Galionsfigur der Ökologiebewegung
Freda Meissner-Blau ist tot. Die Mitgründerin der Grünen starb im Alter von 88 Jahren am Dienstagabend im privaten Kreis, wie ihre Familie mitteilte. Meissner-Blau wurde als erste grüne Präsidentschaftskandidatin bekannt und machte damit die Partei erstmals in Österreich einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich.
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Meissner-Blau galt als Galionsfigur der Ökologiebewegung in Österreich. Sie verhalf den Grünen 1986 zu ihrem ersten Einzug ins Parlament, im selben Jahr kandidierte „FMB“ - so ihr Namenskürzel, das zum Markenzeichen wurde - für das Amt des Bundespräsidenten. Zuvor wurde Meissner-Blau besonders im Zuge der Proteste gegen das AKW Zwentendorf und Hainburg einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

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Meissner-Blau im Jahr ihrer Kandidatur für die Bundespräsidentschaft 1986
Aktivistin in Friedens- und Umweltbewegung
Meissner-Blau stammte aus einer altösterreichischen Offiziers- und Industriellenfamilie. Geboren am 11. März 1927 in Dresden, führten sie die Schrecken des Hitler-Regimes, ihr eigenes Flüchtlingsschicksal, wachsende Naturzerstörung und Aufrüstung schon früh als Aktivistin und Publizistin in die Friedens- und Umweltbewegung. Neben ihren verschiedenen beruflichen Tätigkeiten in Österreich lebte und arbeitete sie lange Jahre in Frankreich - dort als Befürworterin der Nuklearenergie allerdings noch in der Atomindustrie - und in Afrika.
Durch die Erkenntnis der Probleme der Endlagerung von atomaren Rückständen geläutert, erwarb sich Meissner-Blau erste Bekanntheit durch ihren Kampf gegen die Inbetriebnahme des Atomkraftwerkes Zwentendorf, der 1978 durch eine Volksabstimmung zugunsten der Atomgegner entschieden wurde. Im Winter 1984/85 stand sie an der Spitze des Widerstandes gegen die Zerstörung der Hainburger Au.
Radiohinweis
Ö1 ändert in memoriam Freda Meissner-Blau sein Programm und zeigt am Montag, dem 28. Dezember, um 16.00 Uhr die Politikerin „Im Gespräch“, eine Wiederholung einer Sendung vom Oktober 2014 - mehr dazu in oe1.ORF.at.
Achtungserfolg bei Hofburg-Wahl
Bei der Bundespräsidentenwahl 1986 errang sie mit 5,5 Prozent der Stimmen gegen Kurt Waldheim und Kurt Steyrer nicht nur einen Achtungserfolg, sondern zwang die beiden Mitbewerber auch zu einer Stichwahl.
Unter dem Listennamen der Spitzenkandidatin „Freda Meissner-Blau“ errangen die Grünen dann bei den Nationalratswahlen im Herbst 1986 acht Mandate. Die grünen Neoparlamentarier wählten Meissner-Blau zu ihrer Klubobfrau. War sie schon nicht die erste Frau gewesen, die für das Amt des Bundespräsidenten kandidierte - dieses Verdienst trägt Ludovica Hainisch, die bereits 1951 antrat -, so wurde sie zumindest der erste weibliche Parlamentsklubchef.
Überraschender Rückzug 1988
Im November 1988 überraschte Meissner-Blau nicht nur die Öffentlichkeit, sondern auch ihre eigene Fraktion mit ihrem Rückzug aus der Politik. Sie argumentierte damit, ihr Ziel erreicht zu haben und nun Platz für andere machen zu wollen. Tatsächlich hatte ihre Entscheidung, aus dem Nationalrat auszuscheiden, auch ihre Ursachen in handfesten Meinungsverschiedenheiten zwischen ihr und anderen Protagonisten der Grünen Alternative.
Immer wieder meldete sich Meissner-Blau danach zu Grün-Interna zu Wort, etwa 2008, als sie ihrer Nachfolgerin Eva Glawischnig im Streit mit Johannes Voggenhuber öffentlich den Rücken stärkte. Auch als Kritikerin von Glawischnigs Vorgänger Alexander Van der Bellen und dessen Abkehr von „urgrünen Themen“ tat sie sich damals hervor.
„Leben selbst hat doch so viel Sinn“
Meissner-Blau überstand nicht nur einen schweren Autounfall, sondern musste sich 1999 auch einer Herztransplantation unterziehen. „So nah am Tod vorbeistreifen, eigentlich anstreifen, hat mich leben gelehrt“, meinte Meissner-Blau danach. Anlässlich ihres 85. Geburtstags gab sie sich im APA-Interview noch vital und kämpferisch. „Eigentlich bin ich ja überfällig“, sagte sie, doch „ich lebe noch immer gerne“.
Worum es ihrer Ansicht nach im Leben geht, schrieb sie in ihren im Vorjahr erschienenen Lebenserinnerungen: „Meine einzige Antwort ist: Das Leben. Das Leben selbst hat doch so viel Sinn.“ Sie selbst spiele in der Geschichte keine Rolle, „wir alle fallen dem Vergessen anheim“, so Meissner-Blau. „Ich denke, atmosphärisch hinterlassen wir etwas, nicht de facto.“
Kinder gedenken ihrer Mutter
Am Mittwoch meldeten sich Meissner-Blaus Kinder Ted, Nicolas und Aleksandra schriftlich zu Wort. „Sie hat uns Mut gemacht, für eine bessere Welt einzustehen“, hieß es in dem Text. „Sie hat unsere Zeit durch ihren Einsatz für Umwelt, Frauen, Flüchtlinge, Frieden und soziale Gerechtigkeit entscheidend mitgestaltet.“
„Sie war leidenschaftlich, begeisterungsfähig, großzügig in ihrem Einsatz und neugierig bis zuletzt“, schrieben die drei über ihre Mutter. „Sie hat ein fruchtbares, abwechslungsreiches, spannendes Leben gelebt. So kämpferisch sie war, so liebevoll und sanft ist sie gegangen.“
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