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„Hogesa“-Debakel sorgte für Kritik

Am Ende war das Aus für den Kölner Polizeipräsidenten nur noch eine Frage der Zeit: Mit der Versetzung von Wolfgang Albers in den einstweiligen Ruhestand zog Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) am Freitag die Konsequenz aus einer tagelangen Demontage des Behördenchefs, die dessen Kritiker als Selbstdemontage bezeichnen dürften.

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„Meine Entscheidung ist jetzt notwendig, um das Vertrauen der Öffentlichkeit und die Handlungsfähigkeit der Kölner Polizei zurückzugewinnen“, begründete Jäger seinen Schritt nach der Silvestergewalt in Köln.

Der seit Tagen heftig gescholtene Albers äußerte Verständnis für die Entscheidung seines Dienstherrn und Parteifreundes. Die öffentliche Debatte über ihn sei dazu angetan gewesen, die Aufarbeitung des Polizeieinsatzes bei den massiven sexuellen Übergriffen auf dem Kölner Hauptbahnhof „zu erschweren und zu verzögern“. „Deshalb verstehe ich die heutige Entscheidung von NRW-Innenminister Ralf Jäger. Es geht darum, verlorengegangenes Vertrauen wiederherzustellen.“

Allein auf weiter Flur

Gut eine Woche nach dem unzureichenden Polizeieinsatz in der Silvesternacht stand Albers zuletzt ganz allein da. Ob Kölner Lokalpolitiker oder die CDU-Opposition im Düsseldorfer Landtag - am Ende glaubte niemand mehr, dass der Jurist auf dem Chefsessel des Kölner Polizeipräsidiums den Skandal um die massenhaften sexuellen Übergriffe auf Frauen und die Raubdelikte auf dem Hauptbahnhof noch unbeschadet überstehen könnte.

Seine Kritiker warfen Albers vor allem eine katastrophale Informationspolitik über den Polizeieinsatz vor. Seine Angaben stünden in krassem Widerspruch zu Aussagen von Opfern und Zeugen - und selbst zu jüngst bekanntgewordenen internen Berichten von Polizeiführern. Dass diese Berichte Medien zugespielt wurden, mag als Beleg dafür gelten, dass der Sozialdemokrat Albers zuletzt auch in den Reihen der Polizei kaum noch auf Unterstützung zählen konnte.

Eklat um Aufmarsch „Hooligans gegen Salafisten“

Es war nicht das erste Mal, dass der 1955 geborene Albers massive Kritik einstecken muss. Der Chef von rund 5.000 Kölner Polizeibeschäftigten war gerade einmal drei Jahre im Amt, als im Oktober 2014 ein Polizeieinsatz bei einem Aufmarsch der Gruppierung „Hooligans gegen Salafisten“ (Hogesa) auf dem Kölner Hauptbahnhof gründlich danebenging. Die Polizei war mit rund 1.300 Beamten im Einsatz - und sah sich letztlich knapp 5.000 teils gewaltbereiten Hooligans und Rechtsextremen gegenüber.

Es kam zu schweren Ausschreitungen, bei denen fast 50 Polizisten verletzt wurden. Dabei kippten Randalierer einen Einsatzwagen der überforderten Polizei auf die Seite - die Szene wurde zum Symbolbild für ein Zurückweichen der Staatsgewalt vor rechten Schlägern. Das Hogesa-Debakel sei ein „beispielloser Ausweis behördlichen Organisationsversagens“ gewesen, kritisierte noch in dieser Woche der CDU-Fraktionsvize im NRW-Landtag, Peter Biesenbach.

Vorbereitung als Konzept

Den Vorwurf organisatorischen Versagens hatte der Verwaltungsmensch Albers stets zurückgewiesen. In seinem beruflichen Werdegang sammelte der Münchner umfangreiche Kenntnisse über das Innenleben von Behörden: 1988 trat er in den Landesdienst bei der Bezirksregierung Köln ein und war später persönlicher Referent der NRW-Innenminister Herbert Schnoor und Franz-Josef Kniola (beide SPD). Bevor er 2011 in Köln die Leitung der größten Polizeibehörde Nordrhein-Westfalens übernahm, war Albers neun Jahre lang Polizeipräsident im benachbarten Bonn.

Ebenfalls in Bonn hatte Albers in den 1980er Jahren sein Jurastudium absolviert. Dort zählte er damals zu den Organisatoren der großen Friedensdemonstrationen, zu denen Hunderttausende an den Sitz von Regierung und Parlament strömten. In einem Interview mit der „taz“ hatte Albers vor zwei Jahren seine Vorstellungen von einem Polizeikonzept bei Großereignissen geschildert: „Wenn man unvorbereitet ist, gibt es Konflikte. Wenn man sich auf die Lage einstellt, klappt es besser.“ In der Kölner Silvesternacht ging Albers’ Konzept offensichtlich nicht auf.

Richard Heister, AFP

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