Terrorismusexperte fordert mehr Mittel für Deradikalisierung

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Die westlichen Gesellschaften sollten nach Ansicht des Politologen und Terrorismusexperten Thomas Schmidinger von der Universität Wien mehr Geld in Deradikalisierungsprogramme investieren, um dem Extremismus vorzubeugen. „Es ist viel wichtiger, Geld in die Deradikalisierung zu investieren, als nur die Polizei zu bewaffnen“, sagte Schmidinger gestern vor dem EU-Parlament in Brüssel.

Gründe „liegen nicht in der Religion“

Notwendig seien solche Programme etwa in Gefängnissen. Die Gründe für die Radikalisierung liegen nach Erkenntnissen des Experten nicht in der Religion. „Die Leute sind nicht auf der Suche nach Religion.“ Vielmehr gehe es um eine Entfremdung von der Gesellschaft und persönliche Krisen. In Österreich kämen Dschihadisten hauptsächlich aus Bevölkerungsgruppen, die selbst in ihrer Kindheit eine Kriegstraumatisierung erlebt hätten, wie etwa Tschetschenen und Bosnier.

„Elemente einer Jugendsubkultur“

Der Dschihadismus sei eine Ideologie, die sich selbst von traditionellen Muslimen distanziere, indem ihre Anhänger selbst definierten, wer „ein richtiger Muslim“ sei, und auch den Dschihad als individuelle religiöse Pflicht definierten. Dabei habe der Dschihadismus in Europa auch Elemente einer Jugendsubkultur, etwa Pop- und Rapsongs sowie Comicstrips, in denen die Ideologie transportiert werde, sagte Schmidinger.