Stargeiger mit Mission: Yehudi Menuhin wäre 100

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Seine große Karriere hat er schon früh gestartet - sie sollte über Jahrzehnte gehen: Heute hätte Yehudi Menuhin, der „Missionar mit der Geige“, seinen 100. Geburtstag gefeiert.

Menuhin wurde in New York als Sohn russisch-jüdischer Einwanderer geboren. Bereits im Alter von sieben Jahren erreichte er in San Francisco ein Publikum von 9.000 Menschen mit einer reifen Interpretation von Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert.

Kindheit geprägt von eiserner Disziplin

Im Alter von elf Jahren sorgte der Schüler von Louis Persinger, George Enesco und Adolf Busch mit seinen Interpretationen der Werke Ludwig van Beethovens in der New Yorker Carnegie Hall für eine musikalische Sensation. Ein Jahr später machte er die ersten Plattenaufnahmen.

Der Komponist Ernest Bloch schrieb für den Zwölfjährigen das erste ihm gewidmete Werk, dem eine lange Reihe von Stücken folgte, die Menuhin gewidmet oder für ihn komponiert wurden, u. a. von Bela Bartok und William Walton.

Seine Kindheit war geprägt von eiserner Disziplin und harter Erziehung. Eine normale Schule durfte Menuhin nie besuchen, seine ehrgeizige Mutter schrieb ihm sogar vor, was er lesen und mit welchen Kindern er sich treffen durfte.

Konzerte in befreiten KZs

Zudem begann Menuhin, seine Karriere zum Zweck der Völkerverständigung einzusetzen. Im Zweiten Weltkrieg gab er Konzerte vor alliierten Soldaten, danach war er der erste jüdische Künstler, der wieder in Deutschland auftrat. Bei den Konzerten in den befreiten Konzentrationslagern und in Flüchtlingslagern wurde er von Benjamin Britten am Klavier begleitet.

Geiger und Dirigent Yehudi Menuhin

APA/AFP/Eric Feferberg

Menuhin 1997 bei der Orchesterleitung

Mit Fortdauer seiner Karriere war Menuhin mehr und mehr am Dirigentenpult zu finden. In seiner Schweizer Sommerresidenz Gstaad rief er ein eigenes Musikfestival ins Leben. Daneben gründete er südlich von London eine eigene Musikschule zur Förderung von begabten Kindern, zudem förderte er talentierte Nachwuchsmusiker mit einem Projekt in Eisenstadt.

Die soziale Dimension der Musik war ihm stets ein Anliegen: „Einige sagen, man könne ohne Musik, ohne Theater, ohne Gedichte, ohne Literatur leben. Aber das ist nicht so. Ich sage immer, von einer Musikschule kommen gewöhnlich keine Kriminellen“, sagte er einmal.

Lord im britischen Oberhaus

In seiner über sieben Jahrzehnte währenden Karriere wurde Menuhin mit Auszeichnungen und Ehren überschüttet. Der meist in London lebende Musiker erhielt u. a. das Adelsprädikat Sir, 1965 wurde er in den Adelsstand erhoben, ab 1993 war Lord Menuhin bis zu seinem Tod 1999 Mitglied des britischen Oberhauses. 1979 erhielt er den Friedenspreis des deutschen Buchhandels, Wien ehrte ihn mit der Goldenen Ehrenmedaille der Stadt.