Letzter Ball am 4. Februar
„Neun Opernbälle sind genug“: Mit diesen Worten hat Organisatorin Desiree Treichl-Stürgkh ihren Rücktritt nach dem heurigen Opernball bekanntgegeben. „Es hat mir sehr großen Spaß gemacht. Ich habe es unentgeltlich gemacht, aber ohne eigentlich zu wissen, wie viel Aufwand es ist“, sagte sie. „Doch jetzt gibt es wichtigere Dinge in meinem Leben: meine Familie und meinen Job als Verlegerin.“
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Sie habe immer nach dem Motto „‚Geht nicht‘ gibt’s nicht“ gearbeitet und wahnsinnig viel Freude an der Tätigkeit gehabt: „Vor allem hoffe ich, den Gästen und Zusehern der vergangenen acht Bälle ein wenig Freude gemacht zu haben.“ Die Entscheidung, die Organisationsarbeit zurückzulegen, sei ihr „relativ schwergefallen“, sei aber schon im Sommer festgestanden, sagte sie Journalisten im Anschluss an die Pressekonferenz. Staatsoperndirektor Dominique Meyer habe davon gewusst.
„In der Desi steckt mehr wie nur der Opernball“
„Heute habe ich gefunden, es ist ein guter Moment. Ich kann mich heute bei allen bedanken. Jetzt kann ich mich auf dem letzten Ball voll konzentrieren“, begründete sie den Schritt, ihren Rücktritt bei jener Pressekonferenz bekanntzugeben, bei der eigentlich das Programm des 60. Opernballs, der am 4. Februar stattfindet, im Mittelpunkt hätte stehen sollen. Jedenfalls möchte sie mit der letzten von ihr organisierten Veranstaltung „noch den besten Eindruck hinterlassen“: „Ich glaube, es wird mein Prunkstück.“
Desiree Treichl-Stürgkh gibt Opernball ab
Treichl-Stürgkh sagte, dass sie den Entschluss schon im Sommer getroffen habe. Der diesjährige Opernball am 4. Februar aber soll noch ihr Prunkstück werden.
Das Zurücklegen ihrer Funktion begründete sie damit, wieder mehr Zeit für ihre Familie haben zu wollen. So habe sie in den letzten Jahren nie die Semesterferien mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen verbringen können, auch Weihnachten sei immer anstrengend gewesen. „Ich habe immer gerne gearbeitet, auch vorm Opernball.“ Aber es sei schon ein anderes Arbeiten, weil der Druck so groß sei, weil alles beobachtet und kommentiert werde.
Außerdem will sie sich wieder mehr ihrem eigentlichen Job als Verlegerin widmen: „Ich möchte wieder Projekte machen. Ich möchte auch wieder Geld verdienen. Ich glaube, in der Desi Treichl steckt mehr wie nur Opernball.“ Wer ihr nachfolgen wird, steht noch nicht fest: „Egal wer es ist, ich wünsche ihm, ihr nur das Beste, das Tollste. Und man muss seinen eigenen Stil finden.“
Meyer zeigt Verständnis
Staatsoperndirektor Meyer zeigte Verständnis für den Schritt, fand es aber auch schade: „Ich bedaure, dass du es nicht mehr machen willst, ich verstehe es auch.“ Denn hinter der Ballorganisation stecke viel Einsatz und Arbeit - denn die Vorbereitungen für den nächsten Ball würden bereits am Tag nach dem gerade stattgefundenen Event beginnen.
Aber für ihn steht fest, dass seine Zusammenarbeit mit Treichl-Stürgkh nicht am 5. Februar enden wird: „Wir haben zusammen ein paar Projekte, und ich hoffe, dass wir sie verwirklichen werden.“ Im Anschluss an die Bekanntgabe gab es für Treichl-Stürgkh Applaus und Standing Ovations von den Teilnehmern der Pressekonferenz.
Politprominenz gibt sich die Ehre
Der Opernball weist heuer eine prominente Politbesetzung auf. Neben dem Bundespräsidenten werden auch der Kanzler und mehrere Minister dem Tanzreigen die Aufwartung machen. Von den Hofburg-Anwärtern nimmt vermutlich nur ÖVP-Kandidat Andreas Khol teil.
Für Heinz Fischer ist 2016 das letzte Jahr, in dem er als Präsident dem Ball beiwohnen kann. Die Gelegenheit nützt das Staatsoberhaupt und wird auch einen Gast zur Seite haben. Wer das ist, wollte man in der Hofburg vorerst nicht kundtun. Noch unsicher ist die Teilnahme von Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ).
Faymann heuer wieder dabei
Nachdem er im Vorjahr wegen eines EU-Gipfels passen musste, ist Kanzler Werner Faymann (SPÖ) heuer wieder mit dabei. Ihm zur Seite stehen Kanzleramts- und Kulturminister Josef Ostermayer sowie Staatssekretärin Sonja Steßl (beide SPÖ). Ansonsten hat sich aus der SPÖ noch Alois Stöger angekündigt, der beim Ball bereits vom Infrastruktur- ins Sozialministerium gewechselt sein wird. Ebenfalls sein Kommen zugesagt hat Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ).
Eine bunte Gästeschar hat ÖVP-Obmann Reinhold Mitterlehner in die Staatsoper geladen. Der Fraktionsvorsitzende der Europäischen Volkspartei, Manfred Weber, folgt dem Ruf des Vizekanzlers ebenso wie die Vorsitzende der Universitätenkonferenz, Sonja Hammerschmid, die Rektorin der Uni Graz, Christa Neuper, sowie die Direktorin des Technischen Museums, Gabriele Zuna-Kratky.
Hundstorfer und Van der Bellen passen
Schließlich darf auch der Präsidentschaftskandidat der Volkspartei nicht an der Seite des Obmanns fehlen. Andreas Khol wird mit seiner Frau Heidi am Opernball erwartet. Nicht teilnehmen wird nach derzeitigem Stand Noch-Sozialminister und Bald-Hofburg-Kandidat Rudolf Hundstorfer (SPÖ), sonst ein gern gesehener Gast auf dem Wiener Ballparkett. Definitiv nicht in die Oper kommen wird der von den Grünen unterstützte Bundespräsidentschaftskandidat Alexander Van der Bellen. Aus dem Büro von Hofburg-Kandidatin Irmgard Griss war keine Auskunft über eine allfällige Teilnahme zu erhalten.
Seitens der ÖVP ist man abseits des Chefs heuer eher zurückhaltend, was das Walzervergnügen angeht. Einzig Justizminister Wolfgang Brandstetter hat von der Ministerriege fix seinen Auftritt in der Oper angekündigt. Wieder einmal zum Ball zieht es heuer FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache. Allzu prominente internationale Gäste an seiner Seite sind allerdings nicht zu erwarten, hieß es aus dem Büro des FPÖ-Chefs.
Lugner winkt für Nachfolge ab
Trotz einiger Scharmützel zollte Baumeister Richard Lugner der scheidenden Opernball-Organisatorin seinen Respekt. „Sie hat es schon gut gemacht. Sie hat mir zwar immer eine schlechte Loge gegeben, das muss ich schon sagen, aber grundsätzlich war sie sehr gut“, sagte der Unternehmer am Dienstag der APA.
Lugner, der mit der US-Schauspielerin Brooke Shields beim Ball erscheinen wird, beschäftigt nun vor allem die Nachfolge. „Das ist schon eine schwere Aufgabe“, sagte Lugner. Die neue Organisation soll sich Lugner zufolge aber sogleich dem wichtigsten Problem annehmen: „Man soll nicht länger den roten Teppich für den Bundespräsidenten eine halbe Stunde lang sperren, so was ist für eine Demokratie nicht würdig.“ Tipps für die Nachfolge hat er keine. Er selbst winkte aber ab: „Ich bin keine Opernball-Lady.“
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