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Düster - mit Augenzwinkern

Ausstellung und Diskursforum, Festival und Partymeile - die 56. Biennale in Venedig verspricht ein vielschichtiges Programm. Zu ihrem 120-jährigen Bestehen wartet die wichtigste Kunstschau der Welt ab 9. Mai mit zahlreichen Rekorden auf: 136 Künstler aus 53 Ländern zeigen mehr als 700 Werke.

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89 Nationen beteiligen sich mit Länderpavillons am Wettbewerb um den Goldenen Löwen. Österreich ist mit einem düsteren - oder angenehm stillen, je nach Sichtweise - Pavillon vertreten, den Heimo Zobernig gestaltet hat.

„All the World’s Futures“, alle Zukünfte dieser Welt, nennt der diesjährige Kurator Okwui Enwezor die fast sieben Monate dauernde Mammutschau in Venedig. Der 51-jährige Nigerianer, Direktor am Münchner Haus der Kunst und 1998 bis 2002 für die Documenta in Kassel verantwortlich, sucht über die Genregrenzen hinweg mit Künstlern, Musikern, Filmemachern und Autoren nach Antworten auf die Krisen unserer Zeit.

Installation von Chiharu Shiota

APA/AP/Domenico Stinellis

Tausende Schlüssel hängen im japanischen Pavillon, der von Chiharu Shiota gestaltet wurde

„Konservative und abgeschottete Disziplin“

„Ich möchte Künstler auswählen, die die Grenzen unserer zutiefst konservativen und abgeschotteten Disziplin herausfordern“, sagte Enwezor dem Magazin „Monopol“. Rund zwei Drittel der Teilnehmer sind erstmals nach Venedig geladen, andere sollen gerade zum 120. Geburtstag die künstlerische Tradition des Festivals deutlich machen.

So lässt Carsten Höller eines seiner Zeitlupenkarussells im Park der Giardini gondeln, Bruce Nauman sendet Neonbotschaften, und postum ist Harun Farockis gesamtes Filmwerk zu sehen. Ebenfalls vertreten etwa Walker Evans, Jeremy Deller, Fabio Mauri, Wangechi Mutu und Xu Bing, Georg Baselitz, Isa Genzken, Alexander Kluge und Olaf Nicolai. Zu den Newcomern gehört etwa das syrische Filmkollektiv Abounaddara, das heimlich gedrehte Videoberichte aus dem Alltag des Bürgerkriegs vorstellt.

Werk "Iceberg a Venezia" von Helidon Xhixha

APA/EPA/Andrea Merola

Der italienisch-albanische Künstler Helidon Xhixha hat den „Eisberg von Venedig“ gestaltet - der direkt vor dem Markusplatz im Wasser schwimmt

Herzstück in Enwezors Schau ist die vom britisch-ghanaischen Architekten David Adjaye entworfene „Arena“ im zentralen Ausstellungsgebäude. Dort sollen Schauspieler - in Anlehnung an die Vorlesung des Heiligen Buchs bei den Sikhs - täglich das „Kapital“ von Karl Marx vorlesen, Zeile für Zeile, immer wieder. „Ich will keine statische Ausstellung, sondern etwas Lebendiges, das sich jeden Tag ändert“, zitiert das „Art“-Magazin den Kurator.

Österreich bietet Ort der Stille und Verfremdung

Für die Bespielung des österreichischen Pavillons hat der hiesige Biennale-Kommissär Yilmaz Dziewior Heimo Zobernig ausgewählt. Und der wiederum hat sich für einen Ort der Stille entschieden. Seine Devise lautet: Reduktion. Bereits im schmalen, hohen Eingangstor wird jene schwarze Fläche sichtbar, mit der Zobernig den von Josef Hoffmann erbauten Pavillon konsequent verfremdet.

Im gesamten Gebäude hat er die Decke um gut drei Meter abgesenkt. Rundbögen und Dachfenster verschwinden unter der schwarzen Verkleidung. Auch die Stufen, die üblicherweise zu den Ausstellungsräumen hinunterführen, sind verschwunden.

Heimo Zobernigs österreichischer Pavillon

APA/Georg Petermich

Der von Heimo Zobernig gestaltete Österreich-Pavillon

56. Kunstbiennale von Venedig

Mit der Vergabe der Goldenen Löwen bei der Eröffnungszeremonie am 9. Mai fängt die Biennale dieses Jahr einige Wochen früher an als sonst. Sie geht bis zum 22. November.

Schwarz - und ohne Bilder

Schwarz ist auch der Boden, der sich nun auf einer einzigen Ebene durch den Pavillon bis hinein in den Garten zieht, den Zobernig auch fast zur Hälfte mit seinem schwarzen Kubus überdacht hat. Die Glaswände der kleinen Galerien hat er herausgenommen, sodass die Übergänge zwischen Drinnen und Draußen verschwimmen. Klar heben sich Decke und Boden ab vom Weiß der Wände und geben auf der so entstandenen offenen Terrasse den Blick auf jene Sträucher frei, die im Vorjahr im Rahmen der Architekturbiennale im sonst tristen Kiesgarten gepflanzt wurden.

Bilder sucht man im diesjährigen Österreich-Pavillon vergeblich. Einzig vier langgezogene, mitten in den Räumen positionierte weiße Bänke laden zum Verweilen ein. Und so wird Zobernigs Pavillon nicht nur zu einem den Biennale-Lärm verschluckenden, sondern auch die architektonische Geschichte ironisch hinterfragenden Raum.

Sabine Breitwieser als Jurorin

Aus Österreich ist auch Sabine Breitwieser, Leiterin des Salzburger Museums der Moderne, vertreten: Sie ist Mitglied der internationalen Jury. Bestellt wurde sie vom Aufsichtsrat der Biennale unter der Leitung von Präsident Paolo Baratta nach einem Vorschlag Enwezors.

Und: Der Direktor der Kunsthalle Wien, Nicolaus Schafhausen, ist zum Kurator des Pavillon der Republik Kosovo bei der 56. Biennale von Venedig ernannt worden. Ungewöhnlich das Prozedere: Nicht er wählt nun einen Künstler, sondern er wurde von der bereits vom kosovarischen Kulturministerium nominierten Künstlerin Flaka Haliti gefragt, ihr zur Seite zu stehen.

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