Polizei setzte Tränengas ein
Hunderte Flüchtlinge haben am Montag die Bahntrasse und den Grenzzaun zwischen Griechenland und Mazedonien gestürmt. Eine Gruppe von rund 300 Personen aus dem Irak und Syrien überwand am Übergang Idomeni Polizeiabsperrungen und drang auf die Bahnstrecke vor.
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Die mazedonische Polizei setzte Tränengas ein. Die Menschen versuchten, Stacheldrahtabsperrungen niederzureißen. Auslöser war laut Medienberichten ein Gerücht, wonach Mazedonien angeblich seine Grenze wieder für alle Flüchtlinge geöffnet habe. „Frei, frei, wir können rüber“, schrie ein Mann im griechischen Fernsehen.
30 Leichtverletzte
Griechische Grenzpolizisten sagten laut dpa, das Gerücht stimme nicht, die Grenze sei geschlossen. In Idomeni ist die Lage angespannt. Es fehle an Nahrung und medizinischer Hilfe, hieß es von Hilfsorganisationen. Bei dem Tränengaseinsatz wurden mehrere Menschen zumindest leicht verletzt: „Mindestens 30 Menschen haben um eine Behandlung gebeten, darunter viele Kinder“, teilte die Hilfsorganisation Ärzte der Welt mit.

APA/AFP/Louisa Goullimaki
Die Polizei setzte Tränegas ein - die Menschen brachten sich panikartig in Sicherheit
Sieben österreichische Polizisten unterstützen laut Innenministerium ihre Kollegen in Mazedonien am Grenzübergang Gevgelija. Allerdings seien diese in einem Registrierungszentrum tätig und nicht direkt am Grenzzaun, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Karl-Heinz Grundböck, am Montag der APA. Bis Mitte April soll die Anzahl der Polizisten auf 20 aufgestockt werden.
Tausende sitzen fest
An der Grenze zu Mazedonien sitzen nach Angaben der griechischen Polizei inzwischen etwa 6.000 Menschen - andere Quellen sprechen von 7.000 - fest. Mazedonien, erstes Land auf der Balkan-Route, hatte kürzlich ebenso wie Serbien und die EU-Staaten Kroatien, Österreich und Slowenien Tageshöchstgrenzen für die Einreise von Flüchtlingen eingeführt.

APA/AP/Boris Grdanoski
Die Situation an der Grenze eskalierte
Zudem lässt das Land fast nur noch Menschen aus Syrien und dem Irak passieren. Die Flüchtlinge kommen zumeist über die Türkei und wollen nach Nordeuropa.
Volle Aufnahmezentren
Dem Sender Free Europe zufolge sind derzeit die zwei nördlich liegenden Aufnahmezentren voll. Während in dem nordmazedonischen Tabanovce weiterhin etwa 600 vorwiegend afghanische Flüchtlinge ausharren, trafen im südserbischen Presevo unterdessen ca. 500 Flüchtlinge ein, die zuvor laut dem Sender zum Teil aus Slowenien nach Kroatien und von dort nach Serbien abgeschoben worden waren.
Anderen wiederum war die Einreise nach Kroatien gar nicht erlaubt worden. Sie sollen eigentlich weiter nach Mazedonien abgeschoben werden. Allerdings gebe es derzeit angesichts der in Tabanovce herrschenden Situation derzeit keine Möglichkeit dazu, berichtete der Sender unter Berufung auf einen Helfer in Presevo.
Flüchtlinge reißen Grenzzaun nieder
Die Lage in Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze ist eskaliert. Flüchtlinge rissen den Grenzzaun nieder.
Athen: Hunderte verbrachten Nacht im Freien
Laut griechischen Angaben sitzen landesweit inzwischen etwa 25.000 Menschen fest, die weiterreisen wollen. Athen warnt, dass die Zahl bis März auf rund 70.000 steigen könnte. In der griechischen Hafenstadt Piräus kamen indes am Montagvormittag an Bord von drei Fähren mehr als 2.000 Migranten an. Sie hatten zuvor von der türkischen Küste aus zu den griechischen Inseln übergesetzt.
Im Zentrum der Hauptstadt Athen spielten sich ebenfalls chaotische Szenen ab: Auf dem zentralen Viktoria-Platz verbrachten Hunderte Flüchtlinge - darunter Familien mit Kleinkindern - die Nacht im Freien, wie Augenzeugen berichteten. Anrainer und freiwillige Helfer versuchten den Menschen zu helfen. Sie brachten Lebensmittel und Medikamente.
GR: Brände in geplanten Asylquartieren
In Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise gab es in Griechenland nun erstmals auch Brandanschläge mit möglicherweise ausländerfeindlichem Hintergrund. Unbekannte zündeten am Wochenende zwei Lagerhallen in Nordgriechenland an, die in Unterkünfte für Flüchtlinge umgebaut werden sollten.
ORF-Korrespondent Wehrschütz über die Lage der Flüchtlinge
ORF-Korrespondent Christian Wehrschütz berichtet aus Thessaloniki über die angespannte Lage der Flüchtlinge.
Die ehemals vom griechischen Militär benutzten Hallen in der Kleinstadt Giannitsa seien fast vollständig zerstört worden, berichtete das griechische Fernsehen am Montag. Die Feuerwehr und der Bürgermeister der Kleinstadt, Grigoris Stamkos, machten Brandstifter verantwortlich. In Giannitsa soll in zwei verlassenen Heereskasernen ein Flüchtlingsaufnahmelager für rund 4.000 Menschen entstehen. Der Ort liegt knapp 60 Kilometer südlich des Grenzübergangs zwischen Griechenland und Mazedonien.
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