Hitler-Vergleiche von beiden Seiten
Der Terror von Paris hat das ohnehin gespannte Verhältnis zwischen Israel und der Türkei weiter verschlechtert. Seit Tagen beteiligen sich führende Politiker beider Länder an einem Hickhack, das in rüdeste Beleidigungen ausgeartet ist. Zuletzt setzte dabei der türkische Regierungschef Ahmet Davutoglu den israelischen Premier Benjamin Netanjahu mit den Attentätern von Paris gleich.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Sowohl die Attentäter als auch Netanjahu hätten Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt, sagte Davutoglu am Donnerstag. Er reagierte damit auf Äußerungen des rechtspopulistischen israelischen Außenministers Avigdor Lieberman, der den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan am Mittwoch einen „antisemitischen Straßenrowdy“ genannt und auch Europa in diesem Zusammenhang scharf kritisiert hatte, weil man Erdogan „und seine Bande“ genau so gewähren lasse wie die Antisemiten „in den 30er Jahren“.
Presskonferenz mit Abbas an der Seite
Auf Liebermans indirekten Hitler-Vergleich konterte Davutoglu nun mit dem Vorwurf, die Bombardierung des Gazastreifens und der tödliche Angriff auf einen von der Türkei geführten Hilfskonvoi für das abgeriegelte Palästinensergebiet im Jahr 2010 stehe auf einer Stufe mit den Anschlägen von Paris. Netanjahus Regierung töte in Gaza „am Strand spielende Kinder“. Erdogan selbst hatte schon letztes Jahr in Richtung Israels gemeint: „Diejenigen, die Tag und Nacht Hitler verurteilen, haben Hitler an Barbarei übertroffen.“
Zuletzt hatte Erdogan Netanjahus Teilnahme an der Großkundgebung gegen Terrorismus in Paris am Sonntag scharf kritisiert. „Jemand, der durch die Tötung von 2.500 Menschen in Gaza Staatsterrorismus betrieben hat, ist jetzt dort und winkt anderen Weltenlenkern zu und marschiert Hand in Hand mit ihnen“, sagte Erdogan. Diese Aussagen machte er in einer landesweit im TV übertragenen Pressekonferenz an der Seite von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, den Erdogan nach Ankara eingeladen hatte.
Erdogan beklagt Gleichgültigkeit gegenüber Syrien
Bei der Pressekonferenz kritisierte Erdogan außerdem die internationale Haltung zum Bürgerkrieg in Syrien. „In Syrien sind 350.000 Menschen gestorben. Hat das jemanden gekümmert? Auch dort gab es Staatsterrorismus.“ Zugleich kritisierte er, die Türkei werde mit den mehr als 1,6 Millionen syrischen Flüchtlingen und bisherigen Ausgaben von umgerechnet 4,2 Milliarden Euro alleine gelassen. „Hilft uns irgendwer von der internationalen Gemeinschaft? Nein. Wo sind sie? Alles, was sie tun, ist, uns zu loben. Es geht aber nicht nur um Worte. Taten sind gefragt.“
Links: