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„Die Liebe bleibt“

Der ehemalige deutsche Außenminister Guido Westerwelle ist tot. Der frühere FDP-Vorsitzende starb am Freitag im Alter von 54 Jahren an den Folgen seiner Leukämie-Erkrankung, wie die Westerwelle Foundation in Berlin auf Facebook mitteilte.

Westerwelle gehörte seit den 80er Jahren zu den prägenden Figuren der bundesdeutschen Politik. Nach vielen Jahren in der Opposition war er zwischen 2009 und 2013 Außenminister. In den ersten beiden Jahren der schwarz-gelben Koalition, bis zu seinem Rücktritt vom Amt des FDP-Chefs, war er auch Vizekanzler. 2014, ein halbes Jahr nach dem Ausscheiden aus dem Außenministerium, wurde bei ihm eine besonders schlimme Form von Blutkrebs diagnostiziert.

„Wir haben gekämpft“

Auf der Website der Westerwelle-Stiftung war am Freitag ein Foto Westerwelles zusammen mit seinem Ehemann, Sportmanager Michael Mronz (49), zu sehen. Daneben steht: „Wir haben gekämpft. Wir hatten das Ziel vor Augen. Wir sind dankbar für eine unglaublich tolle gemeinsame Zeit. Die Liebe bleibt.“

Guido Westerwelle und Michael Mronz vor der Premiere von "Fidelio" bei den Salzburger Festspielen im August 2015

APA/Franz Neumayr

Westerwelle mit Ehemann Michael Mronz bei den Salzburger Festspielen 2015

Über seine Krebserkrankung hatte Westerwelle auch ein Buch („Zwischen zwei Leben“) geschrieben, das er im vergangenen Herbst vorgestellt hatte. Damals gab es Hoffnung, dass er die Krebserkrankung bewältigen könnte. Im Dezember musste er sich allerdings erneut ins Krankenhaus begeben, was offiziell mit einer „Medikamentenumstellung“ begründet wurde. Seither war er kaum noch in der Öffentlichkeit aufgetaucht.

„Ich möchte vollständig genesen“

Im vergangenen November, zur Vorstellung seines Buchs, gab Westerwelle der „Bunten“ eines seiner letzten Interviews. Damals sagte er: „Ich will nicht nur durchkommen, sondern ich möchte wieder ein erfülltes Leben führen. Ich möchte vollständig genesen.“ Die Ärzte hätten ihm eine „ganz gute“ Prognose gegeben. „Anders ausgedrückt: Die Angst vor dem Tod hatte in bestimmten Phasen der Behandlung mehr Dominanz als heute.“

Über seinen Mann sagte er damals: „Ohne Michael hätte ich es nicht gepackt. Michael hat Unmenschliches für mich geleistet. Er war und ist immer für mich da. Er motiviert mich, baut mich auf, steuert meine Gefühle. Ich ließ mich fallen - er fing mich auf.“

„Mir fehlen die Worte“

Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner zeigte sich bestürzt vom Tod des früheren Außenministers und Parteichefs. „Mir fehlen die Worte. Guido hat so gekämpft. Die Trauer ist groß“, schrieb Lindner am Freitag auf Twitter. Grünen-Chefin Simone Peter twitterte: „Viel zu jung aus dem Leben gerissen. Wir trauern um Guido Westerwelle.“

Auch Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) reagierte bestürzt auf den Tod Westerwelles. „Er war ein großartiger Kämpfer für die liberale Sache und ein engagierter Parlamentarier“, sagte Kauder. Vom Tod seines Freundes habe er tief betroffen erfahren. „Wir werden Guido Westerwelle vermissen“, sagte Kauder.

Merkel zeigt sich erschüttert

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) reagierte mit Erschütterung auf den Tod Westerwelles. „Sein Tod erschüttert mich tief“, sagte sie am Freitag in Brüssel am Rande des EU-Gipfels. Dass Westerwelle im Alter von nur 54 Jahren starb, sei „richtig schwer zu akzeptieren“. Sie habe Westerwelle als „empfindsamen und als nachdenklichen Menschen erlebt“, sagte Merkel, „einen verlässlichen und einen treuen Menschen“.

Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck drückte sein Beileid aus: „Mit Guido Westerwelle verliert unser Land einen leidenschaftlichen politischen Menschen, der seine verschiedenen Aufgaben, ob in seiner Partei, im Ministeramt oder zuletzt in der von ihm gegründeten Stiftung, immer mit großem persönlichem Einsatz angegangen ist. Als Vorsitzender der FDP führte er seine Partei zu großen Erfolgen. (...) Er wird uns als ein leidenschaftlicher Demokrat und Europäer in Erinnerung bleiben.“

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Seit 2014 aus Politik zurückgezogen

Der ehemalige deutsche Außenminister und langjährige FDP-Chef Guido Westerwelle ist nach zwei Jahren Kampf gegen seine Leukämieerkrankung 54-jährig verstorben. (iptv.ORF.at)

Auch der ehemalige deutsche Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) äußerte sich „tief erschüttert“ über Westerwelles Tod . „Er war eine große politische Begabung und ein herzensguter Mensch. Mit ihm wird unvergessen bleiben das Wahlergebnis der FDP aus dem Jahr 2009“, hieß es in einer Erklärung, die am Freitag von seinem Büro verbreitet wurde. „Ich habe seinen Weg von Anfang an beobachten und begleiten dürfen.“

„Liebenswürdig, zuvorkommend, selbstkritisch“

Genscher ließ ankündigen, dass er aus „gesundheitlichen Gründen“ an den Trauerfeindlichkeiten für Westerwelle nicht werde teilnehmen können. Nach Angaben seines Büros ist der 88-Jährige derzeit „nicht reisefähig, sondern überwiegend bettlägerig“.

Der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere (CDU) drückte ebenfalls seine Trauer aus: „Guido Westerwelle war ein besonders liebenswürdiger, zuvorkommender und selbstkritischer Mensch. Er hat sich in unterschiedlichen Funktionen große Verdienste für seine Partei und für das gesamte Land erworben.“ EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) meldete sich via Twitter: „Tief traurig über Tod von Guido Westerwelle. Mit ihm verliert @fdp eine prägende Figur. Gedanken sind bei seinem Mann, Familie und Freunden.“

„Ein wahrer Patriot“

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier würdigte seinen verstorbenen Amtsvorgänger Westerwelle als Gesicht eines weltoffenen und liberalen Deutschlands. „Wir haben heute einen Menschen verloren, der unser Land eine ganze Generation lang als Parteivorsitzender der FDP, als Oppositionsführer und dann als Außenminister geprägt hat“, so der SPD-Politiker.

Steinmeier weiter: „Guido Westerwelle steht für ein weltoffenes, liberales Deutschland, das in der internationalen Gemeinschaft fest verankert ist. In seinem Bemühen um ein friedliches und ziviles Deutschland und Europa war er ein wahrer Patriot.“

„Ganzes Leben der Politik gewidmet“

SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel reagierte ebenfalls bestürzt auf den Tod Westerwelles. „Mit Guido Westerwelle ist ein aufrechter Demokrat viel zu früh von uns gegangen“, erklärte Gabriel am Freitag. Westerwelle habe in den vielen Ämtern seiner Karriere immer engagiert und leidenschaftlich für seine Positionen gekämpft und gestritten. „Mit Guido Westerwelle verliert Deutschland einen Menschen, der sein ganzes Leben der Politik und dem Einsatz für das Gemeinwohl gewidmet hat“, so Gabriel weiter.

Berührendes Interview

Guido Westerwelle gab dem deutschen „Spiegel“ im November ein Interview, in dem er sehr offen über seine Krankheit sprach.

CSU-Chef Horst Seehofer bezeichnete Westerwelle als „glühenden Anwalt der Freiheit, der sozialen Marktwirtschaft und der Bürgerrechte“. Er sei tief betroffen vom Krebstod des ehemaligen FDP-Vorsitzenden, meinte der bayerische Ministerpräsident am Freitag. „Mit seinen rhetorischen Fähigkeiten war er ein Meister der gepflegten Debattenkultur.“ Westerwelle werde „sehr fehlen“.

„Vorbild für Freiheit, Offenheit und Frieden“

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu würdigte Westerwelle als „leidenschaftlichen Freund Israels“. „Er war ein Staatsmann, ein leidenschaftlicher Freund Israels und ein Verfechter von Frieden, Gerechtigkeit und Freiheit. Alle, die ihn kannten, werden ihn vermissen“, teilte Netanjahu am Freitag mit. Westerwelle hatte in seiner Zeit als FDP-Chef und Außenminister häufig Netanjahu getroffen.

In Österreich meldete sich NEOS-Vorsitzender Matthias Strolz zu Wort: „Mit Guido Westerwelle verliert unsere politische Familie in Europa ein Vorbild für Freiheit, Offenheit und Frieden, das viele von uns mitgeprägt hat. Westerwelle stand wie kaum ein Zweiter sowohl als Persönlichkeit als auch in seinen politischen Ämtern für proeuropäische und liberale Werte.“

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