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„Fast das ganze Land ist betroffen“

Bei einem schweren Erdbeben in der Himalaya-Region sind am Samstag allein in Nepal über 800 Menschen ums Leben gekommen und Hunderte weitere verletzt worden. Für die betroffenen Gebieten wurde laut Innenministerium der Notstand ausgerufen. Kathmandu habe außerdem die internationale Gemeinschaft um humanitäre Hilfe gebeten, sagte Innenministeriumssprecher Laxmi Dhakal.

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Ein Polizeisprecher sagte, aus allen Regionen Nepals mit Ausnahme des äußersten Westens seien Opfer gemeldet worden. Die Sicherheitskräfte seien mobilisiert worden, um bei den Rettungsarbeiten zu helfen und die Bedürftigen zu unterstützen. Die Kommunikation mit den entlegeneren Regionen des gebirgigen Landes war so schwierig, dass Informationen über die Lage nach dem Erdbeben erst allmählich in Kathmandu eintrafen.

Von der nepalesischen Polizei wurden zuletzt 876 Todesopfer bestätigt. Zuvor sprach das nepalesische Innenministerium von mindestens 758 Toten. Auch im angrenzenden Indien, in der chinesischen Region Tibet und in Bangladesch waren Tote zu beklagen. Das Beben hatte nach Angaben des Deutschen Geoforschungszentrums (GFZ) und der US-Erdbebenwarte (USGS) eine Stärke von 7,8. Berichtet wurde zudem von zahlreichen Nachbeben.

Menschen vor den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes in Kathmandu

APA/AP/Guna Raj Luitel

Zahllose Gebäude hielten in Kathmandu dem Beben nicht stand

Aufgerissene Straßen in Kathmandu

Am schwersten betroffen war die 975.000 Einwohner zählende nepalesische Hauptstadt Kathmandu und die 250.000-Einwohner-Stadt Pokhara. Das Zentrum des Bebens lag laut GFZ lediglich rund 80 Kilometer von Kathmandu entfernt, in etwa 18 Kilometern Tiefe. Überall in der Stadt stürmten die Menschen auf die Straßen. Vor allem alte Gebäude, Gemäuer und historische Tempel stürzten ein. Der Verkehr kam zum Erliegen, weil die Straßen aufrissen.

Karte von Nepal

APA/ORF.at

„Wir fürchten, dass noch viele Menschen unter alten Häusern und Gebäuden begraben sind“, sagte Innenministeriumssprecher Dhakal. Die Rettungsarbeiten in Kathmandu wurden zudem durch den Zusammenbruch der Kommunikationsleitungen behindert. Bewohner bildeten Menschenketten, um für die Hilfsfahrzeuge die Trümmer von den Straßen zu räumen.

Todesopfer sind Behördenangaben auch auf dem Mount Everest zu beklagen. Berichten zufolge lösten sich wegen des Erdbebens mehrere Lawinen. Nach Angaben der „Times of India“ kamen auch auf indischer Seite über 30 Menschen ums Leben. In Tibet starben BBC-Angaben zufolge sechs Personen. Auch in Bangladesch kam eine Frau ums Leben. 25 Textilarbeiterinnen wurden nach offiziellen Angaben außerdem verletzt, als sie aus ihrer Fabrik in Savar vor den Toren der Hauptstadt Dhaka flüchteten.

Verletzte Menschen werden auf der Straße medizinisch versorgt

APA/EPA/Narendra Shrestha

Verletzte werden auf Kathmandus Straßen versorgt

Flughafen teilweise wieder geöffnet

Der kulturell wichtige Durbar-Platz im Zentrum Kathmandus - ein UNESCO-Weltkulturerbe - sei nicht mehr wiederzuerkennen, sagte der Autor Kashish Das Shrestha. Auch der neunstöckige Dharahara-Turm, der schon einmal durch ein Erdbeben beschädigt wurde, sei in sich zusammengestürzt. „Wir haben uns schon so lange vor dem großen Beben gefürchtet“, sagte Liz Satow, Nepal-Büroleiterin der Hilfsorganisation World Vision. Nun sei es eingetreten.

Einsatzkräfte und Soldaten suchen in den Trümmern eines eingestürzten Gebäudes nach Verschütteten

APA/AP/Niranjan Shrestha

Die Einsatzkräfte suchen in den Trümmern nach Überlebenden

Nepals einziger internationaler Flughafen, der wegen der Nachbeben zwischenzeitlich geschlossen war, wurde am Nachmittag teilweise wieder geöffnet. Indiens Luftwaffe schicke ein Flugzeug mit Nahrungsmitteln, Wasser, Rettungsausrüstung, Spürhunden, Ärzten und Krankenpflegern, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi.

Auch erste Hilfsorganisationen sagten bereits Unterstützung zu, darunter auch das Österreichische Rote Kreuz. „In den ersten Stunden geht es vor allem ums Lebenretten. Menschen müssen aus den Trümmern geborgen und verarztet werden“, sagte die Katastrophenhelferin Andrea Reisinger vor ihrer Abreise Richtung Kathmandu: „Danach ist es wichtig, die Betroffenen mit Wasser und Nahrung zu versorgen und Obdachlosen Unterkünfte zu geben.“

Rund 250 Österreicher in Nepal

Zu Beginn der Hauptsaison befinden sich dem britischen „Guardian“ zufolge derzeit auch rund 300.000 ausländische Touristen im Land. Schätzungen des Außenministeriums zufolge befinden sich darunter auch 250 Österreicher. Diese Zahl beruhe auf Erfahrungswerten, sagte Außenministeriumssprecher Martin Weiss zur APA. Im Ministerium seien bereits zahlreiche Anrufe von Angehörigen von Nepal-Reisenden eingegangen. Daraus resultierte laut Weiss eine Liste von bisher zwölf nicht erreichbaren Personen.

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