Themenüberblick

Bericht über streitende Offiziere

Die Nacht von Freitag auf Samstag war eine der ruhigeren im steirischen Spielfeld, seit sich die Fluchtbewegungen von Schutzsuchenden quer durch Europa auf Österreichs Süden verlagert haben. Die Stimmung zum Beginn des Wochenendes war angesichts einer bevorstehenden Demonstration von „Asylgegnern“ - und angeblichem Zwist zwischen Heer und Polizei - trotzdem gespannt.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Laut Bezirkshauptmann Manfred Walch war geplant, dass erwartete 800 Demonstranten gegen 13.00 Uhr beim Bahnhof Spielfeld losgehen und auf der B67, Grazer Straße, bis zu einer Tankstelle vor der Sammelstelle marschieren. Zumindest am Anfang der Kundgebung tauchten aber nur rund 100 Menschen auf - mehr dazu in oesterreich.ORF.at. Eigentlich wollten die Demonstranten drei verschiedene Kundgebungen abhalten, Walch genehmigte jedoch nur eine, da die ohnehin stark geforderten Einsatzkräfte nicht noch zusätzlich belastet werden sollten.

Heer stockt Kontingent weiter auf

Beantragt wurde die Versammlung von einer Person, die auch schon einen nicht genehmigten Aufmarsch am Nationalfeiertag mitorganisiert hatte. Den Teilnehmern werden sich auch Menschen einer zweiten geplanten Kundgebung anschließen, die von einer Frau aus Wiener Neustadt angekündigt wurde. Sie hatte ihren eigenen Antrag zurückgezogen und gemeint, sich der größeren Demo anzuschließen, erklärte Walch. Ein dritter Organisator zog seinen Antrag bei der Bezirkshauptmannschaft zurück.

Das Bundesheer schickt unterdessen weitere Soldaten an den Grenzübergang. Freitagabend wurde eine weitere Assistenzkompanie vom Burgenland in die Steiermark verlegt. „Die 79 Soldaten sind einsatzerfahrene Berufssoldaten der 3. Panzergrenadierbrigade aus Niederösterreich und dem Burgenland“, teilte das Bundesheer in einer Aussendung am Samstag mit. Damit sind bereits 880 der 1.500 Soldaten im sicherheitspolitischen Assistenzeinsatz in der Steiermark eingesetzt.

Berichte über interne Konflikte

Um die Abstimmung zwischen Exekutive und Heer dürfte es indes nicht zum besten stehen: Das Nachrichtenmagazin „profil“ schilderte in einem Vorabbericht am Wochenende, dass es im Zuge des gemeinsamen Einsatzes zu heftigen Kontroversen gekommen sein soll. Der Konflikt entlud sich laut dem Bericht am Mittwochabend, als gegen 18.00 Uhr die Schleusen an der Grenze aus Sicherheitsgründen teilweise geöffnet wurden, da 3.000 Flüchtlinge am Bundesstraßen-Grenzübergang versammelt waren und von slowenischer Seite 1.500 weitere Personen nachrückten.

Vor der Öffnung der Schleusen zogen sich die Polizeibeamten zurück. In der Menge der Flüchtlinge blieben nur die Bundesheersoldaten - ohne entsprechende Schutzausrüstung wie etwa Sicherheitswesten. In der anschließenden Einsatzbesprechung gerieten Polizei- und Bundesheeroffiziere heftig aneinander. Meinungsverschiedenheiten gibt es laut „profil“ auch über das taktische Vorgehen in Spielfeld. Der Vorschlag des Heeres, einen Pandur-Radpanzer zur Eindämmung drängender Flüchtlinge an der Grenze zu positionieren, wurde von der Polizei abgelehnt.

„Sehr ruhige“ Nacht

Im Hinblick auf die Zahl an Schutzsuchenden entspannte sich die Lage in Spielfeld unterdessen vorerst. Für den Weitertransport der rund 1.700 Flüchtlinge und Neuankommenden standen an der Sammelstelle am Samstag 80 Busse zur Verfügung. Für den Tagesverlauf wurden Neuankünfte im Ausmaß der vergangenen Tage erwartet, erklärte Polizeisprecher Christoph Grill am Samstag gegenüber der APA. Auf slowenischer Grenzseite sei auf dem Bahnhof von Sentilj eine Eisenbahn-Zusatzhaltestelle eingerichtet worden.

Die Nacht in der Sammelstelle am steirisch-slowenischen Grenzübergang in Spielfeld sei sehr ruhig verlaufen, so die Polizei. Unter den 1.722 Personen, die die Nacht in den fünf beheizten Großzelten verbrachten, habe es keine Gewalttätigkeiten oder Ausschreitungen gegeben. „Natürlich kommt es immer wieder zu Unruhe, wenn Busse kommen, grundsätzlich läuft es aber geordnet“, schilderte Grill. Die ÖBB schoben zwei Sonderzüge ein.

Zahl der Erkrankungsfälle steigt

Dem Roten Kreuz zufolge werden in Spielfeld täglich rund 600 Menschen medizinisch versorgt: Vor allem Kindern, älteren Menschen und schwangeren Frauen setzten die Strapazen der Flucht zu. „Viele haben Verkühlungen oder Grippe, verknöcheln sich oder haben kleinere Blessuren“, schilderte August Bäck vom Roten Kreuz. Die Ankommenden werden mit Lunchpaketen, die Toastbrot, Tee, Wasser, Bananen, Äpfel und Schokoriegel enthalten, versorgt.

Links: