Präsident erklärt Gambia zu einem „islamischen Staat“
Der Präsident von Gambia, Yahya Jammeh, hat sein Land zu einem „islamischen Staat“ erklärt. „Das Schicksal Gambias liegt in den Händen Allahs, des Allmächtigen“, sagte der 50-Jährige nach Angaben des Präsidialamtes von gestern bei einer Rundreise durch den westafrikanischen Kleinstaat am Donnerstag in Brufut, 25 Kilometer von der Hauptstadt Banjul entfernt. „Ab heute ist Gambia ein islamischer Staat.“
Keine religiösen Konflikte
Offizielle Erläuterungen dazu, was die Änderung für Auswirkungen haben soll, gab es nicht. Gambia hat 1,96 Millionen Einwohner, von denen 90 Prozent Muslime sind. Religiöse Konflikte gibt es in dem Land bisher nicht.
Gleichzeitig betonte Jammeh, dass Christen und Anhänger anderer Religionen ihren Glauben in Gambia weiter ausleben dürften. „Keiner hat das Recht, in ihre Lebensweise einzugreifen“, zitierte die Zeitung „Freedom Newspaper“ aus der Rede des Staatschefs. Auch das christliche Weihnachtsfest werde weiter respektiert. Zudem soll es Frauen erlaubt bleiben, sich so zu kleiden, wie sie möchten.
Jammeh steht seit einem Putsch 1994 an der Spitze des Landes. Er wurde in den Jahren 1996, 2001, 2006 und 2011 als Präsident gewählt. 2002 ließ er eine Verfassungsänderung beschließen, nach der der Präsident unbegrenzt wiedergewählt werden kann.
Wirre Aussagen des Präsidenten
Jammeh ist ein praktizierender Muslim, der häufig mit einer Ausgabe des Koran in der Hand öffentlich auftritt. In den vergangenen Jahren mehrten sich die Verfolgung von Oppositionellen und Homosexuellen. Der Präsident fiel durch wirre Aussagen auf, etwa dass er durch Handauflegen Aids heilen könne.
Im März 2014 kündigte Jammeh an, Gambia werde die englische Sprache als Nationalsprache aufgeben und sich stattdessen für eine afrikanische Sprache entscheiden. Die Ankündigung blieb bisher folgenlos. Heuer erklärte er, Gambia werde bis zum Jahresende die einzige verbleibende Supermacht der Erde und reichstes Land der Welt sein. Gambia ist etwa so groß wie Oberösterreich und der kleinste Staat des afrikanischen Festlandes.