Ergänzende Maßnahmen gefordert
Der Internationale Währungsfonds (IWF) schlägt Alarm: In einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht werden zahlreiche Risiken für die Stabilität der internationalen Finanzmärkte genannt. Im Kern lautet die Botschaft des Weltwährungsfonds: Eine lockere Geldpolitik allein reicht nicht, um die Schäden der Finanzkrise nachhaltig zu reparieren.
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„Die Hinterlassenschaften der Krise müssen angegangen werden“, forderte IWF-Vertreter Jose Vinals. Insgesamt seien die Risiken für das globale Finanzsystem im vergangenen halben Jahr gestiegen, sagte Vinals. Die geringeren Öl- und Rohstoffpreise wertet der IWF zwar ebenso positiv wie die lockere Geldpolitik vieler Notenbanken.
Belastung durch Niedrigzinsen
Zugleich habe die Niedrigzinspolitik zu einem Anlagenotstand geführt und die Preise auf vielen Vermögensmärkten stark erhöht. Das stelle für langfristig orientierte Investoren wie Lebensversicherer eine besondere Herausforderung dar. Der IWF sieht somit eine Krise in der europäischen Lebensversicherungsbranche heraufziehen.
Die langfristigen Versprechen hoher Garantierenditen seien zu einer schweren Bürde vor allem für mittelgroße Anbieter geworden, heißt in einem Bericht zur globalen Finanzstabilität, den der IWF am Mittwoch in Washington vorlegte. Das Problem könne das Finanzsystem in Mitleidenschaft ziehen. Stresstests hätten gezeigt, dass jeder vierte Versicherer in einer längeren Phase mit Niedrigzinsen nicht in der Lage wäre, seine Kapitalanforderungen zu erfüllen.
Gefahr für Schwellenländer
Zugleich sieht der IWF eine Verschiebung der Risiken „weg von den Banken und hin zu Schattenbanken, weg von der Zahlungsfähigkeit und hin zu Liquiditätsrisiken, weg von den entwickelten zu den aufstrebenden Ländern“, wie Vinals erläuterte. Der Ölpreisverfall seit Sommer 2014 bedrohe vor allem ölexportierende Länder und dortige Unternehmen. Zugleich habe die starke Aufwertung des Dollar den Druck auf Firmen in aufstrebenden Ländern erhöht, weil diese sich stark in der US-Währung verschuldet haben.
„Die Schwankungen der wichtigsten Währungen haben sich mehr erhöht als in jeder anderen Phase seit der globalen Finanzkrise“, warnt der IWF. Auch das ist eine Folge der lockeren Geldpolitik vieler Zentralbanken auf der Welt. Zugleich habe sich die Liquidität sowohl auf den Devisen- als auch auf den Anleihemärkten verringert, was die Gefahr weiterer Schwankungen erhöhe.
Risiken für die Finanzstabilität sieht der Fonds auch in der hohen privaten Verschuldung, nicht zuletzt im Euro-Raum. Gefahren berge zudem die absehbare Zinswende in den USA, vor allem für die Schwellenländer: Sollte der Dollar im Fahrwasser stark steigender US-Zinsen weiter aufwerten, könnten Investoren rasch ihr Geld aus aufstrebenden Ländern abziehen und hohen Druck auf deren Landeswährungen und Vermögensmärkte ausüben, warnt der IWF.
Strukturreformen und verstärkte Aufsicht
Um das Finanzsystem krisenfester zu gestalten, müsse die lockere Geldpolitik durch andere Maßnahmen ergänzt werden, fordert der Fonds. Im Euro-Raum müssten die Bilanzen der Banken von faulen Krediten bereinigt werden. Japan müsse seine lockere Geld- und Fiskalpolitik durch wirtschaftliche Strukturreformen ergänzen. In den USA müsse die Zentralbank darauf achten, die Zinswende vorsichtig anzugehen und klar zu kommunizieren, um Schwankungen auf den Finanzmärkten in Grenzen zu halten. Die Schwellenländer werden unter anderem dazu aufgefordert, ihre Finanzaufsicht auszubauen.
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