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Öffentliches Leben kam zum Erliegen

Einer der schwersten Schneestürme seit vielen Jahren hat in der Nacht auf Samstag die US-Ostküste getroffen. Es kam zu vielen tödlichen Unfällen, Zehntausende Menschen waren ohne Strom, Tausende Flüge wurden abgesagt. „Schwerer Schneefall, zunehmender Wind, Gefahr von Blitzeinschlägen“, twitterte der Wetterdienst NWS und warnte vor „einer Bedrohung für Leben und Besitztümer“.

Mindestens acht Menschen starben bis Samstag, größtenteils bei Autounfällen, in den US-Staaten Arkansas, Tennessee und Kentucky, wie zuständige Polizeibehörden mitteilten. Mehr als 112.000 Menschen waren in North und South Carolina ohne Strom. Zu Problemen mit der Energieversorgung kam es auch in Virginia, wo Zehntausende Menschen ohne Strom waren.

Airlines strichen am Freitag und Samstag laut dem Datenanbieter FlightAware.com im ganzen Land mehr als 7.100 Flüge. Allein am Freitag verspäteten sich zudem 7.000 Maschinen. Hauptsächlich betroffen waren die Flughäfen in New York und Philadelphia.

90 Zentimeter Neuschnee in Washington

Wetterexperten vermuten, dass der Sturm, der sich die Ostküste hinaufbewegte, für bis zu 90 Zentimeter Neuschnee in Washington sorgen könnte. Solche Schneemassen hat die Hauptstadt laut Meteorologen noch nie zuvor erlebt. Der Wintersturm könnte in der Hauptstadt einen Schneerekord aus dem Jahr 1922 brechen.

Der Schneefall begann am Freitagnachmittag, die U-Bahn stellte bis Sonntag ihren Betrieb ein. In den Metropolen Philadelphia und New York, die ebenfalls an der Ostküste liegen, wurde mit bis zu 46 Zentimetern Neuschnee gerechnet.

Blizzard-Warnung von New York bis Virginia

Insgesamt leben im von dem Sturm bedrohten Gebiet 85 Millionen Menschen in insgesamt 20 Bundesstaaten, das entspricht knapp einem Viertel der US-Bevölkerung. „Ein Gebiet von Baltimore über Washington DC bis hinauf nach Philadelphia sollte sich auf einen Blizzard einstellen, der zwischen 30 und 60 Zentimeter Schnee mit sich bringt“, teilte der Wetterdienst AccuWeather mit. Der nationale Wetterservice gab eine Blizzard-Warnung heraus, die von Virginia bis vor New York City reichte.

Satellitenbild

Reuters/NOAA NOAA

Der Sturm traf die US-Ostküste in der Nacht auf Samstag

Vielerorts brach der Verkehr auf winterlichen Straßen zusammen. Die Polizei berichtete alleine in Virginia von Hunderten Unfällen, mehrere Menschen kamen ums Leben. An der US-Ostküste sind nicht viele Fahrzeuge für Schnee und Eis ausgerüstet. Viele Autofahrer ignorierten die offiziellen Mahnungen, von Freitagnachmittag an das Haus nicht mehr zu verlassen.

Mehrere Bundesstaaten riefen den Notstand aus, was aber vor allem organisatorische und finanzielle Gründe hat. Am Samstag soll es ununterbrochen weiterschneien. Die Behörden warnten zudem vor Überschwemmungen an den Küsten. „Es ist der Wind, der uns Sorgen macht“, sagte Robert Maloney aus dem Büro des Bürgermeisters in Baltimore. Auch in New York und New Jersey bereiteten sich die Stadtverwaltungen auf Überschwemmungen vor.

Hamsterkäufe in Washington

Das öffentliche Leben in der Hauptstadt der USA kam am Freitag weitestgehend zum Erliegen. Regierungsbehörden schlossen zu Mittag, alle Schulen bereits in der Früh. Auch der öffentliche Nahverkehr wurde bis Sonntag eingestellt, vom frühen Samstagmorgen an auch einschließlich des gesamten Metronetzes. Das hat es in dieser Form in DC noch nicht gegeben.

Mann mit vereistem Bart

APA/AP/Alex Brandon

Passant in Washington: Der Blizzard legte das öffentliche Leben in der US-Hauptstadt lahm

In Washington setzten bereits viele Stunden vor Einsetzen des Winterwetters regelrechte Hamsterkäufe ein. In Supermärkten waren Brot, Milch und Wasser vielerorts Mangelware. Auch in anderen Städten der Ostküste deckten sich die Menschen mit Lebensmittelvorräten ein.

Auf Sturm folgt Sonnenschein

Während der Sturm 24 bis 36 Stunden dauern sollte, wurde für Sonntag strahlender Sonnenschein bei Minusgraden vorausgesagt: ideales Wetter für Wintersportler, Familien und Ausflügler. Den Namen „Snowzilla“ verdankt der Schneesturm der „Washington Post“ beziehungsweise den Lesern des Blattes. In einer Onlineumfrage sprach sich eine Mehrheit der Leser zwar für den Namen „Make Winter Great Again“ aus - der zweitplatzierte Begriff „Snowzilla“ gebe jedoch einen besseren Hashtag in den Sozialen Medien ab, teilte die Redaktion mit.

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