Für Athen „organisierte Aktion“
Das schier ewige Warten und die Ungewissheit, was passieren wird, hat am Montag Tausende Flüchtlinge dazu veranlasst, gemeinsam aus dem überfüllten Lager im griechischen Grenzort Idomeni aufzubrechen und einen Weg - abseits der Grenzsperren - über die grüne Grenze nach Mazedonien zu suchen. Hunderte wurden wieder abgeschoben.
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Bis zu 2.000 Füchtlinge waren aufgebrochen - mindestens 700 schafften es tatsächlich über die Grenze, wurden aber von der mazedonischen Exekutive aufgehalten. Laut Medienberichten von Dienstagvormittag wurden rund 600 Personen wieder nach Griechenland abgeschoben. Diejenigen, die die Grenze nicht überwinden hatten können, kehrten in das griechische Hinterland zurück.
Nach Ansicht Athens war der Marsch organisiert worden. „Wir haben in unseren Händen Flugblätter, die zeigen, dass das eine organisierte Aktion war“, sagte der Sprecher des Krisenstabes für die Flüchtlingskrise, Giorgos Kyritsis, am späten Montagabend in Athen.
Dringlichkeitssitzung der Regierung
Zuvor hatte er an einer Dringlichkeitssitzung unter Vorsitz des griechischen Regierungschefs Alexis Tsipras teilgenommen. Wer hinter der Aktion gesteckt haben soll, ist unklar. Zudem gebe es auch andere Flugblätter, die die Migranten aufforderten, nicht in andere Lager im Landesinneren zu gehen. Sie sollten nicht in Busse steigen, weil die Regierung in Athen plane, sie in die Türkei zu bringen, heiße es darin, sagte Kyritsis weiter.
„Absolut aussichtslos“
„Wir fordern die Migranten und Flüchtlinge auf, den griechischen Behörden zu vertrauen und es zu akzeptieren, in andere Lager gebracht zu werden.“ Die Lage im Flüchtlingslager Idomeni sei „absolut aussichtslos“, so der Sprecher des Krisenstabes weiter.
Ministerpräsident Tsipras verurteilte die Flugblattaktion scharf. Er bezeichnete die Flugblattaktion als „gefährliches Verhalten zulasten der Flüchtlinge“. „Dieses Spiel mit Menschenleben muss aufhören“, sagte er bei einer Pressekonferenz in Athen. „Es ist ausgeschlossen, dass die Balkan-Route sich noch einmal öffnen wird“, stellte er klar.
Text veröffentlicht
Griechische Medien veröffentlichten Kopien der Flugblätter, die Unbekannte an die Flüchtlinge verteilt hatten. Darin ist der Weg eingezeichnet, wie die Flüchtlinge den mazedonischen Zaun meiden können und über Umwege nach Mazedonien einreisen können.
Der Text der Flugblätter laut einer in der griechischen Presse veröffentlichten Übersetzung aus dem Arabischen:
"1. Die griechisch-mazedonische Grenze ist und wird zu bleiben.
2. Es gibt keine Busse oder Züge, die Sie nach Deutschland bringen werden.
3. Es ist sehr gut möglich, dass, wer in Griechenland bleibt, (am Ende) in die Türkei abgeschoben wird.
4. Wer es schafft, illegal in einem anderen Staat Mittel- oder Osteuropas zu reisen, wird bleiben können. Deutschland akzeptiert noch Flüchtlinge.
5. Es ist möglich, dass das Lager von Idomeni in den kommenden Tagen evakuiert wird. Möglicherweise werden Sie dann in andere Lager gebracht und danach in die Türkei ausgewiesen.
Die Lösung:
1. Der Zaun, der vor Ihnen steht, soll Sie in die Irre führen, damit Sie glauben, die Grenze sei geschlossen.
Der Zaun endet fünf Kilometer von hier. Danach gibt es keinen Zaun, der Sie daran hindern könnte, nach Mazedonien zu reisen. Sie können hier rübergehen (schauen Sie auf die Karte).
2. Wenn Sie sich in kleinen Gruppen bewegen, werden Sie von der mazedonischen Polizei oder der Armee festgenommen und nach Griechenland zurückgebracht.
3. Wenn Sie aber zu Tausenden versuchen, gleichzeitig über die Grenze zu kommen, wird die Polizei Sie nicht stoppen können.
Lasst uns uns alle um 14.00 Uhr im Camp (von Idomeni) treffen. Bitte schauen Sie auf die Karte, um den Weg zum Treffpunkt zu sehen."
Athen abwartend bei Rücknahme von Flüchtlingen
Jene Flüchtlinge, die am Montag in Mazedonien von Sicherheitskräften aufgehalten wurden, will Skopje nun wieder abschieben. Athen gibt sich unterdessen abwartend, was die Frage einer Rücknahme dieser Flüchtlinge betrifft. Noch hätten die mazedonischen Behörden keinen entsprechenden Antrag gestellt. „Wenn sie ihn stellen, werden wir es uns überlegen und entscheiden“, sagte Kyritsis am Dienstag im Nachrichtensender Skai in Athen.
Mikl-Leitner: Flüchtlinge sollen Quartiere annehmen
Der Flüchtlingsexodus sorgte am Montag in den Verhandlungen über die chaotische europäische Flüchtlingspolitik und einen Deal mit der Türkei für noch mehr Hektik. Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) riet den Flüchtlingen, in Griechenland zu bleiben: „Wer es gut mit den Menschen im Camp meint, sollte sie darin bestärken, die bereitgestellten warmen, festen Quartiere in Griechenland anzunehmen und sich versorgen zu lassen“, so die Innenministerin. „Stattdessen wird vereinzelt nach wie vor signalisiert, man könne sich auf eigene Faust auf den Weg in sein Wunschzielland machen. Das ist verantwortungslos und aufs Schärfste zu verurteilen.“
Zudem dankte sie ausdrücklich der mazedonischen Regierung für ihr Verhalten in der Flüchtlingskrise. „Mazedonien hat bisher mehr zur Stabilität Europas beigetragen als so manches EU-Mitgliedsland.“ Damit übte Mikl-Leitner am Montagabend in einer Stellungnahme auch indirekt Kritik an Griechenland.
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