Kurze Reden und Politik als Show
„Spotlight“ wurde bei den Oscars in der Nacht auf Montag als bester Film ausgezeichnet, als bester Regisseur - zum zweiten Mal hintereinander - Alejandro Gonzalez Inarritu für „The Revenant“. Auch die Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ ging an „The Revenant - Der Rückkehrer“ - es ist Leonardo DiCaprios erster Oscar. Beste Hauptdarstellerin wurde Brie Larson („Room“). Dominiert wurde die Show jedoch von Rassismuskritik.
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Chris Rock, Komiker und Schauspieler, moderierte die Oscar-Verleihung - und machte keinen Hehl daraus, dass er offenbar das schwarze Feigenblatt des Abends sein sollte. Denn die Mitglieder der Academy hatten einmal mehr keine Schwarzen für Preise nominiert, auch zum Bedauern der Academy-Leitung. Deshalb hatte Rock freie Hand bzw. freies Wort, und das nutzte er auch. Er ließ keine Spitze aus, wenn es galt, gegen den latenten Rassismus in Hollywood zu wettern.

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Chris Rocks kämpferische Eröffnungsrede
In seiner Eröffnungsrede stellte und beantwortete er die rhetorische Frage: „Ist Hollywood rassistisch? Du hast verdammt recht, Hollywood ist rassistisch.“ Allerdings handle es sich nicht um Ku-Klux-Klan-Rassismus, sondern um eine subtile Variante. Die Verantwortlichen in Hollywood seien Liberale und „die nettesten weißen Menschen auf der Erde“ - aber sie würden dennoch keine Schwarzen engagieren.
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Dankesreden mit Gefühl
Euphorie und emotionale Dankesreden: DiCaprio, Larson und Inarritu nehmen den Oscar entgegen.
Schwarze dürfen putzen
Ein Höhepunkt der Show war ein komödiantischer Zusammenschnitt mehrerer nominierter Filme, bei dem das Lachen allerdings im Halse stecken blieb. Schwarze Schauspieler wurden hineingeschnitten. So tauchte hinter Jennifer Lawrence plötzlich Whoopy Goldberg auf - als Putzfrau. Auch in „The Revenant“ tauchte eine schwarze Schauspielerin auf - als Bärin, die DiCaprio überwältigt.

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Der „beste Regisseur“: Inarritu gewann mit „The Revenant“
Von Sexismus war hingegen weniger die Rede als erwartet - obwohl zu den Nominierten nur eine Handvoll Frauen zählten, keine von ihnen im Regiefach. Dafür war wegen „Spotlight“ der Missbrauch in der (katholischen) Kirche ein Thema, das sich durch den Abend zog - von den Interviews auf dem roten Teppich bis hin zu einer berührenden Showeinlage von Lady Gaga, bei der Dutzende Missbrauchsopfer auf der Bühne standen. Im Publikum flossen Tränen - und es gab Standing Ovations.
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Hintergründe zur Debatte über die Regeln und Codes bei den Oscars in meins.ORF.at
„The Revenant“ - und ein Appell
Die restliche Übertragung der Academy Awards verlief ohne große Höhepunkte, wenn man vom anfänglichen Siegeszug von „Mad Max: Fury Road“ absieht. Schon im Vorfeld des Abends hatten sich Kritiker verwundert gezeigt über die zahlreichen Nominierungen für das verschneite Westerndrama „The Revenant“. Bei den Nominierungen hatte der Film vor „Mad Max“ mit zwölf zu zehn geführt. Doch zunächst kam es anders - „Mad Max“ holte sechs Oscars in Nebenkategorien.

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Leonardo DiCaprio nahm seinen Oscar von Julianne Moore entgegen
Als bester Regisseur wurde dann Inarritu für „The Revenant“ ausgezeichnet - zum zweiten Mal in Folge. Er bedankte sich bei seinem Hauptdarsteller DiCaprio: „Du bist wirklich der Rückkehrer. Du hast dem Film deine Seele, deine Kunst gegeben.“ Außerdem erinnerte er daran, dass viele andere nicht so viel Glück hätten wie er und nicht hier stehen würden - weil sie Opfer von Diskriminierung seien: „Wir müssen uns endlich hinwegsetzen über dieses Stammesdenken. Die Hautfarbe muss genauso egal sein wie die Länge der Haare.“
Die besten Hauptdarsteller
Wie erwartet ging der Oscar für den besten Hauptdarsteller - nach Jahren des Wartens - an DiCaprio. Er dankte der Academy und den „tollen“ anderen Nominierten. Er bedankte sich auch beim unglaublichen Team, das den Film erst möglich gemacht habe. Regisseur Inarritu verfüge über „unglaubliches Talent“. Dank sprach er auch seinen Eltern und engen Freunden aus.
DiCaprio erinnerte schließlich an den Klimawandel. Politiker sollten für die Menschheit, insbesondere für indigene Völker, eintreten - und nicht für die großen Konzerne: „Wir dürfen die Erde nicht als etwas Selbstverständliches nehmen.“ Nominiert waren neben ihm unter anderen Brian Cranston, Matt Damon und Michael Fassbender.
Dann aber der Oscar für den besten Film - nicht an „The Revenant“, sondern überraschenderweise an „Spotlight“, jenes Drama, in dem an die Aufdeckung des Missbrauchs durch Geistliche in den USA erinnert wird. Regisseur Tom McCarthy bedankte sich in seiner Rede bei der Academy. Die Hauptrolle eines investigativen Journalisten spielt in „Spotlight“ Mark Ruffalo. Nominiert waren in der Hauptkategorie außerdem „Brooklyn“, „Room“, „Bridge of Spies“, „The Big Short“, eben „The Revenant“, „The Martian“ und „Mad Max: Fury Road“.

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Überglücklich: Brie Larson ist die „beste Hauptdarstellerin“
„Room“ wurde zwar nicht bester Film, aber Brie Larson dafür als beste Hauptdarstellerin prämiert. In dem Drama geht es um eine junge Mutter, die mit ihrem Kind aus einer langjährigen Gefangenschaft entkommen kann. Larson bedankte sich bei ihrem Team, bei den Eltern, den Freunden - und schließlich bei den Fans: „Danke, dass Sie ins Kino gegangen sind.“ Neben ihr waren unter anderen Jennifer Lawrence für ihre Rolle im Film „Joy“ und Cate Blanchett für „Carol“ nominiert.
Wahlwiener Vollrath geht leer aus
Als bester Animationsfilm wurde schließlich der Pixar-Film „Inside Out“ („Alles steht Kopf“) gekürt, beste Doku ist Asif Kapadias umstrittene Winehouse-Biografie „Amy“. Der Auslandsoscar ging zum zweiten Mal in der Oscar-Geschichte nach Ungarn - für „Son of Saul“ von Laszlo Nemes. Die deutsch-österreichische Oscar-Hoffnung erfüllte sich indes nicht. Der deutsche Jungregisseur und Wahlwiener Patrick Vollrath unterlag mit seinem Filmakademie-Wien-Abschlussfilm „Alles wird gut“ dem Briten Benjamin Cleary und dessen romantischer Komödie „Stutterer“. Im Vorfeld war Vollraths Film von Kritikern weltweit gelobt worden.
Ein gerührter Ennio Morricone
Im Vorfeld hatte es geheißen, dass die nunmehr auf 45 Sekunden reduzierten Dankesreden dazu führen sollten, dass sich die Gewinner auf inhaltlich Wertvolles beschränken - und sich nicht mehr bei der halben Verwandtschaft bedanken. Das Gegenteil war der Fall: Mama, Papa, Ehepartner, die Kinder - alle wurden aufgezählt, dazu natürlich das Filmteam und der Regisseur. Und Inhaltliches, Witziges, Geistreiches - schon bisher selten zu finden - kam gar nicht vor. Ein Höhepunkt war dennoch der gerührte 87-jährige Ennio Morricone, der für die Filmmusik von Quentin Tarantinos „The Hateful Eight“ ausgezeichnet wurde.
Erwähnenswert ist die Dankesrede des Musikers Sam Smith, der den Oscar für den besten Originalsong in einem Film entgegennahm. Er widmete seinen Preis der LSBT-Community (lesbisch, schwul, bisexuell, Transgender) und sagte, er sei der ersten offen schwule Mann, der jemals einen Oscar gewonnen habe. Am Ende seiner Rede richtete er einen Appell an die Weltgemeinschaft: „Ich hoffe, dass wir eines Tages tatsächlich gleichberechtigt sein werden.“
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