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„Schokolade für Ivorer und Afrika“

In keinem Land der Welt wird mehr Kakao produziert als in der Elfenbeinküste (Cote d’Ivoire). Ungeachtet dessen kommt die Eröffnung einer Schokoladefabrik in dem westafrikanischen Land einem Staatsakt gleich. Präsident Alassane Ouattara ließ es sich jedenfalls nicht nehmen, persönlich den Startschuss für ein bisher neues Geschäftsfeld in dem Land zu geben.

Seit Wochenbeginn werden in der Elfenbeinküste nun erstmals in industriellen Dimensionen Schokoladetafeln, Schokoaufstriche und Kakaopulver auf dem Fließband hergestellt. Mit der nun selbst hergestellten Schokolade soll zunächst der Schokoladekonsum im eigenen Land angekurbelt werden. Ouattara zufolge will man künftig aber ganz Afrika mit Schokolade versorgen: „Wir wollten in der Lage sein, Schokolade für Ivorer, aber auch Afrika im Allgemeinen machen“, sagte Ouattara bei der Eröffnung der Fabrik am Montag.

Der Präsident der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara, kostet Schokolade

AFP/Issouf Sanogo

Präsident Ouattara (l.) eröffnete die Fabrik persönlich

In der Schokoladefabrik, die umgerechnet sechs Millionen Euro kostete, können jetzt pro Jahr 10.000 Tonnen Schokolade direkt im Herkunftsland der Kakaobohnen hergestellt werden. Nach den Worten von Handelsminister Jean-Louis Billon bekommen die Menschen seines Landes jetzt „mehr und mehr Zugang zu einem Produkt, das aus dem eigenen Land kommt, weltweit verkauft wird und das lange verboten war“.

Nummer eins auf dem Weltmarkt

Die Elfenbeinküste produziert mehr als 35 Prozent der weltweiten Kakaoernte. Den Produktionszahlen von 2012 zufolge wurde mit geschätzten 1,6 Millionen Tonnen rund doppelt so viel Kakao produziert wie in Indonesien und Ghana. Die Elfenbeinküste ist damit die ungeschlagene Nummer eins. Weit abgeschlagen ist mit rund 250.000 Tonnen Brasilien und damit der größte Produzent aus Lateinamerika, dem eigentlichen Ursprungsort der Kakaobohne.

Der in der Elfenbeinküste auch als „braunes Gold“ bezeichnete Kakao ist mit einem Anteil von 22 Prozent am Bruttoinlandsprodukt und mehr als der Hälfte aller Exporte der zentrale Wirtschaftsfaktor des Landes. Vergessen erscheinen im Land derzeit die schweren Unruhen, die samt einem Kakaoexportverbot den Amtsantritt von Outtara im Jahr 2011 begleitet hatten - im Vorjahr wurde vielmehr mit 1,7 Millionen Tonnen so viel Kakao produziert wie nie zuvor.

Dazu kommt, dass ungeachtet des gestiegenen Angebots mit Kakao auch immer mehr Geld zu verdienen ist. Grund dafür ist eine weltweit wachsende Nachfrage nach Schokolade, wobei nicht zuletzt auch der steigende Konsum in China für anhaltend steigende Preise sorgt. So wie viele andere Rohstoffe mutierte auch Kakao mittlerweile zu einem lukrativen Spekulationsobjekt. Im Vorjahr ließ in diesem Zusammenhang etwa die Angst vor der Ausbreitung der Ebola-Krise von Liberia und Sierra Leona in die Elfenbeinküste die Preise an den großen Rohstoffbörsen in New York und London in ungeahnte Höhen schießen.

Kinderarbeit „eher die Regel als die Ausnahme“

Entwicklungen wie diesen verdankt die Elfenbeinküste zwar ein anhaltendes Wirtschaftswachstum. Die großteils von der Kakaoproduktion abhängige Bevölkerung selbst merkt Kritikern zufolge davon bisher allerdings nur wenig: Nach wie vor leben viele Bewohner der Elfenbeinküste weit unter der Armutsgrenze - laut dem „Wirtschaftsausblick Afrika 2014“ stehen die Aussichten für die Elfenbeinküste aber zumindest auf Besserung.

Dennoch sorgen auch die Produktionsbedingungen auf den Kakaoplantagen für anhaltende Kritik. Ungeachtet der von der Elfenbeinküste unterschrieben Konvention der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ist laut Deutschlandradio etwa Kinderarbeit „eher die Regel als die Ausnahme“.

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