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Weniger Platz für jeden Einzelnen

Der Platz in der „Holzklasse“ ist für Flugreisende schon jetzt äußerst knapp bemessen. Geringe Sitzabstände zum Vordermann machen eine bequeme Reiseposition im Economy-Sitz unmöglich. Doch nicht nur der Sitzabstand, sondern auch die Sitzbreite trägt entscheidend zum Sitzkomfort bei.

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Der europäische Flugzeughersteller Airbus schraubt nun an dieser Stelle und will künftig noch mehr Sitze in einer Reihe unterbringen. Statt bisher bis zu acht Personen sollen in den neuen Langstreckenjets vom Typ A-330 neun Passagiere in einer Reihe sitzen. Das gab Airbus-Marketingchef Chris Emerson Mitte April bekannt.

Damit sich das bei gleichbleibenden Innenraummaßen ausgeht, werden die Sitze kleiner und schmäler sein. Jeder der neun Sitzreihenpartner wird um 3,55 Zentimeter weniger zur Verfügung haben. Denn bei einer Neuner-Bestuhlung sinkt die Sitzbreite auf 16,7 Zoll (42,42 Zentimeter), während bei acht Sitzen in einer Reihe auf jeden Platz 18,1 Zoll (45,97 Zentimeter) entfallen.

Airbus bricht mit eigenem Standard

Noch Ende 2013 hatte Airbus den mangelnden Sitzkomfort beim Konkurrenten Boeing kritisiert und sein eigenes Minimum von 18 Zoll pro Sitz mit einer Studie des Londoner Schlaflabors beworben. Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass schon zweieinhalb Zentimeter Sitzbreite mehr die Schlafqualität enorm erhöhten. Die Passagiere würden schneller einschlafen, hätten einen tieferen Schlaf und weniger Gliederzucken. Eineinhalb Jahre später nimmt Airbus nun vom eigenen Komfortversprechen Abstand.

„Bei 18 Zoll Sitzbreite berührt man sich noch kaum mit den Schultern, alles darunter führt unvermeidlich zu Berührungen mit dem Sitznachbarn,“ räumt Emerson gegenüber Leeham News ein. Er verteidigt das Sardinendosen-Prinzip allerdings mit der hohen Nachfrage. Vor allem in Südostasien und China zähle der niedrige Ticketpreis mehr als Bequemlichkeit. „Kunden in Asien sind komplett agnostisch gegenüber Komfort“, so Emerson.

Economy ist nicht gleich Economy

Die Bezeichnung für die neue Sitzsparklasse lautet „Budget Economy“. Die bisherige Economy-Klasse wird mit dem Zusatz „Comfort“ sprachlich zur „Comfort Economy“ aufgewertet, ohne allerdings einen Mehrwert zu bieten. Auch andere Airbus-Flugzeugtypen wie der A-321 (240 statt wie bisher 220 Plätze) und der A-380 (elf statt wie bisher zehn Sitze pro Reihe) sollen künftig eine dichtere Bestuhlung aufweisen.

Wer mehr Platz möchte, muss dafür mehr bezahlen. Gelegenheit dafür gibt es in der „Premium Economy“-Klasse (umgangssprachlich auch „Edelholzklasse“ genannt), die eine Brücke zur Business-Luxusklasse bildet und bei etwas höherem Sitzkomfort (bei Airbus-Modellen 20 Zoll bzw. 50,8 Zentimeter Sitzbreite) bei den Airlines im Schnitt 600 Euro mehr als „Comfort Economy“ kostet.

90 Prozent fliegen Standardklasse

Weltweit mache die Economy-Klasse inzwischen 90 Prozent des Passagierverkehrs aus. Die verschiedenen Fluglinien bieten dabei unterschiedlich viel Platz, meist wird für attraktivere Plätze ein Aufpreis verlangt. Eigene Websites wie die zu Tripadvisor gehörende Plattform Seatguru haben sich der Suche nach den besten Plätzen im Flugzeug verschrieben. Der Nutzer kann hier mittels Eingabe von Flugnummer oder Reisedatum und entsprechender Fluglinie den genauen Sitzplan des genutzten Flugzeugtyps einsehen. Besonders begehrte Sitze etwa beim Notausstieg sind grün markiert, gelb und rot gelistete Plätze gelten als weniger attraktiv.

Kurioses Patent mit Fahrradsätteln

Wie weit die Fantasien der Flugzeughersteller gehen, sieht man an einem Patent, das Airbus im Vorjahr beantragt hat. Dieses sieht vor, Passagiere auf eine Art Fahrradsattel an einer vertikalen Stange zu setzen. Wenn einer dieser Plätze unbenutzt ist, lässt er sich hochklappen. So sollen noch mehr Reisende im Flugzeug Platz finden.

Eine vorgeschriebene Mindestbreite bzw. einen Mindestabstand zwischen den Sitzreihen gibt es nicht. Dahingehende Überlegungen in der EU wurden im Jahr 2010 von der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) wieder verworfen, nachdem eine Studie keinen Zusammenhang zwischen mangelnder Beinfreiheit und Thrombose-Gefahr sah. Flugzeuge müssen im Innenraum lediglich so gestaltet sein, dass eine Evakuierung nicht länger als 90 Sekunden dauert.

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