Berlin den Bauern
Kritik an Massentierhaltung, Streit über Freihandel, neue Chancen für pflanzliche Rohstoffe: Zur Grünen Woche in Berlin hat die Diskussion über die Ernährung der Weltbevölkerung und mehr Naturschutz in der Landwirtschaft neue Impulse bekommen. Sonntagmittag wurde der 100.000. Besucher der seit Freitag laufenden Schau begrüßt. Am kommenden Sonntag geht sie zu Ende.
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Am Rande der Agrarmesse bekannten sich Fachminister aus rund 70 Ländern zum Vorrang der Lebensmittelproduktion bei einer stärkeren Nutzung nachwachsender Rohstoffe für andere Zwecke. Aus Sicht der Agrarminister ist es die gemeinsame Aufgabe, die steigende Nachfrage nach nachwachsenden Rohstoffen zu befriedigen, ohne die Ernährungssicherung zu gefährden.
Rohstoffe vs. Lebensmittel
Der deutsche Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) erläuterte, für einen Ausbau der Bioökonomie müsse es auch global eine nachhaltige und leistungsstarke Landwirtschaft geben. Bei Bioökonomie geht es etwa um Verfahren, Kunststoffe auf pflanzlicher Basis herzustellen. Das kommt zusehends zur Bioenergie hinzu.
Für die Welternährungsorganisation (FAO) ist im Kampf gegen den Hunger auch gute Qualität der Lebensmittel wichtig. „Wir müssen uns mit gesunder Nahrung befassen, nicht mit irgendwelcher Nahrung“, sagte Generaldirektor Jose Graziano da Silva am Rande der Grünen Woche. Die Präsidentin der Weltbauernorganisation, Evelyn Nguleka, sagte, die Landwirtschaft brauche Partner für Investitionen in neue Technologien. Aus Sicht des Weltbank-Agrarexperten Jürgen Vögele ist das auch dafür nötig, dass die Agrarproduktion klimaschonender wird.
Rupprechter: Stärkere Zusammenarbeit mit Russland
Österreichs Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) nutze seinen Besuch in Berlin auch für ein Treffen mit dem russischen Agrarminister Nikolai Fjodorow. Das Gespräch sei „sehr konstruktiv“ verlaufen. „Beide Seiten sind daran interessiert, möglichst bald die Beziehungen zu verstärken, wenn es die politische Situation wieder zulässt.“ Unabhängig davon will Rupprechter die bilaterale Zusammenarbeit mit Russland forcieren.
Eine konkrete Vereinbarung habe es über die seit Anfang Mai von der russischen Behörde gesperrten 15 heimischen Molkerei- und Fleischerzeugern gegeben. Die Betriebe sollen jetzt von den Veterinärbehörden beschleunigt untersucht werden, damit sie sofort wieder liefern können, wenn die EU-Sanktionen aufgehoben werden, erklärte Rupprechter im APA-Gespräch. Er sei nicht gegen Sanktionen, aber wenn sich die „politischen Rahmenbedingungen ändern und die Sanktionen aufgehoben werden, sollen die heimischen Betriebe möglichst schnell wieder liefern können“.
Zehntausende fordern Wende in Agrarpolitik
Die Grüne Woche nutzten auch Zehntausende Demonstranten als Forum. Zu einer Großdemonstration für eine Wende in der Agrarpolitik kamen am Samstag nach Darstellung der Veranstalter 50.000 Teilnehmer. Zu dem Protestzug zum deutschen Kanzleramt mit mehreren Traktoren hatten 80 Verbände aufgerufen, darunter Umwelt- und Tierschutzorganisationen.
Auch Grüne und SPD verlangten eine Eindämmung des Antibiotikaeinsatzes in den Ställen. Schmidt sagte, die Demonstration habe Themen angesprochen, bei denen man sich fragen müsse, ob etwas zu ändern sei. Er kritisierte jedoch, das Protestmotto „Wir haben es satt“ stelle die Mehrheit der Landwirte in eine Ecke.
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