Der Leinwandtod des Justin Bieber
Er - der, auf den alle so lange gewartet haben - ist wieder unterwegs: Derek Zoolander, dargestellt und erschaffen von Hollywoods Vorzeigekomiker Ben Stiller. Aber taugt er in „Zoolander 2“ und damit 15 Jahre nach dem Original noch als Kultfigur?
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Eine rasante Verfolgungsjagd durch Rom, ein junger Mann im Kapuzenpulli wird von zwei Motorrädern gejagt, dann eine Sackgasse. Der junge Mann ist Justin Bieber. Kurz nachdem er von Hunderten Kugeln durchsiebt wird und kurz bevor er seinen letzten Atemzug aushaucht, schafft es das ewige Teenie-Idol noch schnell, ein Selfie zu schießen. Bieber ahmt dabei jenen Gesichtsausdruck nach, mit dem einst das Topmodel Derek Zoolander bekanntwurde: den „Blue Steel Look“.
Für einen Moment scheint es da, als hätte „Zoolander“ das Update ins Jahr 2016 geschafft. Actionreich und so überzeichnet, dass es schon wieder unterhaltsam ist. Das gilt zumindest für die ersten zehn Kinominuten. Aber obwohl die Latte da unterhaltungstechnisch schon tief liegt - besser wird es nicht mehr.
Viel Klamauk und wenig Handlung
Im ersten Teil von „Zoolander“ beherrscht ein Modedesignersyndikat die Welt: Das Starmodel Zoolander wird von Bösewicht Mugato (Will Ferrell) mittels Gehirnwäsche zum Killer umprogrammiert und soll den Premierminister von Malaysia ermorden. Denn dieser plant gegen Kinderarbeit vorzugehen, was für die Modeindustrie eine finanzielle Katastrophe wäre.

2015 Paramount Pictures
Ben Stiller, Owen Wilson und Penelope Cruz
Zwar setzte Stiller schon damals vor allem auf brachiale Komik, und die Handlung war wenig mehr als ein loser Umhang für jede Menge Klamauk. Aber die Grundidee war durchaus reizvoll: Eine Figur auf den Laufsteg der Eitelkeiten zu schicken, die so absurd und naiv erscheint, dass sie es vermag, die Modebranche mit ihren auf Hochglanz polierten Fassaden zu untergraben und ihre Strategien zu hinterfragen.
Sinnbefreit zwischen Pantheon und Cinecitta
Waren es im ersten Teil dabei nur die schrillen Kostüme, die an einen Secondhandladen aus den 90er Jahren erinnerten, so sind es jetzt die beiden einst verfeindeten Topmodels Zoolander und Hansel McDonald (Owen Wilson), die wie Relikte aus der Vergangenheit wieder ausgegraben werden – gemeinsam mit zahlreichen Verweisen auf den ersten Film. Aber anstatt auf Ideen und Gags von damals aufzubauen und sie weiterzudenken, werden diese in „Zoolander 2“ nur aufgewärmt.
Zurück aus dem Ruhestand treffen sich Hansel und Derek in Rom, wo sie auf viele bekannte Kulissen und Gesichter, aber wenig Substanz im Drehbuch treffen. Eine kleine Kostprobe: Popstar Sting lüftet in Obi-Wan-Kenobi-Aufmachung das Geheimnis eines Jungbrunnens (Adam und Eva waren nicht allein im Paradies). Das Modedesignersyndikat rund um Mugato (mit Cameoauftritten von Valentino und Anna Wintour) will Zoolanders Sohn opfern, was Derek und Hansel mit Hilfe einer Spezialagentin (Penelope Cruz) von der Interpol’s Global Fashion Division zu verhindern versuchen.
Stiller wechselt dabei öfter die Stars in den Nebenrollen als Zoolander seine Outfits. Waren es im ersten Teil unter anderem David Bowie, Heidi Klum und Donald Trump, die in Gastrollen Stiller die Gags zuwarfen, so wartet „Zoolander 2“ neben Justin Bieber und Sting noch mit Benedict Cumberbatch, Kanye West, Lewis Hamilton und einem guten Dutzend weiterer Stars in Kleinst- und Nebenrollen auf.
Die Stars selbst sind die Gags
Cumberbatch ist ein androgynes Model, Sting spielt sich selbst und Cruz bedauert sich als Modepolizistin für ihre großen natürlichen Brüste. Die Gags gibt dabei nicht das Drehbuch vor, die Gags sind die Stars selbst - alleine durch ihre Auftritte. Sie alle sind gewissermaßen die Fastfood-Lieferanten für den Klamauk-Oberguru Stiller – eine selbstgenügsame Starrevue.
Filme von oder mit Stiller sind immer wieder ein Grenzgang zwischen absurdem Slapstick und beflissener Komik, wobei menschliche Abgründe und Zweifel („Wer bin ich wirklich?“) mit Klamauk ausgeleuchtet werden. Aber egal wie berechnend er die Naivität seiner Figuren ausstellt, man lacht selten über sie, meistens mit ihnen. Nicht so in „Zoolander 2“ – denn zum Lachen ist einem da generell nur selten zumute.
Die Gagmaschinerie im ersten Teil war noch präzise getaktet: Zwischen Slapstick, Typenkomik und Klischeereiterei wurde der Adrenalinspiegel hochgehalten - man konnte noch mitlachen anstatt zu verzweifeln. Auf dem Papier klang die Fortsetzung mit ihrem prominenten Cast vielleicht nach einer guten Idee, heraus kam dabei aber nur starbesetzter Kinoklamauk. Eine sinnbefreite Cashcow, die darauf hofft, gemolken zu werden.
Benno Feichter, ORF.at
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