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Langjähriger Kampf

Mit dem Fach Deutsch sind Dienstagfrüh Tausende Schülerinnen und Schüler in die erste österreichweite Zentralmatura gestartet. Die mediale Aufregung war in den letzten Wochen ständig gestiegen, alle möglichen Szenarien, wo und wie etwas schiefgehen könnte, wurden durchgespielt.

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Die Anspannung bei den direkt Betroffenen, den Schülerinnen und Schülern und Lehrerinnen und Lehrern an den AHS, stieg dadurch wohl zusätzlich. Diese Matura ist aber nicht nur die Reifeprüfung für die Maturantinnen und Maturanten dieses Jahrgangs, sondern vor allem auch eine für das heimische Bildungssystem. Jahrelang hatte es einen auch ideologisch gefärbten Kampf pro und kontra Zentralmatura gegeben, der auch mit viel Emotion geführt wurde. Nach der Grundsatzentscheidung wurde jahrelang über die Ausformung und die tatsächliche Umsetzung gestritten.

Wiederholte Pannen bei dem mit der Organsiation beauftragten Bundesinstitut für Bildungsforschung (BIFIE) trugen nicht gerade dazu bei, das Vertrauen zu stärken, dass eine solche auch administrativ gewaltige Herausforderung gemeistert werden kann. Zuletzt hatten Warnungen, wegen unterschiedlicher Beginnzeiten könnten Schüler teils die Angaben vorab erfahren, für Aufsehen gesorgt.

Entscheidende Tage

Die nächsten Tage und Wochen werden nun zeigen, wie gut die Zentralmatura von politischer und administrativer Seite vorbereitet wurde - und wie sehr die Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler in den einzelnen Schulen funktionierte, das angesichts einer immer wiederkehrenden Verunsicherung, auch aufseiten der Lehrer, die ebenfalls Neuland betreten.

BIFIE: Keine Downloads angefordert

Die Deutschzentralmatura begann vorerst offenbar auch ohne Probleme. Laut BIFIE meldete bis 9.15 Uhr zumindest keine einzige Schule fehlende oder fehlerhafte Angaben. Dementsprechend wurden von den Direktoren auch keine Aufgaben zum Download beim BIFIE angefordert. Mit dieser Sicherungsmaßnahme würden etwa fehlende oder unleserliche Angaben, für die es keine oder ebenfalls nur fehlerhafte Reservepakete gibt, ersetzt.

Das Prozedere war ohnehin seit langem klar: Die Kuverts wurden mittels Sicherheitstransporten an die Schulen geliefert, die Lieferwagen waren mit GPS-Sendern und teilweise mit Farbpatronen bestückt. An den AHS wurden die Aufgabenhefte an eine dem BIFIE bekannte, berechtigte Person übergeben. Erst zu Prüfungsbeginn durfte das Siegel gebrochen und die Hefte entnommen werden. Stellt sich heraus, dass etwas fehlt, gibt es die Möglichkeit, etwaige Fehlseiten vom BIFIE herunterzuladen. So sollen längere Verschiebungen der Beginnzeiten vermieden werden.

Schummeln mit Smartphone?

Die Beginnzeiten waren allerdings bis zur letzten Minute ein Diskussionsthema. Die FPÖ und Bundesschulsprecher Lukas Faymann wollten diese in ganz Österreich vereinheitlicht sehen. Der Vorsitzende der AHS-Lehrergewerkschaft, Eckehard Quin (FCG), schloss das Ausnutzen unterschiedlicher Beginnzeiten der Zentralmatura für die Weitergabe von Beispielen per Smartphone praktisch aus.

„Da müsste ja wer im beaufsichtigten Raum das geschmuggelte Handy aus der Unterhose rausfischen, fotografieren und versenden. Das soll mir jemand einmal vorhupfen, wie das geht“. Die Schüler müssten ihre Handys am Beginn der jeweiligen Matura abgeben, so Quin. Man führe aber natürlich keine Leibesvisitationen durch. „In Einzelfällen wird es irgendeine Art des Schummelns immer geben. Aber dass wer im Prüfungsraum etwas abfotografiert - nein“, so Quin.

Heinisch-Hosek „zutiefst“ von Gelingen überzeugt

Heinisch-Hosek zeigte sich zudem am Samstag in der Ö1-Reihe „Im Journal zu Gast“ „zutiefst überzeugt“, dass die Zentralmatura gelingen wird. Sie gehe davon aus, dass die Ergebnisse nicht von den Reifeprüfungen der vergangenen Jahre abweichen werden. Bezüglich der Vorbereitungen der Matura durch das BIFIE meinte die Ministerin, hier volles Vertrauen zu haben. Ungeachtet dessen deutete sie ein weiteres Mal an, die Zentralmatura vom Bildungsinstitut ins Ministerium zurückholen zu wollen. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht gefallen - mehr dazu in oe1.ORF.at.

Opposition sieht Nagelprobe für Bildungsministerin

Der Bildungssprecher der Grünen, Harald Walser, sieht die pannenfreie Durchführung der Zentralmatura allerdings als „Lackmustest“ für Heinisch-Hosek. Komme es auch diesmal zu Zwischenfällen, sei ein Rücktritt die logische Folge. Auch FPÖ-Bildungssprecher Walter Rosenkranz übte Kritik an der Bildungsministerin: „Trotz der langen Pannenserie bei der Zentralmatura will sie für nichts die Verantwortung übernehmen.“ ÖVP-Generalsekretär Gernot Blümel forderte nach Heinisch-Hoseks Auftritt im „Journal zu Gast“ in Sachen Zentralmatura „Schluss mit fadenscheinigen Rechtfertigungen“.

BIFIE veröffentlicht Aufgaben online

Der Auftakt zu den beiden Maturawochen erfolgte am Montag ohne Zentralmatura. An diesem Tag wurden das Fach Russisch sowie an vielen Schulen Gegenstände wie Informatik, Biologie und Physik abgeprüft, für die es keine zentral vorgegebenen Aufgabenstellungen gibt.

Grafik zeigt eine Bundesländerverteilung der Zentralmatura-Kandidaten

APA/ORF.at

Das BIFIE erstellt nur für die Fächer Deutsch (bzw. die anderen Unterrichtssprachen Slowenisch, Kroatisch und Ungarisch), Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch, Griechisch und Latein die Aufgabentexte. Damit sind die verpflichtenden sowie die im Regelfall meistgewählten Fächer abgedeckt. In allen anderen Gegenständen erarbeiten weiter die jeweiligen Fachlehrer die Maturabeispiele und reichen diese bei den Landesschulräten zur Genehmigung ein.

Grafik zu den Terminen der Zentralmatura

APA/ORF.at

Nach der Deutschmatura am Montag folgen Englisch (6. Mai), Spanisch bzw. die Volksgruppensprachen Kroatisch, Slowenisch und Ungarisch (7. Mai), Französisch (8. Mai), Mathematik (11. Mai), Italienisch (12. Mai) sowie Latein bzw. Griechisch (13. Mai). Die Klausuren dauern 270 Minuten (Ausnahme: Deutsch bzw. andere Unterrichtssprache mit 300 Minuten), die Beispiele werden am Tag nach der Prüfung auf der Website des BIFIE veröffentlicht.

An den berufsbildenden höheren Schulen (BHS) ist die Zentralmatura erst ab dem Schuljahr 2015/16 verpflichtend. Allerdings erproben an 93 BHS bereits heuer rund 7.000 Schüler im Rahmen von Schulversuchen die Zentralmatura in einem oder mehreren Fächern.

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