Neu-Delhi bleibt hinter China zurück
Nach jahrelanger Weigerung hat sich das aufstrebende Schwellenland Indien im Oktober zur Einhaltung von Klimazielen verpflichtet. Der Subkontinent will bis zum Jahr 2030 etwa ein Drittel weniger Treibhausgase ausstoßen, als er das ohne Klimaschutzprogramm tun würde. Indiens Klimaziele bleiben allerdings bescheidener als jene von China.
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Indien ist nach China und den USA der drittgrößte Emittent von klimaschädlichem Kohlendioxid (CO2). Umweltschützer begrüßten, dass die Regierung in Neu-Delhi jetzt Verantwortung übernehmen wolle. Ende November soll beim Weltklimagipfel in Paris ein neuer großer Vertrag verabschiedet werden. Davor waren alle Länder dazu aufgerufen, sich selbst Ziele zu setzen.
„Sind nicht Teil des Problems“
Indien ist wegen seiner Größe zwar einer der größten Klimasünder - es emittiert aber pro Person nur 1,7 Tonnen CO2 im Jahr. In den USA sind es 16,6 Tonnen, in der Europäischen Union 7,3 Tonnen und in China 7,4 Tonnen. Auch verschmutzen die Industrieländer die Luft schon viel länger und tragen deswegen eine größere Schuld am Klimawandel, wie Indiens Umweltminister Prakash Javadekar bei der Vorstellung des Papieres betonte. „Wir sind nicht Teil des Problems, aber wir wollen Teil der Lösung sein“, versicherte er.
Indiens CO2-Ziele sind weniger ambitioniert als etwa die von China und Brasilien, aber mehr, als die USA oder Australien versprachen. Sie liegen prozentual gleichauf etwa mit der Europäischen Union. China hatte sich verpflichtet, in rund 15 Jahren eine Verringerung der Emissionen einzuleiten. Indien steht auf dem Standpunkt, dass es wegen seines Nachholbedarfs in der Wirtschaftsentwicklung keiner absoluten Verringerung von Treibhausgasen zustimmen kann.
Kohle bleibt zentral für Stromerzeugung
Das Schwellenland kündigte in seinen UNO-Klimazielen zudem an, Kohle werde auch in Zukunft zentral für die Stromerzeugung bleiben. Allerdings solle der Anteil nicht fossiler Brennstoffe auf 40 Prozent erhöht werden. Deshalb würden erneuerbare Energien wie Sonnen- und Wasserkraft unterstützt, aber auch die Atomkraft solle massiv gefördert werden.
Neu-Delhi will die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 33 bis 35 Prozent im Vergleich zu 2005 verringern - aber die Zahlen sind an das Bruttoinlandsprodukt geknüpft. Wächst Indiens Wirtschaft weiter so stark, kann das Land 2030 unterm Strich also mehr CO2 ausstoßen als heute.
Bekämpfung der Armut im Vordergrund
Indien hatte sich bei Klimaverhandlungen lange Zeit geweigert, starre Obergrenzen für Treibhausgasemissionen zu akzeptieren. Die Bekämpfung der Armut im Land habe oberste Priorität, und das gehe nur mit der Nutzung aller verfügbaren Energiequellen, lautete Indiens Standpunkt. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace erinnerte daran, dass mehr als 300 Millionen Inder noch keinen Zugang zu Strom haben. Diese brauchten eine dezentrale Versorgung mit erneuerbaren Energien.
Studie zu Meeresspiegelanstieg schlägt Alarm
Eine Klimaerwärmung um vier Grad Celsius wird unterdessen einer neuen Studie zufolge weltweit 470 bis 760 Millionen Menschen in Küstenregionen gefährden. Bei einem Temperaturanstieg von zwei Grad Celsius wären immer noch 130 Millionen Menschen vom höheren Meeresspiegel betroffen, heißt es in einem kürzlich veröffentlichten Report der US-Forschungsorganisation Climate Central.
Am stärksten trifft es demnach China, wo 145 Millionen Menschen in überflutungsbedrohten Regionen leben. Dort wäre auch der Effekt einer Erwärmung um nur zwei Grad am höchsten: Dann wären nur noch 64 Millionen Menschen gefährdet. In zwölf weiteren Nationen - darunter Indien, Bangladesch und Vietnam - müssten jeweils mehr als zehn Millionen Menschen dem Wasser weichen. Zu den zehn am meisten gefährdeten Megastädten zählen Schanghai, Hongkong, Kalkutta und Mumbai.
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