen danken, die seine Kampagne unterstützten, sagte er bei seinem ORF-Auftritt in der Hofburg.

Was seine persönliche Zukunft nun bringen wird, konnte Hundstorfer am Wahlabend nicht beantworten: „Ich habe wirklich keinen Plan B.“ Er werde nun den Abend einmal vorbeigehen lassen und erst dann Überlegungen anstellen. Eine Wahlempfehlung für die Stichwahl wollte er nicht abgeben. Klar sei aber, dass er FPÖ-Kandidat Hofer nicht unterstütze.

Lugner bereut „Kasperl“-Image

Lugner machte die Umfragen und den Dreikampf für sein Abschneiden verantwortlich. Er räumte aber auch eigene Fehler ein: „Des mit dem Kasperl ist nicht gut angekommen.“ Eine Wahlempfehlung für die Stichwahl will Lugner „sicher nicht“ abgeben, ein neuerliches Antreten in sechs Jahren schloss er aus. Lugner rechnet mit einem Schock für die traditionelle Parteienlandschaft: „Wir stehen vor einer politischen Wende.“

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