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Solidarität auf Sizilien „sehr groß“

Marine- und Küstenwachschiffe haben am Wochenende im Mittelmeer mehr als 5.800 Bootsflüchtlinge gerettet. Das teilten die italienische und griechische Küstenwache am Sonntag mit. Die italienische Marine teilte mit, am Samstag seien mehr als 3.700 Flüchtlinge in Sicherheit gebracht worden, am Sonntag wurden über 2.100 von den Schlepperbooten gerettet.

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Etwa 220 Menschen erreichten begleitet von der Küstenwache bereits die italienische Insel Lampedusa. Mehrere hundert Gerettete sollten nach Angaben der italienischen Marine am Montag auf Sizilien ankommen. Die griechische Küstenwache rettete am Wochenende bis zum Sonntagnachmittag in der Ägäis knapp 530 weitere Flüchtlinge. Sie kamen auf den Inseln Lesbos, Chios, Farmakonisi, Samos und Kos an, wie die Küstenwache mitteilte.

Erneut Todesopfer

Für mindestens zehn Flüchtlinge kam unterdessen erneut jegliche Hilfe zu spät. Sieben Menschen wurden nach Angaben der italienischen Küstenwache vor der Küste Libyens tot in zwei voll besetzten Schlauchbooten gefunden. Drei weitere Flüchtlinge ertranken, als sie ins Meer sprangen, um einen nahen Schlepper zu erreichen, der ihnen zu Hilfe eilen wollte. Zwei weitere Migranten mussten laut ANSA wiederbelebt werden und befinden sich in einem kritischem Zustand.

Mittel für „Triton“ verdreifacht

Schleuserbanden machen sich das durch den Bürgerkrieg in Libyen entstandene Chaos zunutze, um immer mehr Migranten auf oft kaum seetüchtigen und überladenen Schiffen in Richtung Europa zu schicken. Allein in den ersten Monaten dieses Jahres kamen dabei im Mittelmeer mehr als 1.750 Flüchtlinge ums Leben - 30-mal mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die bisher größte Katastrophe ereignete sich Ende April, als beim Untergang eines völlig überladenen Schiffes vor der Küste Libyens möglicherweise mehr als 800 Menschen starben.

Luke in einem Boot

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Kleidung und eine Schwimmweste auf einem an der Küste Siziliens gestrandeten Flüchtlingsboot

Nach den Flüchtlingstragödien beschlossen die EU-Staats- und Regierungschefs auf einem Sondergipfel Ende April, die Mittel für die derzeitige EU-Mission „Triton“ zu verdreifachen. „Triton“ hat seitdem statt drei rund neun Millionen Euro pro Monat zur Verfügung. „Triton“ versteht sich allerdings in erster Line als Grenzschutzmission und nicht als Rettungsmission, außerdem wird das Meer nur noch vor den italienischen Küsten und nicht mehr bis in libysche Gewässer überwacht.

Caritas: 22 Cent pro Europäer notwendig

Italien werde von Europa im Stich gelassen, kritisiert Klaus Schwertner, Geschäftsführer der Caritas Wien, der nach Sizilien gereist ist, um sich ein Bild von der Lage an Ort und Stelle zu machen. Dabei sei es durchaus eine Aufgabe, die zu bewältigen sei. Nötig sei aber „eine echte Menschenrettungsaktion“ nach dem Vorbild der ausgelaufenen Mission „Mare Nostrum“.

Das zu bezahlen wäre leicht möglich, wenn die 28 EU-Mitgliedsstaaten zusammenhelfen würden. „22 Cent pro Europäer wären dafür notwendig“, so Schwertner. Außerdem müssten legale Wege geschaffen werden, damit die Menschen außerhalb Europas Asyl beantragen könnten, ein echtes Resettlement-Programm für besonders Schutzbedürftige sowie eine klare Quotenvereinbarung zur Aufteilung der Flüchtlinge auf die EU-Staaten.

Boot mit der Aufschrift "Pregnant"

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In der vergangenen Woche kam jeden Tag mindestens ein Boot in Sizilien an

Die Solidarität mit den Bootsflüchtlingen in Sizilien sei sehr groß, so Schwertner am Sonntag im Gespräch mit ORF.at: „Viele packen an, helfen, wie sie nur können, engagieren sich und schenken Zeit, um das Leid der Flüchtlinge ein wenig zu lindern.“ Er habe in Catania eine Lehrerin getroffen, die mit Flüchtlingen Italienisch lernt, einen Bäcker, der Brot spendet, einen Medizinstudenten, der bei der Erstversorgung des Roten Kreuzes im Hafen hilft. Die Menschen in Sizilien fühlten sich aber von Europa vergessen, so Schwertner. „Europa muss diesen Verzweifelten in die Augen sehen“, sagte der Bürgermeister von Catania, Enzo Bianco, im Gespräch mit Schwertner.

Schiff von NGOs startete sechsmonatige Mission

Die NGOs Ärzte ohne Grenzen und die in Malta registrierte gemeinnützige Stiftung Migrant offshore aid station (MOAS) haben unterdessen ihren eigenen Rettungseinsatz ins Leben gerufen. Ihr Schiff „MV Phoenix“ brach am Samstag von Malta aus zu einer sechsmonatigen Mission im Mittelmeer auf. Ausgerüstet ist das Schiff mit einer Drohne zur Ortung von in Seenot geratenen Booten. Bei einem ähnlichen zweimonatigen Einsatz war das Schiff im vergangenen Jahr an der Rettung von rund 3.000 Menschen beteiligt gewesen.

Amnesty: Todesgefahr steigt

Seitdem das italienischen Seerettungsprogramm „Mare Nostrum“ vergangenen November eingestellt wurde, sterben wieder deutlich mehr Flüchtlinge. Laut Amnesty International hat sich das Risiko zu ertrinken seither mehr als verdoppelt. Seit Jahresbeginn sind bereits mindestens 1.700 Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben, im gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres waren es 17.

Trotzdem hält das große Risiko die Flüchtlinge nicht davon ab, auf der Flucht vor Krieg und Elend die gefährliche Überfahrt aus Nordafrika auf sich zu nehmen. Für das heurige Jahr erwarten die italienischen Behörden, dass insgesamt 200.000 Flüchtlinge nach Italien kommen werden. Das wären 30.000 mehr als im Vorjahr.

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