Neuer Schub durch „Industrie 4.0“ erwartet
Auf der Jagd nach immer mehr Rendite regiert bei den Autobauern traditionell der Rotstift. Die Hersteller durchleuchten immer wieder ihre Arbeitsabläufe, um schneller, besser und billiger zu werden. In der Vergangenheit gelangen so oft große Sprünge - sei es durch mehr Robotereinsatz oder durch erzwungene Preissenkungen bei den Zulieferern.
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„Das geht heute nicht mehr so einfach. Jetzt müssen die Autobauer stärker in den eigenen Reihen schauen“, sagte Produktionsexperte Werner Bick von der Beratungsfirma ROI Management Consulting. Doch die Fortschritte werden kleiner und kleiner, gerade bei den im Branchenvergleich effizient und schlank aufgestellten deutschen Herstellern.
Potenzial bietet nach Ansicht von Experten die sich immer mehr abzeichnende Liaison von IT und Fertigung - Fachleute sprechen von einer „Industrie 4.0“. Die Verschmelzung von Robotern und Computertechnik soll - salopp gesagt - sicherstellen, dass mit dem, was vorne an Zeit und Aufwand hineingesteckt wird, hinten mehr Fahrzeuge herauskommen. Für die Konzerne ist das ständige Drehen an der Produktivitätsschraube im Kampf um Kostenvorteile und Weltmarktanteile schon heute eine Daueraufgabe, die durch mehr IT am Band immer mehr ergänzt wird. Audi-Chef dazu: „Das macht man am besten jeden Tag.“
„Jedes Werk hat noch Potenziale“
Die Produktion im eigenen Werk steht inzwischen im Zentrum des stetigen Bemühens. Viele Zulieferer sind nicht mehr bereit oder in der Lage, sich immer wieder zehn bis 20 Prozent im Preis drücken zu lassen. „Jedes Werk hat noch Potenziale“, sagte Bick, der früher selbst in der Produktion großer Hersteller war und nach immer neuen Optimierungsmöglichkeiten suchte.
Der Druck ist hoch: Laut Vorstandschef Norbert Reithofer gibt BMW seinen Werken derzeit vor, die Produktivität pro Jahr um fünf Prozent zu steigern. Doch die Möglichkeiten sind an vielen Stellen ausgereizt. Im Karosseriebau liegt der Automatisierungsgrad bereits bei 85 Prozent, in der Lackiererei ähnlich hoch. Auch in der Montage seien keine großen Sprünge mehr möglich.
Allerdings könnten immer mehr Arbeiten von Robotern übernommen werden, sagte Till Reuter, Chef des Autozulieferers Kuka. Der Augsburger Konzern hat beispielsweise einen Roboter entwickelt, der Stopfen in Karosserielöcher setzt, die für das Abfließen von überschüssigem Lack offen geblieben sind. Für einen Menschen würde es einiges an Zeit und Anstrengung kosten, um die 200 Löcher zu erreichen.
„Neues Zeitalter“
Noch viel Potenzial für weitere Produktivitätssteigerungen steckt laut BMW-Chef Reithofer in den Bereichen, die der Fertigung vorgelagert sind, und im Produktionsanlauf neuer Modelle. Am Computer lässt sich außer dem Design und der Entwicklung eines Autos auch der Hochlauf der Fertigung simulieren. Tauchen Fehler auf, können sie weitaus günstiger behoben werden, als wenn ganze Bänder gestoppt und teure Fachkräfte in den Werkshallen benötigt werden würden.
Auch Mercedes setzt große Hoffnungen auf die IT: „Wir werden damit in ein neues Zeitalter gehen“, sagte Produktionschef Markus Schäfer. Nach Ansicht von Peter Fuß von der Unternehmensberatung EY lohnen sich die enormen Investitionen für die Hersteller, weil sie so flexibler und schneller auf Nachfrageschwankungen reagieren können.
„Die Unternehmen müssen in der Lage sein, auf einem Band schneller Werkzeuge zu wechseln. Sie müssen schneller von einem Produkt zum anderen wechseln können“, so Schäfer. Die Vernetzung sorgt dabei für reibungslose Abläufe und den stetigen Nachschub von Material, das auf dem Band benötigt wird. Das spart Geld und steigert die Produktivität.
Irene Preisinger, Ilona Wissenbach, Jan Schwartz/Reuters
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