Appell an Internationale Gemeinschaft
Nicht zum ersten Mal sieht sich Italien mit der Flüchtlingsproblematik alleingelassen - nach dem neuerlichen Tod Dutzender Flüchtlinge hat Innenminister Angelino Alfano am Samstag nun erneut eine Lösung des „Libyen-Problems“ gefordert - nur so könne man künftig Flüchtlingstragödien im Mittelmeer verhindern.
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Das von Chaos und Bürgerkrieg geprägte nordafrikanische Krisenland ist für viele Flüchtlinge Ausgangspunkt für die gefährliche Überfahrt nach Europa. Alfano bezeichnete die Krise in Libyen laut der Nachrichtenagentur AGI nun als unmittelbar vor Europa liegenden „aktiven Vulkan“ und forderte die Internationale Gemeinschaft zum Handeln auf.
Die Welt könne nicht mehr länger abwarten, so Alfano, der der Internationalen Gemeinschaft gleichzeitig vorwarf, in Libyen nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Muammar al-Gaddafi vieles verabsäumt zu haben. Nun gebe es dem Innenminister zufolge jedenfalls nur zwei Möglichkeiten: Entweder sei man in der Lage, das Problem so schnell wie möglich zu lösen, oder das „wird nicht die letzte Tragödie gewesen sein“.
40 Tote, 320 Gerettete
Italien habe zwar den Verdienst, 320 Flüchtlinge gerettet zu haben - erneut habe man aber auch wieder etliche Tote zählen müssen. Nach Angaben der italienischen Marine konnten am Samstag 40 Flüchtlinge nur noch tot aus einem völlig überladenen Fischerboot geborgen werden. Laut Marinekapitän Massimo Tozzi sind diese offenbar im Laderaum des zwischen der libyschen Küste und der Insel Lampedusa aufgebrachten Schiffes erstickt.
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Im Laderaum erstickt
Bei der jüngsten Flüchtlingstragödie im Mittelmeer kamen nach Angaben der italienischen Marine 40 Menschen ums Leben. Diese sind im Laderaum eines völlig überladenen Fischerbootes offenbar erstickt (iptv.ORF.at).
Nach Angaben von Überlebenden, die in den vergangenen Wochen die Überfahrt geschafft haben, pferchen die Schlepper stets diejenigen im Laderaum zusammen, die am wenigsten bezahlen - meistens Flüchtlinge aus Ländern südlich der Sahara. Für sie ist die Gefahr besonders hoch, an Sauerstoffmangel oder den Treibstoffabgasen zu ersticken oder zu ertrinken, wenn Wasser in das Schiff eindringt. Oft hindern andere Passagiere oder Schlepper die Menschen im Laderaum mit Gewalt daran, an Deck zu klettern.
Zerfallener Staat
Seit dem Sturz von Muammar al-Gaddafi 2011 ist Libyen zunehmend ins Chaos abgeglitten. Hatte Italien die Flüchtlingsroute 2009 noch mit einem bilateralen Vertrag mit Libyen weitgehend blockiert, gibt es in inzwischen keinen Staat mehr, der die Flüchtlinge an der Weiterreise nach Europa hindert.
2.300 Tote allein in diesem Jahr
Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) wurden allein in diesem Jahr bereits 2.300 Todesopfer im Mittelmeer gezählt. Erst vergangene Woche war ein Flüchtlingsboot mit mindestens 600 Menschen an Bord vor der libyschen Küste gesunken. Mehr als 360 Flüchtlinge wurden gerettet, mehr als 200 Menschen ertranken oder erstickten.
Alfano zufolge sei die Zahl der über das Mittelmeer nach Italien kommenden Flüchtlinge im Vergleich zum Vorjahr zwar leicht rückgängig - das Problem sei allerdings alles andere als gelöst. Konkret wurden heuer zwischen 1. Jänner und 15. August 103.226 Flüchtlinge gezählt, im Vorjahr waren es 104.255, wie Alfano laut „Repubblica“ sagte.

AP/Marina Militare
Gerettete Flüchtlinge werden auf ein italienisches Marineschiff gebracht
„Lage ist zutiefst besorgniserregend“
Insgesamt sind in diesem Jahr bisher 237.000 Bootsflüchtlinge in Griechenland, Italien, Spanien, Malta und anderen europäischen Ländern angekommen und damit bereits mehr als im gesamten Vorjahr, wie IOM erst am Freitag in Genf bekanntgab. Nahezu täglich gingen im Sommer rund 1.000 Migranten an den Küsten Italiens und Griechenlands an Land - meist mit Hilfe von Rettungskräften.
„Die Lage im Mittelmeer ist zutiefst besorgniserregend“, sagte IOM-Generaldirektor William Lacy Swing laut einer Mitteilung. „Obwohl es in jüngster Zeit Fortschritte gab - darunter die Verstärkung der EU-Rettungsoperation Triton -, muss mehr getan werden, um angemessene Hilfe für diese verzweifelten Menschen zu leisten, die ihr Leben in die Hände skrupelloser Menschenschmuggler legen.“
Die meisten Mittelmeer-Flüchtlinge in Italien kamen laut IOM via Libyen aus Eritrea (25.567), gefolgt von Menschen aus Nigeria (11.899), Somalia (7.538), dem Sudan (5.658), Syrien (5.495) und weiteren Ländern. Aus dem Bürgerkriegsland Syrien kämen inzwischen mehr Flüchtlinge auf dem Landweg über die Türkei und Griechenland in die EU als über das Meer.
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