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„Ausgeprägte geopolitische Interessen“

Nachdem bekanntwurde, dass die Atomgespräche zwischen dem Iran und den fünf UNO-Vetomächten plus Deutschland (5+1) mit Hilfe eines komplexen Computervirus ausspioniert wurden, überschlagen sich die Spekulationen. Das „Wall Street Journal“ („WSJ“) berichtete, dass Israel hinter dem Virus vermutet werde, doch Jerusalem weist das entschieden zurück.

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Dass sich Israel in die WLAN-Verbindungen der Tagungsorte oder andere Systeme eingehackt haben könnte, sei „völliger Unsinn“, sagte Israels Vizeverteidigungsminister Eli Ben Dahan gegenüber Radio Israel, wie die Zeitung „Haaretz“ berichtete. „Die ausländischen Berichte über eine israelische Beteiligung entbehren jeder Grundlage“, sagte Vizeaußenministerin Zipi Hotoveli am Donnerstag im Armeerundfunk.

Viel wichtiger sei ohnehin, dass am Ende der Verhandlungen mit der Regierung in Teheran kein schlechtes Abkommen stehe. Das „WSJ“ hatte davor über die brisanten Erkenntnisse der russischen IT-Sicherheitsfirma Kaspersky berichtet, wonach Angriffe auf Tagungshotels, unter anderem jenes in Wien, stattgefunden hätten.

Innenministerium schaltet sich ein

Auch Österreich ermittelt wegen Berichten über eine Abhörung der Atomgespräche mit dem Iran. „Diese Information ist dem Verfassungsschutz bekannt. Aktuell laufen die Ermittlungen“, meinte ein Sprecher des Innenministeriums am Donnerstag auf Anfrage der APA. Auch der Verhandlungsort, das Nobelhotel Palais Coburg in der Wiener Innenstadt, wird überprüft. „Die Behörden gehen den Vorwürfen nach, und es wird ermittelt. Das gilt es jetzt abzuwarten“, sagte Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) gegenüber der APA und der „Wiener Zeitung“.

Aus Sicht der NATO kann ein digitaler Angriff den Bündnisfall mit einer gemeinsamen Verteidigung auslösen: „Ein Cyberangriff in einer bestimmten Größenordnung ist gleichzusetzen mit einem bewaffneten Angriff“, sagte der stellvertretende NATO-Generalsekretär Jamie Shea am Donnerstag.

„Haben andere Möglichkeiten“

Die russische Sicherheitsfirma erklärte, sie habe einen komplexen Computervirus im eigenen Netzwerk entdeckt. Derartige Infektionen seien auch in Zusammenhang mit den Atomgesprächen gefunden worden. Kaspersky nannte den Urheber des Virus zwar nicht konkret, wies aber darauf hin, dass es sich wohl um einen Staat und nicht um kriminelle Angreifer handeln dürfte. Die Aktivität des Virus lasse auf „ausgeprägte geopolitische Interessen“ schließen.

Israel wende keine derartigen Methoden an, um an Informationen zu gelangen, sagte Ben Dahan. Man habe „andere Möglichkeiten“, um herauszubekommen, was bei den Iran-Gesprächen vor sich gehe. Ben Dahan räumte jedoch ein, sollte der israelische Geheimdienst eine versteckte Operation durchführen, würde er darüber möglicherweise nicht informiert werden.

„Stempel israelischer Geheimdienstoperationen“

Kaspersky nannte auch weitere Details: Zusätzlich zu einer Reihe unbekannter Opfer „sind wir ziemlich sicher, dass zumindest drei der Veranstaltungsorte, wo die Atomgespräche mit dem Iran stattgefunden habe, angegriffen wurden“, so der Chefsicherheitsexperte von Kaspersky Lab, Kurt Baumgartner. Konkret seien Sicherheitslücken in drei europäischen Luxushotels entdeckt worden, in denen Gespräche stattgefunden haben.

Die dort erfolgten Cyberangriffe trugen laut „Jerusalem Post“ (Mittwoch-Ausgabe) den „Stempel israelischer Geheimdienstoperationen“. Kaspersky überprüfte nach eigenen Angaben Tausende Hotels auf der Suche nach ähnlichen Sicherheitslücken. Nur in drei sei man fündig geworden. Die Firma wollte die Namen der betreffenden Hotels nicht nennen. Die Tagungen in Wien fanden zuletzt im Palais Coburg in der Innenstadt.

Schweiz ermittelt wegen Spionage

Unter den betroffenen Verhandlungsorten könnte auch ein Genfer Luxushotel sein. Die Schweizer Bundesanwaltschaft eröffnete deswegen ein Strafverfahren gegen unbekannt - wegen Verdachts auf verbotenen politischen Nachrichtendienst: Andre Marty, der Sprecher der Bundesanwaltschaft, bestätigte am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda einen dahingehenden Bericht von Radio SRF. Die Schweizer Regierung habe die Bundesanwaltschaft am 6. Mai zur Verfahrenseröffnung ermächtigt. Auslöser war ein Amtsbericht des Nachrichtendienstes des Bundes (NDB).

Am 12. Mai habe in diesem Verfahren in Genf eine Hausdurchsuchung stattgefunden, in dessen Rahmen IT-Material beschlagnahmt worden sei, sagte Marty. „Ziel dieser Hausdurchsuchung war es, einerseits Informationen sicherzustellen und anderseits festzustellen, ob durch Schadsoftware IT-Systeme infiziert worden sind.“

Angriffe auf bis zu hundert Ziele?

Doch seit ihrem Beginn hätten die Atomverhandlungen (mit der jetzigen iranischen Führung) vor allem in sechs Hotels in der Schweiz und in Österreich stattgefunden. Baumgartner erklärte gegenüber der „Jerusalem Post“, der Hackerangriff sei nicht auf die Hotels beschränkt gewesen, er habe sich auf bis zu einhundert Ziele gerichtet. Kaspersky habe die Infektion bei verschiedenen Opfern identifiziert.

Kaspersky taufte die Schadsoftware „Duqu 2.0“. Bei der neuen Software sei es fast unmöglich festzustellen, wenn sie einen Computer befalle. Sie verstecke sich im Arbeitsspeicher, schreibe keine Daten auf die Festplatte und übermittle nur wenige Daten, hieß es vom russischen IT-Spezialisten.

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