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Einstieg in Flüssiggasmarkt

Der britisch-niederländische Öl- und Gaskonzern Shell übernimmt den britischen Gasförderer BG Group. Das bestätigten beide Unternehmen am Mittwoch. Shell zahlt 47 Milliarden Pfund (64 Mrd. Euro) für den kleineren Konkurrenten und erhält damit Zutritt zu den weltweit ambitioniertesten Flüssiggasprojekten.

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Wie beide Unternehmen mitteilten, zahlt Shell in bar und in Aktien eine Prämie von rund 52 Prozent auf den durchschnittlichen BG-Aktienkurs der vergangenen drei Monate. Aktionäre von BG, das einst aus British Gas hervorging, sollen an dem neuen Unternehmen rund 19 Prozent halten.

Die Megafusion wird zudem eine Reihe von Beteiligungsverkäufen nach sich ziehen: Shell kündigte an, sich zwischen 2016 und 2018 von Werten im Volumen von 30 Mrd. Dollar (27,7 Mrd. Euro) zu trennen. Im Jänner hatte der Ölmulti die Summe der geplanten Verkäufe pro Jahr noch mit fünf bis sechs Mrd. Dollar angegeben. Mit der Übernahme gehen der größte und der drittgrößte Gasproduzent Großbritanniens zusammen.

Ambitionierte Projekte

„Wir haben zwei sehr starke Portfolios, die Tiefseeförderung und Flüssiggas umfassen“, sagte Shells CEO Ben van Beurden am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Durch den Deal bekommt Shell Zugang zu BGs Multimillionenprojekten in Brasilien, Ostafrika, Australien, Kasachstan und Ägypten, darunter auch großangelegte Flüssiggasprojekte. Der Zukauf soll die Öl- und Gasreserven von Shell um 25 Prozent steigern.

Neuer Energieriese

BG Group hat einen Marktwerkt von 42 Mrd. Euro, Shell wurde zuletzt auf 185 Mrd. Euro geschätzt - der größte Konkurrent, Weltmarktführer ExxonMobil, liegt bei 330 Mrd. Euro.

Fallende Ölpreise belasten Branche

Der Megadeal ist eine der größten Übernahmen in diesem Jahr und gleichzeitig der größte Zusammenschluss innerhalb der Ölbranche seit über zehn Jahren. Grund dafür sind die zuletzt rasant gefallenen Ölpreise, die die Unternehmen seit dem vergangenen Sommer zunehmend unter Druck bringen. Die Aktien von BG fielen seit Mitte Juni 2014 um fast 28 Prozent. Shells Aktien gaben im Vergleichszeitraum nur um knapp 3,3 Prozent nach. Nach der Übernahmeankündigung schossen die BG-Aktien um 42 Prozent nach oben.

Die fallenden Ölpreise, ausgelöst durch den Schieferölboom in den USA und die Weigerung der OPEC, ihre Förderung zu drosseln, haben eine Situation ähnlich wie Anfang der 2000er Jahre geschaffen. Auch damals wirbelten sinkende Ölpreise die Branche kräftig durcheinander. Damals erwarb BP die Konkurrenten AMOCO und ARCO, Exxon übernahm Mobil, und Chevron schloss sich mit Texaco zusammen.

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