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IS bekennt sich zu Angriff

Auch am Tag nach dem blutigen Terrorangriff in Tunis, bei dem jüngsten Zahlen zufolge 25 Menschen - darunter 20 Touristen - getötet wurden, steht das Land weiter unter Schock. Die Fahndung nach weiteren Beteiligten und den Hintermännern läuft auf Hochtouren. Offenbar identifiziert sind jene zwei Angreifer, die von einem Sondereinsatzkommando im Bardo-Nationalmuseum getötet wurden.

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Bei den zwei Männern handelt es sich nach offiziellen Angaben um die Tunesier Yassine Laabidi und Hatem Khachnaoui. Laabidi war amtsbekannt und stand im Visier des Geheimdienstes, so Premier Habib Essid laut BBC. Genauere Details ließ er offen. Unterdessen gibt es offenbar eine Bekennerbotschaft der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), In einer am Donnerstag auf islamistischen Websites verbreiteten Audiobotschaft drohten die Extremisten zudem mit weiteren Anschlägen in Tunesien.

Zahl der Toten weiter gestiegen

Laabidi und mindestens ein weiterer Angreifer schossen am Mittwoch zunächst auf dem Platz zwischen dem Parlament und dem Nationalmuseum offenbar wahllos auf Touristen. Im Anschluss verschanzten sich die Angreifer im Bardo-Museum und nahmen dort etliche Geiseln. Der Angriff wurde schließlich von einem Sondereinsatzkommando gewaltsam beendet.

Wie das Gesundheitsministerium am Donnerstag bekanntgab, sind insgesamt 25 Todesopfer, darunter 20 ausländische Touristen, zu beklagen. Zuvor war von 17 Ausländern die Rede, die bei dem schwersten Anschlag in Tunesien seit mehr als einem Jahrzehnt ums Leben gekommen waren. Die Zahl der Verletzten gab das Gesundheitsministerium mit 47 an.

Die Herkunft der ausländischen Opfer ist weiterhin nicht eindeutig geklärt. Am Donnerstag erklärte das Außenministerium in London, auch eine Britin sei unter den Todesopfern. Nach Angaben der Regierungen in Rom, Tokio und Warschau starben zudem vier Italiener, drei Japaner und zwei Polen. Tunesischen Angaben zufolge kamen außerdem Urlauber aus Frankreich, Spanien, Kolumbien, Australien sowie drei Tunesier ums Leben. Nachdem lange auch über Opfer aus Deutschland spekuliert wurde, konnte das Außenministerium in Berlin unterdessen Entwarnung geben: „Wir gehen davon aus, dass unter den Toten und den Verletzten keine deutschen Staatsangehörigen sind“.

13 Kreuzfahrtpassagiere unter Toten

Bei zumindest 13 der toten Touristen handelt es sich um Passagiere der italienischen Kreuzfahrtschiffe „MSC Splendida“ und „Costa Fascinosa“. Mehrere Kreuzfahrtpassagiere werden zudem noch vermisst. Die Passagiere, die sich an der Kreuzfahrt im Mittelmeer beteiligten, hatten das Nationalmuseum besucht, als der Angriff begann. Die Identifizierung der Todesopfer ist laut der Kreuzfahrgesellschaft MSC Crociere noch im Gange.

Zwei spanische Touristen, die im Bardo-Museum von einem Museumsmitarbeiter vor den Angreifern versteckt wurden, wurden erst Donnerstagfrüh gefunden. Die beiden Spanier und der Mitarbeiter seien für eine Routineuntersuchung ins Krankenhaus gebracht worden, hieß es weiter.

Neun Verdächtige in Haft

Auf der Suche nach möglichen Beteiligten und Hintermännern wurden laut offiziellen Angaben neun Verdächtige festgenommen. Vier von ihnen stehen laut der Regierung „in direkter Verbindung“ mit dem Attentat vom Vortag, fünf weitere würden verdächtigt, mit der verantwortlichen „Zelle“ in Verbindung zu sein.

„Gnadenloser“ Kampf gegen den Terror

Präsident Beji Caid Essebsi kündigte zuvor einen „gnadenlosen“ Kampf gegen den Terror an: Das Land werde „bis zum letzten Atemzug“ gegen seine Gegner kämpfen. „Ich möchte, dass das tunesische Volk versteht, dass wir uns in einem Krieg gegen den Terrorismus befinden“, so Essebsi weiter, der gleichzeitig betonte, dass man sich von den als „grausame Minderheit“ bezeichneten Extremisten keine Angst einjagen lassen wolle. Auf Anweisung von Essebsi wurden am Donnerstag Soldaten in die größeren Städte des Landes verlegt, um dort die Sicherheit zu gewährleisten. Die Entscheidung sei nach Beratungen mit der Armeeführung gefallen, erklärte das Präsidialamt.

Der Terrorangriff wurde von den USA, der EU, Frankreich und zahlreichen weiteren Ländern auf das Schärfste verurteilt. Gleichzeitig wurde Tunesien Unterstützung im Kampf gegen den Terror zugesichert. Der französische Premierminister Manuel Valls erklärte via Twitter, die Welt müsse gemeinsam mit den Tunesiern „Nein sagen zum Schrecken des islamistischen Terrors“. „Wir werden alles tun, was in unserer Kraft steht, um Tunesien zu helfen“, sagte Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel. US-Außenminister John Kerry versprach Tunesien, „in dieser schwierigen Zeit“ an der Seite der tunesischen Bevölkerung zu stehen und die Bemühungen der tunesischen Regierung für einen demokratischen Wandel weiter zu unterstützen.

Tausende Tunesier in Reihen des IS

In Tunesien hatte Ende 2010 der „arabische Frühling“ seinen Anfang genommen. Im Gegensatz zu vielen anderen arabischen Staaten machte Tunesien eine demokratische politische Entwicklung durch, die international vielfach gewürdigt wurde. Allerdings erlebte auch die bewaffnete Dschihadistenbewegung seit der Revolution einen Aufschwung. Nur wenige Stunden vor dem Angriff hatte das tunesische Innenministerium bekanntgegeben, dass in einem nördlichen Vorort der Hauptstadt eine Islamistenzelle ausgehoben worden sei.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini machte bereits am Mittwoch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) für die Tat verantwortlich. Der IS hat weite Teile Syriens und des Irak unter seine Kontrolle gebracht und dort ein „Kalifat“ ausgerufen. Nach Erkenntnissen der tunesischen Behörden haben sich bis zu 3.000 Bürger des nordafrikanischen Staates der Gruppe angeschlossen. Die Tunesier stellen damit eine der größten Gruppen unter den ausländischen Kämpfern in den Reihen des IS.

Zuletzt schloss sich auch ein bekannter tunesischer Musiker der Terrormiliz an. Der Rapper Maurouane Douiri, bekannt unter dem Pseudonym Emino, schwor nach Angaben von SITE, einer auf die Beobachtung von Dschihadismus spezialisierten US-Firma, mit im Internet veröffentlichten Bildern dem IS die Treue.

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