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Betroffene haben oft Angst vor Anzeige

Für die Aussicht auf mehr Gehalt als zu Hause gehen viele ins reichere Ausland - als Erntehelfer, Küchenhilfe oder Bauarbeiter. Auf faire Arbeitsbedingungen hoffen viele vergeblich. Gemäß einer neuen Studie der in Wien ansässigen EU-Grundrechteagentur (FRA) sind problematische Verhältnisse in Ländern Europas bittere Realität - auch in Österreich.

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Die „kriminelle Ausbeutung“ von Arbeitskräften konzentriert sich dem EU-Bericht zufolge vor allem auf einige Wirtschaftszweige. In Österreich sind von Ausbeutung besonders Arbeitskräfte am Bau und in der Landwirtschaft betroffen, wie der Bericht ausführt. Diese beiden Branchen gelten auch europaweit als besonders durchsetzt von schwarzen Schafen unter den Arbeitgebern. Zudem benennt der Bericht Fischerei, das Hotel- und Gaststättengewerbe, Beschäftigung im Haushalt und die verarbeitende Industrie als Problemfelder.

„Ernsthaftes Risiko“

Die FRA stützt sich bei dieser Einschätzung unter anderem auf rund 600 Gespräche mit Gewerkschaftern, Polizisten oder Mitarbeitern von Aufsichtsbehörden. „Ausländische Arbeitnehmer haben in der EU ein ernsthaftes Risiko, ein Opfer von Arbeitsausbeutung zu werden“, sagte Blanca Tapia von der FRA.

Jeder fünfte Gesprächspartner traf demnach mindestens zweimal pro Woche auf einen solchen Fall, heißt es in der Untersuchung. Gemeinsam sei vielen Fällen der sehr niedrige Lohn, manchmal von einem Euro pro Stunde und weniger, sowie die langen Arbeitszeiten von zwölf Stunden und mehr an sechs oder sieben Tagen in der Woche. Zudem existiere oftmals kein Vertrag. Pässe von Arbeitern würden von Arbeitgebern eingezogen, diese würden oftmals von der Außenwelt abgeschnitten.

„Bedingungen nicht zu kontrollieren“

Eine vollständige Erfassung des Problems ist indes schwierig. „Das Projekt hat sich nur mit jenen Formen der Arbeitsausbeutung befasst, die strafrechtlich verfolgt werden können“, sagte Albin Dearing von der FRA. Dabei sei die rechtliche Situation unter den EU-Ländern aber unterschiedlich. In Polen beispielsweise gelten landwirtschaftliche Betriebe laut FRA als Privatgrundstücke, relevante Kontrollen seien schwierig.

„Sie können die Bedingungen für die Hühner kontrollieren, aber nicht für die Arbeiter“, beklagte Tapia. Die Täter würden dabei nur ein geringes Risiko tragen, strafrechtlich verfolgt zu werden oder die Opfer entschädigen zu müssen. Oft hätten die Betroffenen Angst, Anzeige zu erstatten, weil sie ihre Arbeit dann verlieren könnten.

Schärfere Gesetze gefordert

Der Interimsdirektor der Grundrechteagentur, Constantinos Manolopoulos, mahnte die EU-Staaten, stärker zu handeln. „Die Ausbeutung von Arbeitskräften, die durch ihre wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse gezwungen sind, sich auf unwürdige Arbeitsbedingungen einzulassen, ist nicht akzeptabel“, erklärte er. Die Agentur pocht auf bessere Kontrollen und schärfere Gesetze.

Vorbildlich seien die Instrumente im Kampf gegen den Menschenhandel. Denkbar sei auch ein staatlich überwachtes Siegel für Produkte, die ohne Ausbeutung entstanden sind. Umfassende länderspezifische Analysen enthält der Bericht nicht. Die rechtliche und institutionelle Lage wird für alle 28 EU-Staaten analysiert, Feldforschung wurde allerdings nur in 21 Ländern betrieben.

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