Heinisch-Hosek erlässt neue Sexualkunderichtlinie
Das Bildungsministerium hat gestern den umstrittenen neuen „Grundsatzerlass Sexualpädagogik“ veröffentlicht. Gegenüber dem Entwurf finden sich darin Änderungen. So wird nun die Zusammenarbeit mit Eltern, etwa im Rahmen von Elternabenden, stärker betont. Enger umschriebene Wertvorstellungen sollen im Rahmen der Sexualerziehung nicht vermittelt werden, heißt es in dem der APA vorliegenden Erlass.
Insgesamt seien zu dem „sensiblen Thema“ etwa 50 Stellungnahmen eingegangen, die bei der Überarbeitung des von einem Expertenbeirat erstellten Entwurfs berücksichtigt wurden, so Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) in einer Aussendung. Der alte Erlass habe seinen Ursprung in den 1970er Jahren und sei 1990 nur geringfügig aktualisiert worden. „Eine Berücksichtigung gesellschaftlicher Veränderungen und die Anpassung an aktuelle Lebensrealitäten war deshalb hoch an der Zeit“, so die Ministerin.
„Respekt vor anderen Werten“ gefordert
Die Schule solle dazu beitragen, dass „Kinder und Jugendliche befähigt werden, eigene Wertvorstellungen zu entwickeln, wie auch zu erweitern und Respekt vor anderen Werten und Sichtweisen zeigen zu können“, heißt es in einem Rundschreiben an die Landesschulräte. Der fachübergreifende Unterricht müsse die Alltagserfahrungen der Schüler darstellen. Die nötige Zusammenarbeit mit den Eltern wird unterstrichen.
Biologie allein reicht nicht
Zum Unterschied von den bisher gültigen Richtlinien wird betont, dass die reine Vermittlung von biologischem Basiswissen zwar ein wichtiger Teil, „aber keinesfalls ausreichend ist, um dem ganzheitlichen Anspruch einer umfassenden Schulpädagogik zu genügen“. Fühlen sich Lehrer im Umgang mit dem Thema unwohl oder überfordert, wird auf die Möglichkeit hingewiesen, externe Experten zuzuziehen.
In den vergangenen Wochen war es um den Entwurf des Erlasses zu Diskussionen über die Rolle der Familie und der Elternvertreter gekommen. Anstoß nahmen vor allem katholische Familienverbände und Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP). Heinisch-Hosek kritisierte nun im Nachhinein mangelnde Sachlichkeit in der Debatte. „Mehr Sachlichkeit hätte der Sache gutgetan“, so Heinisch-Hosek heute. Viele Aspekte, die vorab kritisiert wurden, wären so nie im Erlass enthalten gewesen.