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Nur wenige Chinesen fahren Ski

Skifahren ist in China eine bisher unterrepräsentierte Sportart. Doch das soll sich schon bald ändern. Die chinesische Führung setzt alles daran, Skifahren im Reich der Mitte populär zu machen - auch in Hinsicht auf die Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022.

Rund drei Autostunden von der Hauptstadt Peking entfernt wächst derzeit etwa um die Stadt Chongli bei Zhangjiakou ein Skigebiet, in dem 2022 auch Bewerbe im Rahmen der Winterspiele stattfinden sollen. In einer wahren Investitionsoffensive sollen dort neue Liftanlagen, Hotels, Wohnungen, Restaurants und Bars gebaut werden, berichtet ORF-Korrespondent Raimund Löw. Über 400 Millionen Euro sollen zu Beginn investiert werden, am Ende könnte die Summe aber auch das Zehn- bis 20-fache umfassen, so ein Vertreter einer Investorengruppe.

Ausgleich für schrumpfende Industrie?

Die Investoren setzen darauf, dass der Wintersport in China bald genauso boomen wird wie die chinesische Wirtschaft bisher. Chinas Schwerindustrie schrumpfe - und auch die übrige Wirtschaft entwickle sich schwächer als früher. Daher würden nun Möglichkeiten für neues Wachstum gesucht, so ein Professor von der Pekinger Sportuniversität. Der Wintersport gehöre zu den Wachstumsbranchen, weil er bisher nicht sehr entwickelt sei.

Skifahrer im Skigebiet Chongli in China

APA/AP/Ng Han Guan

Teilweise gibt es nur wenig Schnee in den Skigebieten

Derzeit fährt nur ein geringer Teil der Chinesen Ski, bis zu 20 Millionen Chinesen, vor allem aus der wachsenden mittleren Oberschicht, sollen es sein. Mit ein Grund für die geringe Begeisterung sind neben der fehlenden Tradition laut Angaben von Skifahrern auch die relativ hohen Kosten. An Feiertagen kostet eine Tageskarte 360 Yuan, umgerechnet 50 Euro. Überfüllt sind die Hänge daher nicht, die Hotels in Chongli sind jedoch ausgebucht. Um mehr Chinesen für den Skisport zu begeistern, will China unter anderem mit Hilfe des ehemaligen Skirennläufers „Pepi“ Strobl kräftig in die Rennläuferausbildung investieren.

Offensive für Olympische Winterspiele 2022

Die chinesische Regierung versucht ihrerseits, mit Milliardeninvestionen den erwarteten Boom zusätzlich anzukurbeln. So soll etwa Zhangjiakou mit neuen Autobahnen und einem Hochgeschwindigkeitszug direkt an Peking angebunden werden, um auch genügend Wintersportler in das Gebiet bringen zu können. Die massive Investitionsoffensive ist allerdings auch Teil der Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2002.

Sessellift im Skigebiet Chongli in China

APA/AP/Ng Han Guan

Bisher werden die Skiangebote in China, wie hier in Chongli, nur wenig genutzt

Anfang Jänner hatte sich Peking gemeinsam mit dem rund 190 Kilometer nordwestlich von Peking gelegenen Zhangjiakou um die Ausrichtung der Spiele beworben. Peking galt zuletzt als Favorit im Rennen mit dem kasachischen Bewerber Almaty, nachdem München, Graubünden, Oslo, Stockholm, Krakau und Lwiw Abstand von einer Bewerbung genommen hatten. Ende Juli will das Internationale Olympische Komitee (IOC) über den Austragungsort entscheiden.

Piste mit System für künstlichen Schnee geplant

Für die Spiele sollen in Peking sowie im Vorortkreis Yangqing und in Zhangjiakou drei Sportstättenkomplexe gebaut werden. China will etwa auf dem Berg Xiaohaitou bei Yanqing eine neue Piste mit einem ausgefeilten System für künstlichen Schnee bauen, die laut Pekings Vizebürgermeister Zhang Jiandong als Touristenattraktion mit dem Berg Fuji in Japan konkurrieren soll.

Auch eine Bobbahn soll in Yanqing gebaut werden - derzeit gibt es de facto keine Bobinfrastruktur in China, auch ein Nationalteam gibt es nicht. In Zhangjiakou sollen die Bewerbe in Skispringen und Biathlon abgehalten werden. Bewerbe auf dem Eis sollen direkt in Peking stattfinden, dafür sollen die Spielstätten von den Sommerspielen 2008 genutzt werden.

Impuls auch für Österreich?

Von der erwarteten Begeisterung für den Wintersport in China hoffen auch heimische Wintersportgebiete profitieren zu können. Einerseits wollen Firmen wie der österreichische Skilifthersteller Doppelmayr ihr Know-how an Ort und Stelle verkaufen, andererseits sollen die Chinesen auf der Suche nach neuen Skigebieten auf lange Sicht auch nach Österreich kommen und hier für Umsatz sorgen, sagt Walter Dabernig vom Tourismusverband Kitzbühl. Chinas Präsident Xi Jinping erwartet durch die Winterspiele 300 Mio. neue Wintersportenthusiasten.

Kritik wegen fehlenden Schnees

Es gibt allerdings auch Kritik an der neuen Begeisterung für den Skisport, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet - etwa aus Sorge, dass es für die Winterspiele zu wenig natürlichen Schnee geben könnten und die Organisatoren auf Kunstschnee ausweichen müssen. Die Berge rund um Zhangjiakou sind vergleichsweise niedrig, laut offiziellen Angaben liegt zur Jahreszeit, in der die Spiele stattfinden, maximal 50 Zentimeter Schnee, im Durchschnitt sind es 21 Zentimeter.

Die Schneefallmenge entspreche den IOC-Kriterien, so eine Sprecherin des Bewerbungskomitees Mitte Jänner, im Fall des Falles gebe es aber in der Umgebung genügend Wasser. Kritiker fürchten aber auch, dass bisher unberührte Gebiete wie schon bei den Spielen 2008 von Chinas Regierung für den jeweiligen Bedarf „adaptiert“ beziehungsweise komplett umgesiedelt werden.

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