Hausbesitzer von Mauer erschlagen
Einer der stärksten Stürme der vergangenen Jahre ist am Dienstag über weite Teile Deutschlands gezogen. Stunden, nachdem der Deutsche Wetterdienst (DWD) das Sturmtief mit Spitzenböen von rund 150 Kilometern pro Stunde zum Orkan hochgestuft hatte, forderte der Orkan das erste Leben.
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Ein Hausbesitzer aus Groß Santersleben nahe der Stadt Magdeburg (Sachsen-Anhalt) kam infolge des Sturms ums Leben. Er wurde vor seiner Haustür unter einer umstürzenden Betonmauer begraben, wie ein Polizeisprecher erklärte.
Bäume auf Intercity gestürzt
Einen gefährlichen Vorfall gab es im Bundesland Niedersachsen: Drei umstürzende Bäume stoppten einen mit rund 350 Passagieren besetzten Intercity bei Osnabrück. Die Bäume stürzten auf den letzten Waggon des Zuges, wie die Bundespolizei mitteilte. Es sei niemand verletzt worden. Der Zug, der auf der Fahrt von Köln nach Bremen gewesen sei, sei nicht entgleist.
Besonders betroffen waren bereits um die Mittagszeit Teile von Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen (NRW), Hessen, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt. Der Sturm entwurzelte Bäume, wirbelte Gegenstände durch die Luft und verursachte teils schwere Schäden an Gebäuden.
Korridorstrecke deutsches Eck unterbrochen
Am späten Vormittag hatte die Deutsche Bahn (DB) den Nahverkehr im Bundesland Nordrhein-Westfalen komplett eingestellt. Lange Schlangen bildeten sich vor den Schaltern und den Abfahrtstafeln. Später wurde der Fernverkehr auch in Bayern komplett eingestellt. Zudem komme es im Regionalverkehr zu massiven Einschränkungen, teilte die DB am Dienstagnachmittag mit.
Die Korridorstrecke über das deutsche Eck war infolge des Sturms unterbrochen. ÖBB-Züge Richtung Westen fuhren statt Salzburg - Rosenheim - Kufstein über Zell am See und Wörgl. Reisende hätten mit rund 80 Minuten Verspätung zu rechnen, sagte ein Sprecher der ÖBB.
„Reisewarnung für Fahrten nach Deutschland“
Zudem gab die DB eine „Reisewarnung für alle Fahrten nach Deutschland“ aus. Diese Verbindungen seien „im Moment unterbrochen“. An einem Schienenersatzverkehr, beispielsweise für die Strecke Salzburg oder Kufstein nach München, werde gearbeitet. Passagiere sollten jedenfalls vor Fahrtantritt überprüfen, ob der jeweilige Zug auch fährt.
Mehrere Verbindungen seien wegen umgestürzter Bäume vorübergehend gesperrt. Im gesamten Regionalverkehr gelten Geschwindigkeitsbegrenzungen, wie es weiter hieß. Die Münchner S-Bahn verkehrt derzeit nur noch auf zwei Linien. Auch in Hannover steht der S-Bahn-Verkehr still.

APA/dpa/Julian Stratenschulte
Zahlreiche Dächer wurden beschädigt wie hier in Niedersachsen
Probleme auf Frankfurter Flughafen
Wegen Sturmschäden wurde zudem die ICE-Strecke zwischen München und Augsburg gesperrt. Es stand nach Angaben eines DB-Sprechers zunächst nicht fest, wann der Verkehr wieder freigegeben werden würde. Auch im Fernverkehr gebe es wegen Unwetterschäden Störungen, sagte eine andere Sprecherin.
Auf dem Frankfurter Flughafen kam es wegen des Sturms zu vereinzelten Verspätungen, wie der Betreiber Fraport mitteilte. Eine von drei Startbahnen konnte in der Früh wegen des starken Windes nicht genutzt werden. Für Hochlagen des Harzes und die Alpen galten Warnungen vor extremem Unwetter. In höheren Lagen gab es extreme Orkanböen - in der Früh wurden auf der Zugspitze 164 km/h gemessen.
Niederlande: Flug- und Schiffsverkehr behindert
Gleichzeitig sorgten starke Windböen von bis zu 120 km/h auch in den Niederlanden für Probleme. Insbesondere der Flug- und Schiffsverkehr war betroffen. Auf dem Amsterdamer Flughafen Schiphol fielen Dutzende Flüge aus, vor allem innerhalb Europas, wie ein Sprecher sagte. Auch Wien war von den Flugstreichungen so indirekt betroffen.

APA/dpa/Peter Kneffel
Wellengang wie am Meeresufer - hier am Starnberger See in Bayern
In Europas größtem Hafen in Rotterdam mussten zwei Containerterminals geschlossen werden. Die Schiffe müssten auf See warten, bis sich die Wetterlage wieder beruhigt, sagte ein Sprecher. Nahe dem Hafen in Vlissingen an der belgischen Grenze fuhr ein 300 Meter langes Containerschiff während der Ebbe auf Grund, wie die Wasserschutzbehörde mitteilte. Derzeit werde daran gearbeitet, das Schiff wieder flottzubekommen. Die Mannschaft sei nicht in Gefahr.
Probleme bei Stromversorgung in Tirol
In Tirol kam es am Nachmittag zu ersten Problemen. Vor allem im Bezirk Landeck und im Sellrain (Bezirk Innsbruck-Land) kam es zu Stromunterbrechungen durch umgestürzte Bäume. Gegen 13.00 Uhr meldete die Tinetz AG Versorgungsunterbrechungen bei über 70 Trafostationen in 16 Gemeinden.
Am Dienstagnachmittag erreichten die starken Windböen auch Niederösterreich. „Die Einsätze der Feuerwehren werden minütlich mehr“, teilte das Landeskommando Niederösterreich am Dienstagnachmittag mit. Wegen abgedeckter Häuser, auf Straßen, in Telefon- und Stromleitungen gestürzter Bäume und wegen Kaminen, die einzustürzen drohten, rückten Helfer vorerst in den Bezirken Amstetten, Melk und St. Pölten aus. Der Sturm zog Richtung Osten weiter.
Skilifte mussten schließen
Bereits am Vormittag mussten in Tirol und in Salzburg in den Skigebieten Hunderte Skilifte geschlossen werden - mehr dazu in salzburg.ORF.at und tirol.ORF.at. Der Wind aus Südwest bis West erreicht immer öfter Sturmstärke mit Böen zwischen 90 und 120m km/h, besonders vom Bodensee-Raum über Bayern und den Salzburger Flachgau bis nach Ober- und Niederösterreich, Wien und das nördliche Burgenland sowie auch in manchen West-Ost-gerichteten Tälern.
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