Weitere Missbrauchsvorwürfe gegen BBC-Ikone Savile

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Die Missbrauchsvorwürfe gegen die verstorbene BBC-Ikone Jimmy Savile sind in einem Untersuchungsbericht erneut ausgeweitet worden. Ein heute veröffentlichter Bericht im Auftrag der britischen Gesundheitsbehörde NHS legt dem früheren Fernsehmoderator zur Last, 63 Patienten, Mitarbeiter und Besucher eines von ihm finanziell unterstützten Krankenhauses sexuell missbraucht zu haben.

Saviles jüngstes Opfer im Stoke Mandeville Hospital nordwestlich von London sei acht, das älteste 40 Jahre alt gewesen, so die Leiterin der Untersuchung, Androulla Johnstone. Die Übergriffe reichten von „unangemessenen Berührungen bis zu Vergewaltigung“.

Beschwerden jahrelang ignoriert

Obwohl es neun Beschwerden gegen Saviles Verhalten gegeben habe, sei es jahrelang ignoriert worden, hieß es in dem Bericht. Die Krankenhausleitung habe allerdings nichts von den Vorwürfen gewusst. Laut Gesundheitsminister Jeremy Hunt waren die meisten Opfer in Stoke Mandeville weiblich. Etwa 20 von ihnen seien wegen Rückenmarksverletzungen besonders wehrlos gewesen.

Savile hatte sich mit großzügigen Spenden und freiwilligen Diensten Zugang zum Krankenhaus verschafft. Zeugen berichteten, wie er völlig unkontrolliert ein und aus gegangen sei. Die BBC zeigte Bilder, wie der schrille Moderator bei Patienten Blutdruck misst oder sich von im Bett liegenden Menschen die weißblonde Mähne kämmen lässt.

Möglicherweise weitere Krankenhäuser betroffen

In einem zweiten Bericht heißt es, Savile habe möglicherweise jahrzehntelang in insgesamt 41 staatlichen Krankenhäusern Menschen missbraucht. Chefermittlerin Johnstone wies Mutmaßungen zurück, Saviles Vergehen in Stoke Mandeville seien von höchster Ebene vertuscht worden.

Ihr Bericht kritisiere allerdings die mangelnde Überwachung von Saviles Verletzungen der Krankenhausregeln. „Die Einzelpersonen, denen diese Zwischenfälle gemeldet wurden, verstießen gegen ihre Fürsorgepflicht“, sagte Johnstone. „In der Folge wurden über die Jahre keine Informationen über Saviles Verhalten gesammelt und nichts wurde unternommen.“