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Finanziell immer schmerzhafter

Die Affäre um geschönte Dieselabgaswerte in den USA wird für Deutschlands größten Autokonzern Volkswagen (VW) finanziell immer schmerzhafter. VW legt rund 6,5 Milliarden Euro zur Seite. Dadurch werde das Ergebnis im laufenden Jahr geschmälert, kündigte der Konzern am Dienstag an. Die Ergebnisziele würden entsprechend angepasst.

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Ein VW-Sprecher sagte, dass es sich um eine Vorsichtsmaßnahme handle. VW geht davon aus, dass weltweit insgesamt rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen sind. Bei einem bestimmten Motortyp sei „eine auffällige Abweichung zwischen Prüfungswerten und realem Fahrbetrieb“ festgestellt worden. Das Unternehmen stehe dazu in Kontakt mit den zuständigen Behörden und dem deutschen Kraftfahrtbundesamt.

Grafik zum VW-Abgasskandal

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA/Handelsblatt

27 Milliarden Euro eingebüßt

Der Börsenkurs der Aktie befindet sich derweil im freien Fall. Vorzugsaktien brachen am späten Dienstagvormittag erneut stark ein. Sie rutschten um weitere 23 Prozent auf das tiefste Niveau seit Oktober 2011 ab. Bereits am Montag hatte die Aktie 18,6 Prozent eingebüßt. Damit büßte der Wolfsburger Konzern seit Bekanntwerden des Skandals knapp 27 Milliarden Euro an Börsenwert ein. Das entspricht in etwa der gesamten Marktkapitalisierung der Münchener Rück, des weltgrößten Rückversicherers.

Volkswagen Mitarbeiter begutachtet einen Motor

Reuters/Alexander Natruskin

Ein Blick in die Produktion der Motoren

Seinen Ausgang hatte die Affäre in den USA genommen. Die dortige Umweltschutzbehörde EPA verdächtigt VW, bei zahlreichen Dieselfahrzeugen die Abgasvorschriften vorsätzlich umgangen zu haben. Es geht um fast eine halbe Million Autos. Für Volkswagen könnte das nach Angaben der Behörde eine Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar nach sich ziehen.

Dementi zu Winterkorn-Abgang

VW wies einen Bericht zurück, wonach Konzernchef Martin Winterkorn durch Porsche-Chef Matthias Müller abgelöst werden soll. Eine solche Behauptung sei „Schwachsinn“, sagte ein Sprecher am Dienstag. Zuvor hatte der „Tagesspiegel“ unter Berufung auf Aufsichtsratskreise berichtet, Porsche-Chef Müller solle Winterkorns Nachfolger werden.

VW-Entschuldigung: „Wir haben Mist gebaut“

Der Wolfsburger Konzern räumte unterdessen das Fehlverhalten ein und versprach, mit den Behörden zu kooperieren. Der Chef von VW USA, Michael Horn, entschuldigte sich bereits. „Wir waren unehrlich“, sagte Horn am Montagabend (Ortszeit) bei der Präsentation eines neuen Passat-Modells in New York. „Wir waren unehrlich zur Umweltbehörde EPA, wir waren unehrlich zu den Behörden in Kalifornien und, am schlimmsten von allem, wir waren unehrlich zu unseren Kunden. Um es auf gut Deutsch zu sagen: Wir haben Mist gebaut.“

Krisensitzung mit Köpferollen?

Das oberste Kontrollorgan des Autokonzerns will sich am Mittwoch in einer Krisensitzung mit den Vorwürfen befassen. Das Gremium soll die Aufsichtsratssitzung am Freitag vorbereiten. Der Aufsichtsrat soll über eine vorzeitige Vertragsverlängerung von VW-Chef Winterkorn um zwei Jahre bis Ende 2018 beraten. Außerdem soll das Gremium über den von Winterkorn angestoßenen Konzernumbau informiert werden.

Volkswagen Werk

APA/EPA/Volkswagen Nigel Treblin

Ein Wagen wird montiert

Die Abgasaffäre wird nach Auffassung von Aufsichtsratsmitglied Olaf Lies am Ende auch personelle Konsequenzen haben. „Wir werden jetzt, glaube ich, in den nächsten Tagen und Wochen (...) die Details erfahren, wer wann wo welche Entscheidungen getroffen hat, wer dafür verantwortlich ist“, sagte der niedersächsische Wirtschaftsminister am Dienstag im Deutschlandfunk.

Wenn dann klar sei, welche Personen verantwortlich seien, könne man auch die entsprechenden Konsequenzen ziehen. „Und ich bin mir sicher, daraus wird es dann am Ende auch personelle Konsequenzen geben“, sagte Lies. Einen Rücktritt von Winterkorn forderte er nicht. Das deutsche Bundesland Niedersachsen ist der zweitgrößte VW-Anteilseigner.

Warnung vor Jobabbau

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) warnte bereits vor einem Jobabbau bei dem Konzern. „Der Imageschaden wird VW nicht nur in den USA, sondern auch global teuer zu stehen kommen“, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher der „Bild“-Zeitung (Dienstag-Ausgabe). „Damit werden auch Jobs bei VW und vielen Zulieferern in Deutschland gefährdet sein.“

Die möglichen Strafzahlungen für VW seien „noch das geringste der Probleme“. Fratzscher warnte, darüber hinaus könnten „auch andere deutsche Exporteure Schaden nehmen, denn VW war bisher ein Aushängeschild für Produkte made in Germany“. Es müsse nun dringend „um Schadensbegrenzung für VW und für deutsche Exporteure allgemein gehen“.

Affäre wird zum Politikum

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) forderte eine schnelle Aufklärung. „Was VW anbelangt, so geht es angesichts der schwierigen Lage jetzt darum, volle Transparenz zu zeigen, den gesamten Vorgang aufzuklären“, sagte Merkel am Dienstag in Berlin. „Ich hoffe, dass möglichst schnell die Fakten auch auf den Tisch kommen.“ Der deutsche Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) setzt eine Untersuchungskommission ein. Die Kommission werde noch diese Woche nach Wolfsburg reisen, sagte Dobrindt am Dienstag in Berlin.

Infrastrukturminister Alois Stöger (SPÖ) sagte zum Skandal, dass sich technische Begutachter in Österreich die Fahrzeuge genau ansehen. „Wir überprüfen immer regelmäßig die Fahrzeuge“, verwies Stöger auf die Begutachtungsplakette. „Das, was VW hier in Amerika gemacht hat, geht gar nicht.“ Er gehe davon aus, dass in Österreich die Werte eingehalten werden, so Stöger am Dienstag vor dem Ministerrat gegenüber Journalisten.

Paris fordert Untersuchung auf EU-Ebene

Frankreich forderte jetzt eine Untersuchung auf europäischer Ebene. „Wir sind ein europäischer Markt mit europäischen Regeln. Und die müssen eingehalten werden“, sagte Finanzminister Michel Sapin am Dienstag dem Radiosender Europe 1. Die Untersuchung solle aber nicht nur VW betreffen. „Ich glaube, um die Menschen zu beruhigen, sollten wir sie auch auf die französischen Hersteller ausdehnen.“ Er habe aber keinen Anlass zu glauben, dass sich diese so wie VW verhalten hätten.

Die EU-Kommission nimmt den VW-Skandal sehr ernst und will mit den 28 Mitgliedsstaaten über mögliche Schritte beraten. „Wir müssen ganz sicher sein, dass die (Auto-)Industrie die Grenzwerte für Emissionen einhält“, sagte eine Sprecherin der Behörde am Dienstag in Brüssel. Es sei zur Zeit noch verfrüht, Schlussfolgerungen zu ziehen. „Ich möchte unterstreichen, dass wir das sehr ernst nehmen“, sagte sie. Abgasgrenzwerte und Tests werden auf EU-Ebene festgeschrieben. Die Durchsetzung, mögliche Rückrufe und Sanktionen liegen indes in der Verantwortung der EU-Staaten.

Inzwischen hat auch Südkorea angekündigt, drei Dieselmodelle von VW genauer zu untersuchen. Auch in Deutschland sollen alle Dieselfahrzeuge von VW auf die Einhaltung der Abgasvorschriften geprüft werden. Italien werde eigene Ermittlungen gegen den deutschen Autokonzern einleiten, teilte das Verkehrsministerium in Rom am Dienstag mit.

Medien: US-Justizministerium ermittelt ebenfalls

Die US-Umweltschutzbehörde EPA kündigte am Montag in Washington an, auch die Dieselfahrzeuge von anderen Autoherstellern unter die Lupe zu nehmen. Medienberichten zufolge leitete das US-Justizministerium strafrechtliche Ermittlungen ein, wie unter anderem das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf mit den Vorgängen vertraute Kreise berichtete. Die Umweltabteilung des US-Justizministeriums habe Ermittlungen eingeleitet.

Mit dem Skandal wird sich in den USA ein Ausschuss des US-Kongresses befassen. Das kündigten die beiden US-Politiker Fred Upton (Energie-u nd Handelsausschuss des Repräsentantenhauses) und Tim Murphy (Untersuchungsunterausschuss) in Washington an. In den kommenden Wochen wird danach eine Anhörung zu den Vorwürfen der EPA angesetzt. Das räumte VW inzwischen ein. „Das amerikanische Volk verdient Antworten und Zusicherungen, dass dies nicht wieder passiert“, hieß es in der Erklärung der beiden US-Kongressmitglieder.

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