Fingerabdrücke auf Pass stimmten überein
Drei Tage nach den Anschlägen von Paris mit mindestens 129 Toten sind nunmehr fünf der sieben getöteten Attentäter identifiziert worden. Einer der Attentäter von Paris ist offenkundig aus Syrien nach Europa gekommen. Die Fingerabdrücke eines der Selbstmordattentäter stimmen nach Angaben der Pariser Staatsanwaltschaft vom Montag mit denen überein, die bei einem Mann registriert wurden, der im Oktober mit syrischem Pass als Flüchtling nach Griechenland eingereist war.
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Bei dem mutmaßlichen Syrer handelt es sich um einen der Selbstmordattentäter vom Stade de France, in dessen Nähe ein syrischer Pass auf den Namen Ahmad al-Mohammad gefunden worden war. Geburtstag und -ort lauten auf 1990 im syrischen Idlib. Der Mann war im Oktober als Flüchtling in Griechenland registriert worden. Die Fingerabdrücke des Mannes stimmen mit jenen überein, die bei der Registrierung des Flüchtlings in Griechenland aufgenommen wurden.
ORF-Korrespondentin Eva Twaroch aus Paris
Die französische Regierung gibt sich entschlossen im Kampf gegen den IS-Terror und hat bereits erste Aktionen gesetzt. Eva Twaroch berichtet über neueste Entwicklungen in Paris.
Pass dürfte Fälschung aus der Türkei sein
Der Pass dürfte allerdings gefälscht sein. Denn im südserbischen Grenzort Presevo ist ein Mann entdeckt worden, dessen offensichtlich gefälschter syrischer Pass auf denselben Namen lautet wie jener, der in Paris neben dem getöteten Attentäter gefunden worden war. Das berichtete die Belgrader Tageszeitung „Blic“ am Montag. Der mit einer Gruppe von Flüchtlingen angekommene Mann sei am Samstag angehalten worden, berichtete das Blatt.
Die Polizei geht laut der Tageszeitung davon aus, dass der Mann in keiner Verbindung zu dem Attentäter von Paris steht. Vielmehr dürften beide ihren gefälschten syrischen Pass von derselben Person in der Türkei erworben haben. Alle Daten des Passes seien identisch mit jenem des in Paris gefundenen gewesen, nur das Foto sei anders gewesen, hieß es. Die beiden Pässe lauteten laut „Blic“ auf einen 26-jährigen Ahmad Al-Mohammad.
Attentäter unter richterlicher Überwachung
Laut der Staatsanwaltschaft handelt es sich bei dem anderen identifizierten Attentäter um den 28-jährigen Samy Amimour aus Drancy bei Paris, der an dem Angriff auf die Konzerthalle Bataclan beteiligt war. Er wurde demnach am 15. Oktober 1987 in Paris geboren und war im Oktober 2012 Ziel von Ermittlungen wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, weil er in den Jemen ausreisen wollte.
Angst in Paris weiter fühlbar
Drei Tage nach den Anschlägen von Paris herrscht in Frankreich Staatstrauer. In Paris ist die Verunsicherung bei vielen groß, Angst überschattet den Alltag.
Er stand unter richterlicher Überwachung, doch entzog er sich im Herbst 2013 der Überwachung, woraufhin ein internationaler Haftbefehl gegen ihn ausgestellt wurde. In seinem familiären Umfeld wurden am Montag drei Menschen in Polizeigewahrsam genommen, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.
Einer der mutmaßlichen Attentäter von Paris ist 2013 in die Türkei eingereist, von einer Ausreise ist nichts bekannt, sagt ein ranghoher türkischer Vertreter. Die türkischen Behörden hätten Frankreich im Dezember 2014 und Juni 2015 Hinweise zu dem Mann übermittelt. Aber erst nach den Anschlägen hätten die französischen Behörden Informationen über ihn angefordert.
Belgischer Dschihadist als Drahtzieher?
Der Drahtzieher der Anschläge von Paris könnte nach Medienberichten der polizeibekannte belgische Dschihadist Abdelhamid Abaaoud sein. Mindestens einer, wenn nicht zwei der Selbstmordattentäter seien Freunde von Abaaoud gewesen, berichtete die belgische Tageszeitung „De Standaard“ am Montag unter Berufung auf belgische Sicherheitsdienste. Die belgische Staatsanwaltschaft hielt sich Montagmittag unterdessen bedeckt: Es handle sich nur um „unbestätigte Gerüchte“, die man nicht kommentieren werde, so der Brüsseler Staatsanwalt Eric Van Der Sypt.
Der Sender RTL meldete ohne Angabe von Quellen, Ermittler hätten Abaaoud als Hintermann identifiziert. Er gilt bereits seit Längerem als der meistgesuchte Islamist Belgiens. Er soll sich zuletzt in Syrien aufgehalten haben. Früher lebte er in dem Brüsseler Problemviertel Molenbeek. Abaaoud könnte auch in die Attacken auf den Hochgeschwindigkeitszug Thalys und auf eine Kirche in Paris verwickelt sein, hieß es weiter.
Mutmaßliche Abdeslam-Komplizen in Haft
Zwei der am Samstag in Belgien festgenommenen Männer stehen unterdessen unter dringendem Terrorverdacht. Gegen beide gefassten Personen sei Haftbefehl erlassen worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Montag in Brüssel mit. Der Vorwurf lautet, dass sie an einem terroristischen Attentat und den Aktionen einer terroristischen Vereinigung beteiligt waren.
Nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga saßen beide Verdächtigen am Samstag gemeinsam mit Salah Abdeslam in dem Auto, das von der Polizei im nordfranzösischen Cambrai im Zuge der verschärften Grenzkontrollen überprüft worden war. Die Beamten ließen den Wagen allerdings weiterfahren, die beiden Verdächtigen wurden später in Brüssel festgenommen. Laut Belga handelt es sich bei den Männern um den Besitzer und einen Passagier des grauen VW Golf. Fünf weitere der am Samstag festgenommenen sieben Terrorverdächtigen seien wieder auf freiem Fuß, so die Brüsseler Staatsanwaltschaft.
Europol unterstützt französische Ermittler
In die Ermittlungen zu den Terroranschlägen ist die europäische Polizeibehörde Europol eingeschaltet worden. Europol unterstütze aktiv die französischen Ermittler, teilte ein Sprecher am Montag in Den Haag mit. Terrorismus- und Waffenexperten sowie andere Spezialisten seien seit Freitag in der Den Haager Zentrale rund um die Uhr im Einsatz. Europol entsandte zudem Experten nach Frankreich, die den direkten Zugang zu den Datenbanken von Europol herstellen könnten. Mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen wollte die Polizeibehörde keine weiteren Details zu dem Einsatz geben.
Großeinsatz der niederländischen Polizei
Unweit der Grenze zu Belgien fand am Montagnachmittag unterdessen ein Großeinsatz der niederländischen Polizei statt. Zwei Menschen wurden laut Medienberichten verhaftet. Auf Videoaufnahmen niederländischer Medien waren am Montag Polizisten mit Sturmhauben sowie mindestens zehn Streifenwagen und Zivilfahrzeuge der Polizei bei einer Scheune in der Nähe der Kleinstadt Susteren, 30 Kilometer von Maastricht entfernt, zu sehen. Ein Polizeihubschrauber kreiste über dem Geschehen. Ein unmittelbarer Zusammenhang zu den Paris-Anschlägen war vorerst nicht klar.
Valls: IS plant weitere Attacken in Europa
Die islamistische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) droht in einem neuen Video mit Anschlägen in den Ländern, die sich an Luftangriffen gegen die Islamisten in Syrien beteiligen. Diese Länder würden dasselbe Schicksal erleiden wie Frankreich. Die amerikanische Hauptstadt Washington wird explizit als Anschlagsziel genannt.
Warnung vor weiterem Terror in Europa
Nach den Attentaten von Paris warnt die französische Regierung vor weiteren Anschlägen in Europa.
Zuvor in der Früh hatte Frankreichs Premierminister Manuel Valls gesagt, der IS bereite nach den Angriffen in Paris auch Aktionen in anderen europäischen Ländern vor. „Wir wissen, dass Operationen vorbereitet werden, nicht nur in Frankreich, sondern gegen andere europäische Länder“, sagte Valls Montagfrüh dem Radiosender RTL.
CIA: IS mit „externer Agenda“
Auch der US-Geheimdienst CIA befürchtet weitere Attacken des IS gegen Ziele im Westen. „Ich würde damit rechnen, dass das nicht die einzige Operation ist, die der IS in der Vorbereitung hat“, sagte CIA-Direktor John Brennan am Montag in Washington. Die Anschläge von Paris seien „sorgfältig und überlegt geplant“ worden. „Das ist nicht etwas, was in wenigen Tagen erledigt wurde“, sagte Brennan. Es sei „klar“, dass die IS-Miliz eine „externe Agenda“ habe.
„Länger mit dieser Bedrohung leben“
Die Terroranschläge in Paris wurden nach Angaben von Valls von Syrien aus „organisiert“ und „geplant“. Er könne auch weitere Anschläge in den kommenden Tagen oder Wochen nicht ausschließen. „Wir müssen länger mit dieser Bedrohung leben“, sagte er weiter. Die französische Regierung habe gewusst, dass Attentate geplant worden seien, so Valls. Valls bekräftigte, Frankreich wolle den IS zerstören.
Der Premier kündigte an, dass die Regierung im „Krieg“ gegen den Terrorismus „keine Lösung“ ausschließe. Am Sonntagabend hatten französische Kampfflugzeuge bereits mehrere Luftangriffe auf IS-Stellungen und Ausbildungslager in ihrer syrischen Hochburg al-Rakka geflogen. Valls sagte, Frankreich sei „beim Vorgehen gegen den Terrorismus oft unter der Vorhut“ gewesen, etwa in Mali, wo die Streitkräfte Anfang 2013 gegen islamistische Milizen involviert waren.
Cameron: Sieben Anschläge verhindert
Der britische Premierminister David Cameron forderte unterdessen vom Parlament Unterstützung für die Beteiligung seines Landes an Luftangriffen in Syrien. „Wir müssen das Parlament überzeugen“, sagte er in der BBC. Cameron will auch die Geheimdienste deutlich aufstocken. Es sollten 1.900 neue Stellen geschaffen werde, sagte Cameron am Montag beim G-20-Gipfel in der Türkei.
Zudem sollen die Ausgaben für die Sicherheit auf Flughäfen verdoppelt werden, wie die britische Nachrichtenagentur Press Association weiter berichtete. Zugleich sagte Cameron nach BBC-Angaben, britische Sicherheitsbehörden hätten in den vergangenen Monaten sieben Terroranschläge vereitelt.
Zahlreiche Razzien
In der Nacht auf Montag seien in ganz Frankreich Wohnungen von möglichen Islamisten durchsucht worden, bestätigte Valls. Insgesamt habe es mehr als 150 Razzien gegeben. „Wir nutzen den gesetzlichen Rahmen des Ausnahmezustands, um Leute zu befragen, die Teil der radikalen Dschihadistenbewegung sind, (...) und alle jene, die Hass auf die Republik befürworten.“
Bei Durchsuchungen in Lyon seien eine Panzerfaust und andere Waffen gefunden worden. Zudem seien fünf Verdächtige festgenommen worden, verlautete am Montag aus Ermittlerkreisen. In der Nacht zu Montag liefen im Rahmen des nach den Anschlägen verhängten Ausnahmezustands auch in Bobigny, Toulouse, Grenoble und anderen Städten Frankreichs Dutzende Durchsuchungen im islamistischen Milieu.
Festnahmen und Hausarrest verhängt
Präsident Francois Hollande hatte am Freitagabend den Ausnahmezustand verhängt. Er erlaubt insbesondere Durchsuchungen ohne richterlichen Beschluss in der Nacht. Aus Ermittlerkreisen verlautete, die meisten Durchsuchungen seien nicht direkt verbunden mit den Ermittlungen zu den Hintermännern und Komplizen der Attentäter von Paris.
Die französische Polizei hat in der Nacht auf Montag 168 Häuser und Wohnungen durchsucht. 23 Personen wurden festgenommen, teilte Innenminister Bernard Cazeneuve mit. Es seien Waffen gefunden worden. 104 Personen wurden unter Hausarrest gestellt.

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA
Regierung will gegen Hassprediger vorgehen
Die französische Regierung plant ein härteres Vorgehen gegen radikale Imame. Im Kabinett solle über die Schließung von Moscheen beraten werden, „in denen Hass verbreitet wird“, kündigte Innenminister Cazeneuve am Sonntag im TV-Sender „France 2“ an. Der Ausnahmezustand erlaube es, mit Entschlossenheit die Ausweisung von denjenigen voranzutreiben, „die in Frankreich Hass predigen, die unter Terrorverdacht stehen oder an Terrorakten beteiligt waren“, fügte er hinzu.
Drei Tätergruppen an drei Tatorten
Wie der Pariser Staatsanwalt Molins am Samstagabend bekanntgab, waren die Angreifer gut organisiert und gingen sehr professionell vor. „Sehr wahrscheinlich waren es drei Teams von Attentätern, die sich abgesprochen haben“, so der Pariser Staatsanwalt Molins. Die erste Gruppe griff laut Molins mit Bomben bewaffnet das Fußballstadion an, die zweite Gruppe nahm die Lokale im Zentrum von Paris unter Beschuss, und ein drittes Team ist für den Angriff in der Konzerthalle Bataclan verantwortlich. Die Angriffe erfolgten zeitlich koordiniert binnen einer Zeitspanne von nur 33 Minuten.
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