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Menschenrechtler: Mindestens 13 Tote

Bei einem Luftangriff im Nordwesten Syriens haben russische Kampfjets nach Darstellung von Menschenrechtlern ein Krankenhaus getroffen. Dabei seien 13 Menschen getötet worden, unter ihnen zwei Krankenhausmitarbeiter, teilte die oppositionsnahe, in England ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Mittwoch mit. „Der Angriff ereignete sich am Dienstagabend im Ort Samin“, hieß es.

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Die Angaben konnten von unabhängiger Seite nicht überprüft werden. Die Klinik wird von der syrisch-amerikanischen Gesundheitsorganisation SAMS geführt. Die Organisation bestätigte den Angriff auf ihrer Facebook-Seite, machte aber keine Angaben zur Herkunft der Kampfflugzeuge. Das Gebäude sei teils schwer beschädigt worden. „Die internationale Gemeinschaft muss handeln, damit diese Attacken aufhören.“

Karte zu kontrollierten Gebieten in Syrien und russischen Angriffszielen

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: ISW

Russland fliegt die Luftangriffe, um nach eigener Darstellung „Terroristen“ zurückzudrängen. Derzeit unterstützt Russland mit seinen Luftattacken eine Offensive der syrischen Armee, bei der auch Kämpfer aus dem Iran und der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah mitwirken.

Russland bestimmt Schwerpunkte selbst

Die Koordinaten für „nahezu jeden“ russischen Luftangriff stammen laut dem britischen „Independent“ mittlerweile von syrischen Kommandeuren - die Schwerpunkte würden aber nach wie vor von Russland selbst gesetzt. Nicht jedes von Syrien übermittelte potenzielle Ziel komme ins russische Fadenkreuz. Im Gegensatz zu den syrischen Streitkräften genieße etwa die Rückeroberung von Palmyra derzeit für Russland keine Priorität. Im Fokus standen für Moskau vielmehr die Region um Aleppo und die Absicherung der nahe der Küstenstadt Latakia gelegenen russischen Militärbasis.

Seit dem Beginn der russischen Luftangriffe in Syrien wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle mindestens 370 Menschen getötet. Insgesamt seien 243 Rebellen und 127 Zivilisten seit dem 30. September bei russischen Luftangriffen getötet worden, so die Beobachtungsstelle. Von den getöteten Rebellen hätten 52 der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angehört. Die Angaben der Beobachtungsstelle sind von unabhängiger Seite kaum überprüfbar.

Moskau: IS und Al-Nusra vor Kooperation

Washington wirft Moskau vor, vor allem vom Westen unterstützte gemäßigte Rebellen anzugreifen, um den syrischen Machthaber Baschar al-Assad zu stärken. Russland beharrt darauf, dass seine Offensive ausschließlich dem Kampf gegen den IS gelte. Den anhaltenden Vorwürfen des Westens weist Moskau zurück. Zuletzt warnte Moskau davor, dass der IS und die Al-Nusra-Front gemeinsam gegen die Truppen von Assad kämpfen könnten. Das geht laut russischen Angaben aus Abhörprotokollen von Al-Nusra- und IS-Kommandaten hervor, die dem russischen Geheimdienst vorlägen.

Grafik zu Konfliktparteien und Allianzen

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/Le Monde

„Unsere Funküberwachung hat Informationen über den Start von Gesprächen zwischen den Kommandanten mehrerer großer Gruppen von Al-Nusra und IS-Kommandanten aufgezeichnet, in denen es darum geht, eine Offensive der syrischen Armee gemeinsam zurückzuschlagen“, zitierte die staatliche russische Nachrichtenagentur Sputnik Generalmajor Igor Konaschenkow.

Umfragewerte Putins auf Rekordhoch

Wegen des russischen Militäreinsatzes in Syrien sind die Umfragewerte von Präsident Wladimir Putin einem staatlichen Institut zufolge auf ein Rekordhoch geklettert. Er komme nun auf eine Zustimmung von 89,9 Prozent, erklärte VTsIOM am Donnerstag. Der bisherige Spitzenwert sei im Juni mit 89,1 Prozent aufgestellt worden. Die Umfrageforscher führten die Entwicklung vor allem auf die russischen Luftangriffe in Syrien zurück. Die Streitkräfte sind seit dem 30. September Hunderte Einsätze geflogen.

Auch das Umfrageinstitut Lewada-Zentrum, das keine Verbindungen zur Regierung hat, ermittelte im August einen hohen Zustimmungswert. Damals kam das Staatsoberhaupt auf 83 Prozent. VTsIOM zufolge sind Putins Werte seit dem Frühjahr 2014 stark gestiegen, als Russland die ukrainische Halbinsel Krim annektierte.

Kritik an Assads Moskau-Besuch

Assad war am Mittwoch nach Moskau gereist, um mit Putin über die Lage in Syrien zu sprechen. Die USA kritisierten Russland wegen des Besuchs: Assad habe Chemiewaffen gegen das eigene Volk eingesetzt, sagte Regierungssprecher Eric Schultz. Dennoch sei ihm der rote Teppich ausgerollt worden. Das stehe im Widerspruch zum erklärten Ziel Russlands, für einen politischen Übergang in Syrien zu sorgen. Auch der syrische Oppositionelle Ahmed Kamel kritisierte Assads Moskau-Besuch.

Syrische Armee wiedererstarkt

Assad hatte sich drei Wochen nach Beginn der russischen Militärintervention in Syrien bei einem Überraschungsbesuch in Moskau für die Hilfe des Verbündeten bedankt. Sein Kollege Putin sagte, er hoffe, die militärischen Erfolge würden den Weg für eine politische Lösung in Syrien ebnen.

Dank der russischen Intervention scheinen die Zerfallserscheinungen der syrischen Armee überwunden, schrieb der britische „Guardian“. Wurde zuvor noch von massenhaft desertierenden Soldaten und einer um die letzten verbliebenen Hochburgen kämpfenden, von 300.000 auf 80.000 Mann geschrumpften Armee berichtet, erscheint Assad nun fester im Sattel zu sitzen. Im Bürgerkrieg wurden bisher etwa 250.000 Menschen getötet, Millionen Menschen sind auf der Flucht. Hunderttausende von ihnen streben nach Europa, vor allem nach Deutschland.

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