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Reibung verringert sich

Starke spätsommerliche Regenfälle beschleunigen die Schmelze und erhöhen die Fließgeschwindigkeit grönländischer Gletscher. Dieses bisher nur aus den Alpen und Alaska bekannte Phänomen wurde nun erstmals in Grönland festgestellt, berichtet ein Forscherteam im Fachjournal „Nature Geoscience“.

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Die Wissenschaftler um Samuel Doyle von der britischen Universität Aberystwyth untersuchten die Fließgeschwindigkeit der Gletscher an den westlichen Rändern des grönländischen Eisschilds und den Wasserdruck in den Eismassen und führten meteorologische Analysen durch. Sie verglichen dabei eine Woche mit warmen Niederschlägen aus einem Tiefdruckgebiet Ende August 2011 mit den Wochen davor.

Die sehr hohen Abflüsse von Schmelz- und Regenwasser in dieser Woche führten zu einer großflächigen Erhöhung der Fließgeschwindigkeit des Eises, die sich 140 Kilometer ins eisbedeckte Landesinnere erstreckte, berichten die Forscher. Gegenüber den Wochen davor sei die Eisgeschwindigkeit teils um mehr als das Doppelte gestiegen, etwa im unteren Bereich des Russell-Gletschers von 0,2 auf 0,5 Meter pro Tag.

Karte von Grönland

Enveo

ENVEO vermaß ganz Grönland

Innsbrucker Experten halfen bei Kartierung

An dem Projekt beteiligt war auch die Innsbrucker Forschungsfirma ENVEO IT, ein Spin-off-Unternehmen der Universität Innsbruck. Sie übernahm die Kartierung der Eisgeschwindigkeiten. Dazu wurden auch Radardaten des im Frühjahr vergangenen Jahres gestarteten europäischen Umweltsatelliten „Sentinel-1A“ verwendet.

„Gletscher sind nicht eine geschlossene, kompakte Eismasse, sondern von Spalten und Kanälen durchzogen“, erklärt Enveo-Geschäftsführer Thomas Nagler den Effekt. Wenn sich durch heftige Niederschläge im Spätsommer die Eisschmelze verstärkt und vermehrt Wasser in dieses System eingebracht wird, erhöht sich der Wasserdruck im Gletscher und verringert sich die Reibung zwischen Eis und Untergrund. Die Folge sei die beobachtete Erhöhung der Fließgeschwindigkeit, so der Experte. Es ist zu erwarten, dass dieser Effekt die Masseverluste des grönländischen Eises mit zunehmender Klimaerwärmung weiter verstärken wird.

Geschwindigkeit in ganz Grönland gemessen

Das 2001 gegründete Spin-off der Uni Innsbruck hat sich auf die Analyse von Radardaten aus Fernerkundungssatelliten spezialisiert. Der Schwerpunkt der Anwendung liegt auf der Kartierung der Eisbewegung in Grönland, der Antarktis und auf Gebirgsgletschern, der Kartierung der Schneedecke vom regionalen bis zum globalen Bereich für Hydrologie und Klimaforschung und der Überwachung von instabilen Hängen im Gebirge.

Karte von Grönland

Enveo

Die Experten nutzten für ihre Forschung Aufnahmen des deutschen Radarsatelliten „TanDEM-X“

Der Anbieter sei von den Hauptautoren der nun veröffentlichten Studie gebeten worden, die Eisgeschwindigkeit für dieses Gebiet zu kartieren, so Nagler. Dafür wurden Aufnahmen des deutschen Radarsatelliten „TanDEM-X“ mit speziellen, bei ENVEO entwickelten Verfahren bearbeitet. Die Experten des Innsbrucker Unternehmens schufen eine Karte der Eisgeschwindigkeiten für ganz Grönland. Eine Publikation darüber soll demnächst erscheinen.

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