Konkurrenten begraben Kriegsbeil
Nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland tun sich in der Glücksspielbranche Erzrivalen zusammen. Der „Automatenkönig“ Gauselmann stieg im Jänner mit 40 Prozent bei der traditionsreichen Spielbank Berlin ein. Das Casino am Potsdamer Platz mit weiteren Außenstellen gehört seit dem Jahr 2011 dem niederösterreichischen Novomatic-Konzern.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Dem Einstieg von Paul Gauselmanns Unternehmensgruppe bei der Spielbank Berlin war ein längerer Streit vorangegangen. Die Automatenfirma wollte dem Senat vor Gericht die Vergabe der Spielbankkonzession an die bisherige Betreibergesellschaft untersagen. Nun haben die Konkurrenten das Kriegsbeil begraben und wollen sich gemeinsam um die Konzession bemühen.
Das Verfahren zur Lizenzvergabe läuft. „Wir sind zuversichtlich, das Land Berlin davon überzeugen zu können, dass wir auch in Zukunft der beste Partner für das Casino-Entertainment in Berlin sind“, teilte Spielbank-Geschäftsführer Günter Münstermann Mitte Jänner mit. Gauselmann wird nunmehr 40 Prozent an der Spielbank-Betreibergesellschaft halten. Die restlichen 60 Prozent an der Betreibergesellschaft verbleiben bei Novomatic, wie ein Spielbank-Berlin-Sprecher auf APA-Anfrage sagte.
Über 700.000 Euro Gewinn 2014
Novomatic hielt im Jahr 2014 mehr als 92 Prozent an der Spielbank Berlin Gustav Jaenecke GmbH & Co. KG. Damals warf diese einen Gewinn von mehr als 703.000 Euro ab und war mit einem Eigenkapital von 11,3 Mio. Euro ausgestattet, geht aus dem Novomatic-Geschäftsbericht hervor.
Die Spielbank Berlin nat. Beteiligungsges mbH & Co. KG, die zur Gänze Novomatic gehört, machte hingegen einen Verlust von 430.000 Euro. Im Jahr 2014 hatte Novomatic seine Anteile an der Spielbank Berlin noch einmal aufgestockt. Die Niederösterreicher haben die Anteile des 2014 verstorbenen früheren Sportfunktionärs Manfred von Richthofen übernommen.
Konkurrenten in mehreren Bereichen
Gauselmann und Novomatic sind in mehrerlei Hinsicht Konkurrenten. In Deutschland sind beide große Betreiber von Automatenspielhallen, Gauselmann gehören die Merkur-Spielotheken, Novomatic die Löwen-Gruppe, die Geldgewinnspielautomaten betreibt und auch herstellt, verkauft und vermietet.
In Österreich bemühten sich beide Glücksspielkonzerne um eine der neuen Casinolizenzen. Beide bekamen einen Zuschlag, Novomatic für eine Spielstätte in Bruck an der Leitha (Niederösterreich) und im Wiener Prater, Gauselmann, gemeinsam mit einem Schweizer Partner, für das Palais Schwarzenberg in Wien. Die im Sommer 2014 vom Finanzministerium erfolgte Vergabe wurde aber aufgrund von Verfahrensmängeln vom Bundesverwaltungsgericht aufgehoben. Jetzt ist das Höchstgericht am Zug.
Die unterlegenen teilstaatlichen Casinos Austria, bisher Monopolisten, hatten sich beschwert. Zwischenzeitlich hat sich der österreichische Spielbankenmarkt aber gehörig verändert: Novomatic ist gerade dabei, bei den Casinos Austria einzusteigen. Mit dem Deal sind aber noch Justiz und Wettbewerbshüter beschäftigt - auch hier hat ein unterlegener Player, ein Konsortium zweier tschechischer Milliardäre, eine Klage eingebracht. Die Tschechen wollen ebenfalls Casinos-Austria-Miteigentümer werden und machen ein Vorkaufsrecht geltend.
Links: