Ein Toter bei Unfall
Mit einem Militäreinsatz in Syrien hat die Türkei in der Nacht auf Sonntag 38 türkische Soldaten und ein heiliges Grabmal aus dem Nachbarland in Sicherheit gebracht. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte am Sonntag, die nächtliche Aktion sei erfolgreich abgeschlossen worden.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Laut türkischen Angaben drang in der Nacht eine Kolonne mit rund 100 Militärfahrzeugen auf syrisches Gebiet vor, unter anderem mit 39 Panzern und Drohnen. Insgesamt seien 572 Soldaten, darunter Spezialeinsatzkräfte, aufseiten der türkischen Armee im Einsatz gewesen. Auch die türkische Luftwaffe sei alarmiert gewesen, aber nicht zum Einsatz gekommen, so Davutoglu. Zusammenstöße mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gab es seinen Worten zufolge nicht. Jedoch sei ein Soldat bei einen Unfall ums Leben gekommen.
Türkei führte Einsatz allein durch
Die türkische Regierung habe für die Aktion weder eine Erlaubnis eingeholt noch um Unterstützung gebeten, so Davutoglu weiter. Die internationale Koalition gegen den IS sei allerdings nach dem Beginn der Aktion darüber informiert worden. Der Einsatz soll laut Angaben türkischer Sicherheitskräfte über die syrische Stadt Kobane mit Unterstützung der lokalen kurdischen Kräfte an Ort und Stelle gelaufen sein.
Die syrische Regierung verurteilte den Einsatz. Die Türkei habe zwar das syrische Konsulat in der Türkei über den Einsatz informiert, aber die Zustimmung Syriens nicht abgewartet. Syrien mache die Türkei für die Folgen der „offensichtlichen Aggression“ verantwortlich. In dem von den USA geführten Militäreinsatz gegen den IS spielt die Türkei bisher keine aktive Rolle.
Grabmal an anderen Ort verlegt
Die Soldaten hatten in Syrien das Grabmal von Süleman Shah bewacht, der als Großvater des Gründers des Osmanischen Reiches, Osman I, gilt. Süleman Shah soll auf seinen Reisen durch das heutige Syrien im Fluss Euphrat ertrunken sein. Das Mausoleum liegt in einer von der IS-Miliz belagerten türkischen Exklave in Syrien, rund 30 Kilometer südlich der türkischen Grenze am Fluss Euphrat. Die Türkei betrachtet das Gelände um das Mausoleum als ihr Hoheitsgebiet. Sie beruft sich auf einen Vertrag mit Frankreich aus dem Jahr 1921. Damals wurde Syrien von Frankreich beherrscht.

APA/EPA/Okan Ozer/anadolu Agency
Die Soldaten hissten die türkische Flagge nahe dem Dorf Esmesi
Die Türkei verlegte laut eigenen Angaben im Zuge der Aktion das Grabmal von Süleyman Shah an einen anderen Ort in Syrien, ebenfalls nahe der türkischen Grenze. Bilder im türkischen Fernsehen zeigen, wie Soldaten am neuen Standort nahe dem Dorf Esmesi die türkische Flagge hissen, nachdem sie laut Davutoglu am bisherigen Standort gestrichen wurde. Das bisherige Mausoleum wurde laut türkischen Angaben nach dem Entfernen der „Reliquien“ von Süleyman Shah, die laut Davutoglu vorübergehend in die Türkei gebracht wurden, zerstört. Der IS und andere Extremistengruppen lehnen die Verehrung von Gräbern als Götzendienst ab. Sie haben daher bereits eine Reihe von Gräbern und Moscheen in Syrien zerstört.
Sicherheitslage verschlechtert
In den letzten Monaten hatte es immer wieder Gerüchte gegeben, dass die das Mausoleum bewachenden Soldaten von der IS-Miliz bereits gefangen genommen wurden. Diese Gerüchte wurden von der Türkei aber immer wieder bestritten. Davutoglu sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur DHA am Sonntag, in der letzten Zeit hätten die Kämpfe um das Grab zugenommen. Laut seinen Angaben war die Aktion zweigeteilt, während eine Gruppe Soldaten den Sarg Süleyman Shahs und seine Bewacher holten, sicherte die andere Gruppe den neuen Standort.

APA/AP
Das bisherige Mausoleum für Süleman Shah in Syrien
Ankara hatte laufend gewarnt, dass es einen Angriff auf das Mausoleum als Angriff auf sein Hoheitsgebiet werten und entsprechend reagieren werde. Während des ganzen syrischen Bürgerkrieges, der 2011 begonnen hatte, hielt die Türkei an der militärischen Präsenz dort fest. Schon vor einem Jahr hatte der IS die Türkei dazu aufgerufen, das Mausoleum aufzugeben. Das Parlament in Ankara hatte die türkische Regierung ermächtigt, militärisch gegen Terroristen in Syrien und im Irak vorzugehen.
Kurden vertreiben Dschihadisten aus weiteren Dörfern
Kämpfer der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) eroberten indes in Syrien weitere Dörfer vom IS zurück. Der IS sei aus rund 20 Dörfern in der nordöstlichen Provinz Hassake vertrieben worden, teilten die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und die Kurdenpartei PYD am Sonntag mit. Die YPG-Einheiten wurden dabei laut der Beobachtungsstelle von der internationalen Anti-IS-Koalition aus der Luft unterstützt. Mindestens zwölf IS-Kämpfer seien bei den Gefechten getötet worden. Über Verluste auf kurdischer Seite wurde zunächst nichts bekannt.
Links: