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Befürworter bangen

Per Volksabstimmung entscheiden die Iren am Freitag, ob in dem Land, das als besonders konservativ-katholisch gilt, schwule und lesbische Paare heiraten dürfen. Geht die Abstimmung mit einem Ja aus, so wäre Irland das erste Land, in dem die Homoehe per Volksentscheid legalisiert wird.

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Konkret werden die Iren über eine Abänderung der Verfassung abstimmen, die die Eheschließung zwischen zwei Personen „ohne Unterscheidung bezüglich deren Geschlechts“ für gesetzmäßig erklärt. Laut jüngsten Meinungsumfragen ist eine Mehrheit für die Gesetzesänderung wahrscheinlich - laut dem „Wall Street Journal“ („WSJ“) gab es aber bereits in der Vergangenheit Überraschungen bei Volksabstimmungen in Irland.

Plakat zur Abstimmung über die Homo-Ehe

APA/AP/Peter Morrison

Eines der zahlreichen Plakate, die seit Wochen für ein „Yes“ werben

Klar ist, dass die Einführung der Homoehe für die „grüne Insel“, die in den letzten Jahren durch die Folgen der Finanzkrise wirtschaftlich schwer gebeutelt wurde, eine Abkehr von der langen Geschichte des Konservativismus in gesellschaftlichen Fragen wäre, wie es im „WSJ“ weiter heißt.

„Wird knapper als erwartet“

Der irische Regierungschef Enda Kenny von der konservativen Fine-Gael-Partei warnte zuletzt, dass die Zahl der Gegner wachse. „Wir wussten, dass der Widerstand groß ist, aber er ist viel stärker, als wir das zuerst erwartet haben“, sagte ein anderes Regierungsmitglied. Das Ergebnis werde „viel knapper als erwartet“ sein.

Kenny appellierte in seiner Abschlusskonferenz an die Iren, schwulen, lesbischen und Transgender-Paaren die gleiche Chance zu geben wie Heterosexuellen. Irland könnte mit einem „Ja zu Inklusion, Ja zu Rechten, Ja zu Liebe und Ja zu Gleichheit sowie einem Ja zu Gleichberechtigung bei der Ehe“ Geschichte machen.

Eine Gesetzesänderung würde gleichgeschlechtlichen Paaren, die heiraten, die gleichen verfassungsmäßigen Rechte wie heterosexuellen Paaren geben. Derzeit können sich homosexuelle Paare - so wie in Österreich - verpartnern. Proponenten der Homoehe verweisen aber darauf, dass damit nicht die gleichen Rechte und derselbe Schutz umfasst sind wie bei heterosexuellen Eheleuten.

„Gleichberechtigt im eigenen Land“

„Ich will wie ein gleichberechtigter Bürger in meinem eigenen Land behandelt werden“, fordert die 44-jährige Sinead Pentony gegenüber dem „WSJ“, die mit ihrer Tochter und ihrer Partnerin Clodagh Byrne in der Nähe Dublins wohnt. „Ich glaube nicht, dass verheiratete Paare ihre Ehe für eine Verpartnerung eintauschen würden.“

„Kein soziales Konstrukt“

Die Gegner der Gleichstellung verweisen vor allem auf die Kinder, die ihrer Meinung nach in traditionellen Familien besser aufgehoben seien. Der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, sagte gegenüber der „Irish Times“, er wolle seine religiösen Ansichten nicht anderen Menschen „aufs Auge drücken“, aber er glaube, dass die Ehe heterosexuellen Paaren vorbehalten bleiben sollte.

„Bei der Ehe geht es nicht nur um eine Hochzeitsfeier oder zwei Menschen, die einander lieben“, so der Erzbischof. Die Iren sollten sich fragen, „warum Menschen als Männer und Frauen existieren“: Das sei, so Martin, „kein Zufall oder ein soziales Konstrukt ... Ich glaube, dass diese sich ergänzende Gegensätzlichkeit fundamental zur Definition einer Ehe gehört.“

Die Abstimmung ist ein weiterer wichtiger gesellschaftspolitischer Schritt in Irland - und ein Hinweis dafür, dass der traditionell extrem starke Einfluss der katholischen Kirche auf die Politik allmählich nachlässt. Homosexualität wurde in Irland erst 1993 entkriminalisiert. Ein Scheidungsverbot wurde dann zwei Jahre später mit ganz knapper Mehrheit aufgehoben. Abtreibungen sind bis heute illegal.

Skandale schwächten Macht der Kirche

Der soziale Wandel beschleunigte sich in den wirtschaftlichen Boomjahren, als Dublin mit günstigen Steuersätzen die Größen der US-IT-Branche nach Irland lockte und das Land mit rasantem Wachstum zum „keltischen Tiger“ avancierte. Im Gegenzug verlor die katholische Kirche wegen einer Serie von sexuellen Missbrauchsskandalen, die teils jahrzehntelang verdeckt worden waren, massiv an Vertrauen in der Bevölkerung.

Der Dubliner Soziologe Eoin O’Sullivan sagte gegenüber „WSJ“, dass sich in den letzten beiden Jahrzehnten ein grundsätzlicher gesellschaftlicher Wandel vollzogen habe: „Die jüngere Generation erstaunen Tabus rund um Sex nur noch.“

Alle großen irischen Parteien unterstützen die Verfassungsänderung. Gesundheitsminister Leo Varadkar hatte sich im Jänner öffentlich als schwul geoutet. Eine Reihe von Promis - darunter die Filmstars Colin Farrell und Saoirse Ronan sowie der Fußballspieler Robbie Keane - hatte in den letzten Wochen für ein Ja bei der Volksabstimmung geworben.

In vielen Ländern bereits Realität

Homosexuelle Paare können die Zivilehe in folgenden Ländern eingehen: Portugal, Spanien, Frankreich, Belgien, Luxemburg, die Niederlande, Großbritannien, Island, Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland. In diesen Ländern gibt es auch die völligen Adoptionsrechte - bis auf Portugal, dort besteht kein Adoptionsrecht für Homosexuelle.

Eingetragene Partnerschaften mit nahezu gleichen Rechten und Pflichten können neben Österreich in der Schweiz, Liechtenstein, Deutschland, Tschechien, Ungarn, Slowenien, Estland und Irland geschlossen werden. In den anderen Ländern gibt es lediglich punktuelle Gleichstellungen. Österreich wird nach der diesbezüglichen Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs im Jänner künftig das einzige Land Europas sein, in dem es zwar völlige Adoptionsrechte für gleichgeschlechtliche Paare, allerdings keine Möglichkeit einer Eheschließung gibt.

Nur die Möglichkeit zu einer Stiefkindadoption gibt es in Slowenien und in Deutschland. In letzterem kann diese Bestimmung allerdings umgangen werden, erklärte Graupner. Demnach adoptiert zunächst ein Partner ein Kind und der zweite adoptiert dann dieses Stiefkind.

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