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Schwarzes Schaf der Königsfamilie

Der Prozess gegen die spanische Infantin Cristina hat noch nicht einmal begonnen. Dennoch hat ihre Verwicklung in eine Finanzaffäre dem Ansehen des Königshauses schwer geschadet. Am Samstag wird die Schwester von König Felipe VI. 50 Jahre alt.

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Die Infantin war einmal eines der beliebtesten Mitglieder des spanischen Königshauses. Heute kann die Schwester von König Felipe VI., die am Samstag 50 Jahre alt wird, sich in Spanien kaum noch in der Öffentlichkeit sehen lassen. Ihre Verwicklung in die Finanzaffäre um ihren Ehemann Inaki Urdangarin (47) ließ sie zum schwarzen Schaf der königlichen Familie werden.

„Infantin mit dem Lächeln“

Vor Auffliegen des Skandals war Cristina Federica Victoria Antonia de la Santisima Trinidad de Borbon y Grecia, wie sie mit vollständigem Namen heißt, aufgrund ihrer freundlichen und natürlichen Art als die „Infantin mit dem Lächeln“ bekannt gewesen. Mit ihrem eigenständigen Charakter trug sie dazu bei, dem Königshaus zu einem Image der Modernität zu verhelfen.

Die spanische Infantin Cristina mit Ehemann Inaki Urdangarin und ihren vier Kindern

Reuters

Glücklichere Zeiten: Cristina mit ihrem Mann und den vier Kindern 2005

Als sie vor gut 25 Jahren ihr Diplom in politischen Wissenschaften ablegte, wurde sie zum ersten weiblichen Mitglied des Königshauses, das einen Hochschulabschluss vorweisen konnte. In ein paar Monaten wird Cristina erneut in die Annalen eingehen - allerdings in unrühmlicher Weise. Sie wird dann in der Geschichte der spanischen Monarchie die erste direkte Verwandte des Königs sein, die wegen einer Finanzaffäre auf der Anklagebank eines Gerichts Platz nehmen muss. Die Justiz legt ihr zur Last, ihrem Ehemann dabei geholfen zu haben, das Finanzamt zu betrügen.

Schwerer Schlag für Felipe

Cristina bestritt die Vorwürfe und sagte vor dem Ermittlungsrichter Jose Castro aus, sich um die geschäftlichen Dinge ihres Mannes nie gekümmert zu haben. Sie habe nur ihren Namen für Vorstandsposten von Firmen hergegeben. Die Staatsanwaltschaft sah das ähnlich. Sie forderte für Urdangarin zwar fast 20 Jahre Haft, lehnte eine Anklage gegen Cristina aber ab. Der zuständige Richter entschied jedoch, dass auch der Infantin der Prozess gemacht wird.

Für Felipe, der im Juni 2014 nach der Abdankung seines Vaters Juan Carlos zum neuen König gekrönt worden war, bedeutete die Anklageerhebung gegen seine Schwester und seinen Schwager einen schweren Schlag. Der Monarch will das Königshaus nach den Skandalen der vergangenen Jahre wieder zu einem moralischen Vorbild machen. Felipe traf daher Vorkehrungen, um zu verhindern, dass der Skandal das mühsam wiederhergestellte Ansehen des Königshauses erneut ankratzt.

Abgeschirmter Wohnsitz in Genf

Der König sorgte dafür, dass seine Schwester und ihr Mann offiziell nicht mehr dem Königshaus angehören und keine öffentlichen Termine wahrnehmen. Seit September wohnt die Infantin mit Urdangarin, einem früheren Handballstar, und ihren vier Kindern in Genf. Felipe vermeidet es, zusammen mit seiner Schwester und seinem Schwager abgelichtet zu werden. Bei der Feier zur Kommunion der Thronfolgerin Leonor (9) im Mai war Cristina überraschend unter den Gästen. Ihr Erscheinen sei „wie ein Staatsgeheimnis“ behandelt worden, schrieb die Zeitung „El Mundo“.

Viele Spanier hätten es gerne gesehen, wenn die Infantin, die auf dem sechsten Rang der Thronfolge steht, auf ihre Thronrechte verzichtet hätte. Das Königshaus erklärte, das sei eine persönliche Entscheidung Cristinas. Ein solcher Verzicht wäre symbolischer Natur und hätte kaum praktische Konsequenzen. Die Infantin scheut jedoch davor zurück. In Medienberichten hieß es, sie befürchte, dass ein Verzicht ihr als ein Schuldeingeständnis ausgelegt würde.

Hubert Kahl, dpa

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