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Serbiens „finsterster Punkt“

Auch in Serbien wird das Massaker von Srebrenica mittlerweile mehrheitlich verurteilt. Trotzdem leugnen noch immer rund 30 Prozent der Bevölkerung jegliches Verbrechen. Mit der Bezeichnung Genozid haben Politiker, aber auch Bürger ihre Schwierigkeiten.

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Der Internationale Gerichtshof (IGH) hat im Jahr 2007 auf Basis einer Klage Bosnien-Herzegowinas geurteilt, dass in der Stadt Srebrenica im Juli 1995 ein Völkermord passiert ist. Damals wurden rund 8.000 bosnische Muslime von bosnisch-serbischen Truppen ermordet. Serbien wurde der Verantwortung für den Genozid freigesprochen.

Meinung kippte

Damals hielten die serbischen Bürger mehrheitlich jegliche Informationen über das Massaker für eine Lüge oder serbenfeindliche Propaganda. Acht Jahre nach dem IGH-Urteil hat sich die Situation in Serbien verändert: Jüngsten Meinungsumfragen zufolge wird das von bosnisch-serbischen Truppen in Srebrenica verübte Verbrechen von 28 Prozent der Serben zwar weiterhin geleugnet, aber die Bevölkerungsmehrheit verurteilt das „massive Verbrechen“ von Srebrenica inzwischen.

Einen bedeutenden Beitrag zur Stimmungsveränderung leistete mit Sicherheit auch der serbische Regierungschef Aleksandar Vucic. Erst kürzlich sagte er, dass er bereit sei, der Gedenkfeier bei Srebrenica beizuwohnen, seinen Kopf zu senken und das Verhältnis der Serben zu den „unschuldigen Opfern“ zu zeigen. „Wir müssen das Leiden, die Schmerzen, ja, auch den Hass vieler Bosniaken verstehen, welche die Hölle von Srebrenica durchgemacht haben“, unterstrich Vucic.

Zwei Drittel unterstützen Premier

Er selbst war zum Zeitpunkt des Massakers 1995 ein Spitzenfunktionär der nationalistischen Serbischen Radikalen Partei von Vojislav Seselj, der wiederum ebenfalls wegen Kriegsverbrechen angeklagt wurde. Knapp zwei Drittel der Serben unterstützen laut Meinungsumfragen die Bereitschaft des Premiers, den Gedenkfeiern beizuwohnen.

Dafür bereitete im Juli 2005 der damalige Präsident Serbiens, Boris Tadic, den Weg: Als erster Staatsvertreter Serbiens nahm er an einer Gedenkfeier in Potocari bei Srebrenica teil. Dafür wurde er von der nationalistischen Opposition kritisiert und erfuhr eine ablehnende Haltung von der orthodoxen Kirche.

Vucic lasse sich vom langfristigen und wesentlichen Interesse Serbiens leiten, glaubt der Meinungsforscher Srdjan Bogosavljevic. Dieses liege darin, die Verantwortlichen für die Verbrechen der Justiz vorzuführen.

Keine Rede von Genozid

Das serbische Parlament hat zwar mit einer Erklärung 2010 das „Verbrechen“ von Srebrenica verurteilt. Von Genozid ist aber keine Rede. Nicht staatliche Organisationen erneuern seit Jahren immer wieder ihren Appell, das Massaker von Srebrenica als Völkermord anzuerkennen.

Dass Srebrenica der „finsterste Punkt“ der serbischen Seite in den Kriegen der 1990er Jahre ist, stellte vor einigen Monaten zum ersten Mal auch der Ultranationalist Seselj fest. Er wolle das Verbrechen von Srebrenica nicht leugnen, meinte der Haager Angeklagte.

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