Frist beträgt 40 Tage
Die meisten der in Zürich festgenommenen sieben FIFA-Funktionäre widersetzen sich einer Auslieferung an die USA. Im Verhör bei der Kantonspolizei Zürich gaben am Mittwoch sechs von ihnen an, sich mit rechtlichen Mitteln gegen die Überstellung an die US-Justiz wehren zu wollen. Das teilte das Schweizer Bundesamt für Justiz am Mittwochabend mit.
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Dadurch müssen nun formelle Auslieferungsverfahren eingeleitet werden. Nach Schweizer Recht beträgt die Frist, innerhalb der die USA entsprechende Anträge stellen können, 40 Tage. Beobachter gehen davon aus, dass das rasch geschehen und die Schweizer Justiz dann auch kurzfristig darüber entscheiden wird. Einer der Festgenommenen habe in einer ersten Anhörung Bereitschaft für eine sogenannte vereinfachte Auslieferung signalisiert und könne damit im Falle einer Bewilligung „umgehend den US-Behörden übergeben werden“.
Mehr als 150 Mio. Bestechungsgeld vermutet
Auf Betreiben der USA hatten Schweizer Polizisten in Zürich sieben hochrangige FIFA-Funktionäre wegen Korruptionsvorwürfen festgenommen. Nach Angaben der US-Behörden sollen mehr als 150 Millionen Dollar Bestechungsgelder geflossen sein. Dabei soll es auch um Zahlungen bei der Vergabe der Austragungsorte der Weltmeisterschaften gegangen sein. Den Verdächtigen drohen laut US-Justizministerium 20 Jahre Haft.

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Mit Leintüchern verdeckt werden die FIFA-Funktionäre abgeführt
Vizepräsidenten unter Festgenommenen
Insgesamt sieben Personen wurden im Zürcher Nobelhotel Baur au Lac festgenommen. Darunter sind die beiden amtierenden FIFA-Vizepräsidenten Jeffrey Webb von den Cayman-Inseln und Eugenio Figueredo aus Uruguay. Der 50-jährige Webb führt den CONCACAF-Verband, die nord-, zentralamerikanische und karibische Fußballkonföderation. Diesem und dem Verband der nationalen Fußballverbände Südamerikas (CONMEBOL) gehören die meisten weiteren Verdächtigen an. Der 83-jährige Figueredo ist ehemaliger Präsident des CONMEBOL.

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CONCACAF-Präsident Jeffrey Webb wurde am Mittwoch verhaftet
Die FIFA sperrte insgesamt elf Funktionäre vorläufig für sämtliche Fußballaktivitäten. Darunter seien auch die FIFA-Vizepräsidenten Webb und Figueredo, teilte der Weltverband nach einer Entscheidung seiner Ethikkommission am Mittwochabend mit.
Paraguay bestätigte inzwischen den Eingang eines internationalen US-Haftbefehls gegen den früheren CONMEBOL-Chef Nicolas Leoz. Sein Mandant sei wütend über den Haftbefehl, sagte Leoz’ Anwalt Raul Barriocanal. Leoz wisse nicht, wo diese Anschuldigungen herkämen. Die USA beantragten zudem die Festnahme und Auslieferung von drei argentinischen Staatsbürgern, die im Sportmarketing tätig sind.
Ermittlungen auch in Costa Rica
Neben den neun FIFA-Funktionären wird von den US-Behörden auch gegen fünf Chefs von Sportmarketingfirmen ermittelt. Die Straftaten seien in den USA vorbereitet und abgesprochen worden. Auch seien Zahlungen über US-Banken abgewickelt worden. Ihnen drohen Haftstrafen von bis zu 20 Jahren wegen organisierten Verbrechens, Betrugs, Geldwäsche und Bestechung.
Nach der Festnahme des costaricanischen FIFA-Funktionärs Eduardo Li in der Schweiz leitete auch die Staatsanwaltschaft seines Heimatlandes Ermittlungen gegen den Verbandschef ein. Es solle geklärt werden, ob möglicherweise geflossene Schmiergelder nach Costa Rica gelangt seien, berichtete die Zeitung „La Nacion“ am Mittwoch unter Berufung auf den zuständigen Staatsanwalt.
„FIFA Rote Karte gezeigt“
Der Chef der US-Steuerfahndung übte nach den Verhaftungen harsche Kritik am Fußballweltverband. Die FIFA handle aus Eigennutz und Profitgier, sagte Richard Weber am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in New York. „Das ist die Weltmeisterschaft des Betrugs, und heute zeigen wir der FIFA die Rote Karte“, betonte er Mittwoch zu Mittag (Ortszeit).
Weber sprach von einem "guten Tag für Fußballfans und einem großartigen Tag für den globalen Kampf gegen Korruption, Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Unterdessen weiten die US-Justizbehörden die Korruptionsermittlungen gegen die FIFA aus. US-Justizministerin Loretta Lynch forderte Mittwochmittag bei der Pressekonferenz die Festnahme weiterer Verdächtiger. Die Frage, ob auch Blatter Ziel der US-Ermittlungen sei, wollte sie nicht beantworten.

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Der Chef der US-Steuerfahndung, Richard Weber
Lynch erklärte lediglich, zum gegenwärtigen Zeitpunkt werde Blatter nichts vorgeworfen. Lynch sagte, es gebe bei der FIFA noch einen großen Aufklärungsbedarf. Es sei aber nicht Ziel des Ministeriums, die 2018 und 2022 in Russland und Katar geplanten Fußballweltmeisterschaften zu verhindern. Die FIFA müsse „tief in ihre Seele blicken“. Die amerikanischen Behörden seien damit aber nicht befasst.

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US-Justizministerin Loretta Young (Mitte) bei der Pressekonferenz
Aktuelle Ermittlungen „erst der Anfang“
Laut Lynch flossen allein im Zusammenhang mit der Copa America 2016 in den USA rund 110 Millionen Dollar (101 Mio. Euro) an Bestechungsgeldern. Sie äußerte sich am Mittwoch in einer Pressekonferenz in New York enttäuscht, dass auch historische Ereignisse wie die erste Weltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent in Südafrika 2010 durch kriminelle Handlungen beschädigt worden seien. Die Copa America findet 2016 erstmals außerhalb von Südamerika statt. Das Turnier wird anlässlich des 100. Geburtstags des südamerikanischen Verbandes erstmals als Gemeinschaftsevent Copa America Centenario in den USA ausgetragen.
Der New Yorker Staatsanwalt Kelly Currie erklärte, dass die aktuellen Ermittlungen „erst der Anfang“ seien. „Diese Art der Korruption und der Bestechung im internationalen Fußball läuft seit zwei Jahrzehnten.“ Alle Angeklagten hätten das US-Finanzsystem für ihre Zwecke missbraucht und amerikanische Gesetze gebrochen. „Was sie gemein hatten, war die Gier.“
FBI kündigt harte Schritte an
Lynch hatte nach der Festnahme mehrerer Fußballfunktionären von Korruption seit mindestens 24 Jahren gesprochen. „Sie haben das weltweite Fußballgeschäft korrumpiert, um sich selbst zu bereichern“, sagte sie am Mittwoch weiter. „Sie haben es immer und immer wieder gemacht. Jahr um Jahr, Turnier um Turnier.“ Lynch kündigte an, die Korruption im Weltfußball rigoros bekämpfen zu wollen.
FBI-Direktor James Comey betonte, dass es sich bei den Untersuchungen um einen „langwierigen Prozess“ handle, „der erst am Anfang steht“. Comey kündigte harte Schritte an. „Wenn sie mit ihrem korrupten Unternehmen in unser Land kommen, werden sie zur Rechenschaft gezogen werden“, so der FBI-Chef. „Dieses so beliebte Spiel wurde gekidnappt“, sagte Comey.
Schweizer Staatsanwalt eröffnet Strafverfahren
Die Schweizer Staatsanwaltschaft hat unterdessen rund um die Vergaben der Fußballweltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar ein Strafverfahren eröffnet. In diesem Zusammenhang seien im Hauptquartier der FIFA in Zürich elektronische Daten und Dokumente sichergestellt worden, teilte die Behörde am Mittwoch mit.
Die Staatsanwaltschaft gehe dem Verdacht nach, dass es bei der Vergabe an Russland und Katar zu Unregelmäßigkeiten und unrechtmäßigen Bereicherungen gekommen sei. Zudem habe man Hinweise auf Geldwäsche über Banken in der Schweiz erhalten. Die Ermittlungen würden nicht gegen konkrete Personen laufen, hieß es weiter. Die Schweizer Behörden ließen daraufhin Konten bei mehreren Banken sperren. Es handle sich um Konten, über die Bestechungsgelder geflossen sein sollen, so das Schweizer Bundesamt für Justiz.
Russland hat die US-Ermittlungen in der Schweiz scharf kritisiert. Die Festnahmen mehrerer Verdächtiger in der Schweiz seien eine „illegale Anwendung von US-Recht“ außerhalb des US-Staatsgebiets, teilte das Außenministerium in Moskau am Mittwoch mit. Russland forderte die USA auf, sich an internationale rechtliche Abläufe zu halten.
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