„Ordentliche“ Kleidung erwünscht
Er ist bequem und meistens zweiteilig, ursprünglich wird er zum Schlafen getragen. Doch immer mehr Menschen gewinnen dem gemütlichen Pyjama nun eine neue Funktion ab: Sie tragen ihn als Alltagskleidung - und zwar nicht nur in den eigenen vier Wänden, sondern auf der Straße.
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Die Pyjama-Fans-Fraktion erhielt zuletzt durchaus prominente Unterstützung: So erklärte die britische Ausgabe des Modemagazins „Vogue“ etwa das Schlafanzugoutfit zum absoluten Trend. Man dürfe bloß nicht vergessen, die Hausschuhe gegen High Heels zu tauschen, bevor man außer Haus gehe und sich unter die Reichen und Vornehmen Londons mische, so der Tenor der Modeansage des Magazins.
Abseits von Hochglanzmagazinen und der Celebrity-Welt sieht die Realität freilich ganz anders aus. Auch dort nehmen die öffentlichen Pyjamaträger zu, können dabei freilich mit weniger Enthusiasmus rechnen. Im Gegenteil, manche empfinden diese als Plage. So will nun ein Sozialamt in Dublin mit Pyjamaträgern nichts mehr zu tun haben: „Pyjamas werden während der Sprechstunden nicht als angemessene Kleidung angesehen“, heißt es dort klipp und klar auf einem Schild. Das Sozialamt habe die Entscheidung gefällt, nachdem sich die Beschwerden über im Pyjama gekleidete Menschen gehäuft hätten, berichtete die BBC.
Verzweifelte Appelle
Und das ist nicht das erste Mal, dass Pyjamas in der Öffentlichkeit auf den britischen Inseln für Unmut sorgen: Schon vor zwei Jahren versandte ein Direktor einer Schule in Belfast einen Brief, in dem er das Tragen von Pyjamas als „unordentlich und unhöflich“ bezeichnete. Die Kritik bezog sich dabei allerdings nicht auf die Schüler, sondern die Eltern, die ihre „regulär“ gekleideten Kinder zur Schule brachten, aber im Nachtgewand auftauchten.
Auch in England rief ein Schulleiter Eltern auf, vor der Schule nur in angemessener Kleidung zu erscheinen, schließlich gehe es auch um eine Vorbildwirkung.
„Blödes Verbot“
Besonders prominent wurden die Diskussionen über den Schlafanzug, als ein Tesco-Supermarkt in Wales Kunden im Pyjama den Zutritt verweigerte: „Wir sind kein Nachtclub mit einem strikten Dresscode. Jeans und Jogginganzüge sind mehr als okay, aber wir wollen nicht, dass Menschen im Schlafanzug einkaufen.“ Denn das könne andere Kunden stören, sagte ein Sprecher von Tesco gegenüber BBC damals. Auch barfuß einkaufen sei nicht erwünscht.
Die Kundin Elaine Carmody wurde prompt Opfer des Verbots. Verärgert sagte die zweifache junge Mutter der BBC: „Ich wollte nur kurz Zigaretten holen gehen, aber nicht einmal das haben sie erlaubt. Für einen längeren Einkauf wäre ich nicht im Pyjama gekommen.“ Das Verbot bezeichnete sie als „erbärmlich und blöd“.
„Psychologischer Aspekt“
Auch Imageconsulter Billy Dickson kann die Entscheidung Tescos, Pyjamas zu verbannen, nicht nachvollziehen. Schließlich wolle man dort Umsätze machen, meinte er gegenüber der „BBC“. Dass Schlafanzüge für ein Sozialamt keine angemessene Kleidung sind, findet aber auch Dickson: „Da geht es um den psychologischen Aspekt“, meint er. „Wenn man einen Job haben will, muss man sich auch so kleiden, dass man einen Job bekommt.“ Es sei eine Einstellungssache, denn Pyjamas würden mit Schlafen und Komfort zu Hause verbunden.
So war es zumindest bisher. Doch in letzter Zeit werden auch im schicken Londoner-Stadtteil Mayfair Menschen zunehmend untertags im Pyjama gesichtet. Modemagazine wie die „Vogue“ befeuern diesen Trend eifrig.
„Zu sinnlich und stylish“
Freilich handelt es sich dabei nicht um den Billigschlafanzug, dem Sozialämter den Kampf ansagen, sondern um verführerische Teile aus Seide oder Satin, die mindestens dreistellige Summen kosten. Die neuesten Designermodelle sind in grau gehalten und sollen „eine entspannte Afterwork-Atmosphäre verströmen“.
Als „sinnlich und viel zu stylish, um nur im Schlafzimmer getragen zu werden“, bezeichnet sie die Modewelt. Dann gilt es nur noch, nicht zu vergessen, die Hausschuhe gegen die High Heels zu tauschen.
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