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Verstoß gegen den „Clean Air Act“

Volkswagen hat am Sonntag zugegeben, in den USA Abgastests von Dieselfahrzeugen manipuliert zu haben. Die Vorwürfe waren am Freitag von der US-Umweltbehörde EPA erhoben worden. Laut dieser erfolgten die Tricksereien mit Hilfe einer Software. VW droht nun in den Vereinigten Staaten eine Strafzahlung in Höhe von umgerechnet mehr als 15 Milliarden Euro.

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Der EPA zufolge hat VW gegen das Klimaschutzgesetz „Clean Air Act“ verstoßen. Neben der Strafzahlung droht dem Konzern ein gewaltiger Imageverlust. Betroffen sind bisher rund 482.000 Fahrzeuge. Laut EPA soll die verwendete Software ermöglichen, das Abgaskontrollsystem nur bei offiziellen Emissionstests zu aktivieren. Das würde bedeuten, dass die Luftverpestung im Normalbetrieb viel höher wäre. Bisher seien Fahrzeuge der Baujahre 2009 bis 2015 aufgefallen - darunter das für VW in den USA wichtigste Modell Jetta, aber auch Golf, Beetle, Passat und der Audi A3.

„Solche Mittel zu benutzen, um die Klimaschutzstandards zu umgehen, ist illegal und eine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit“, sagte EPA-Vertreterin Cynthia Giles. Ihre Behörde werde die Untersuchungen in diesem „sehr ernsten“ Fall fortsetzen. Dabei sei nicht auszuschließen, dass weitere Verdachtsfälle ans Licht kommen könnten.

Winterkorn äußert sein Bedauern

Nachdem sich VW zunächst nicht zu Details des Falls äußern wollte, drückte VW-Chef Martin Winterkorn am Sonntag in einer Erklärung sein Bedauern darüber aus, Vertrauen von Kunden und Öffentlichkeit enttäuscht zu haben. Direkt eingeräumt hatte der Konzernchef die Vorwürfe in der Erklärung noch nicht.

Winterkorn kündigte eine umfassende Aufklärung des Abgasskandals an. „Die Geschehnisse haben für uns im Vorstand und für mich ganz persönlich höchste Priorität“, sagte der Konzernchef. „Wir arbeiten mit den zuständigen Behörden offen und umfassend zusammen, um den Sachverhalt schnell und transparent vollumfänglich zu klären.“

VW gab dem Konzernchef zufolge eine externe Untersuchung in Auftrag. „Klar ist: Volkswagen duldet keine Regel- oder Gesetzesverstöße jedweder Art“, sagte Winterkorn. Der Konzern werde alles daran setzen, Vertrauen wiederzugewinnen.

VW: Absatzrückgang im August

Das Vorgehen der US-Behörde trifft VW in einer ohnehin schwierigen Situation. Im August übergab der Konzern rund um den Globus 714.000 Fahrzeuge an Kunden und damit 5,4 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Noch stärker ging der Absatz bei der Kernmarke Volkswagen Pkw zurück: Die Verkäufe schrumpften um 8,1 Prozent auf 432.900 Autos.

Untersuchung auch in Europa gefordert

Der deutsche Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer forderte indes, die Praxis von Abgastests auch in Europa zu untersuchen. „Sicherlich müssen jetzt auch die EU-Kommission und das Bundesverkehrsministerium den Dingen nachgehen und klären, inwieweit diese Software auch in Europa und Deutschland eingesetzt wurde und falsche Abgaswerte vorgegaukelt wurden“, sagte Dudenhöffer den Zeitungen der Funke Mediengruppe („Berliner Morgenpost“, „Hamburger Abendblatt“, „Westdeutsche Allgemeine“).

Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte am Sonntag bei einer Veranstaltung der Wochenzeitung „Zeit“, es sei zu früh, um die Sache zu bewerten. „Ich weiß viel zu wenig über den Fall, um zunächst mal beurteilen zu können, wie gerechtfertigt der Vorwurf Volkswagen gegenüber ist und ob wir zu hundert Prozent und in jeder Betrachtungsweise davor völlig sicher sein können“, sagte Zetsche.

Experte: Rückschlag für Dieseltechnologie

Der Autofachmann Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach (Deutschland) sagte, bei VW müsse es strukturelle Änderungen geben. „Da ist etwas fundamental schiefgegangen bei VW“, sagte Bratzel der Nachrichtenagentur dpa. Es sei sehr verwunderlich, dass die mutmaßlichen Machenschaften der amerikanischen US-Tochter nicht längst an die Konzernzentrale in Wolfsburg gemeldet worden seien und das Durchgreifen der Konzernspitze nach sich gezogen hätte.

Wie andere Branchenkenner ist Bratzel entsetzt: „Das ist ein Bärendienst für die ganze deutsche Dieseltechnologie“, sagte er. Hierdurch würde das Image von Dieselautos - in den USA ohnehin in einer Nische - schwer beschädigt. Auch BMW und Daimler seien dadurch indirekt betroffen. „Man versucht seit Jahren, die Dieseltechnologie zu etablieren in den USA - und jetzt das“, sagte Bratzel.

Umweltschützer wollen Verbot von Dieselautos

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) will angesichts der Manipulationsvorwürfe gegen VW ein Fahrverbot von Dieselautos in Deutschland erreichen. Das Problem bestehe nicht nur in den USA, sondern in noch deutlich stärkerem Umfang in Europa, vor allem bei den deutschen Herstellern, teilte die Organisation am Samstag in Berlin mit.

Die DUH will nun vor deutschen Gerichten ein Fahrverbot für Diesel-Pkws erstreiten. Die Organisation wirft Autoherstellern seit Längerem vor, die Abgasbelastung durch Dieselantriebe zu schönen. Hierzulande sind rund 13,8 Millionen Autos mit Dieselantrieb unterwegs - damit liegt der Anteil an der gesamten Pkw-Flotte in Deutschland bei rund 31 Prozent.

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