Demo von „nie da gewesener“ Größe
In einer der größten Kundgebungen in der französischen Geschichte haben am Sonntag weit über eine Million Menschen in Paris der Opfer der islamistischen Anschläge der vergangenen Woche gedacht. Die Place de la Republique im Stadtzentrum war lange vor Beginn des Gedenkmarschs, an dem auch Dutzende Staats- und Regierungschefs teilnahmen, überfüllt.
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Allein am Ausgangspunkt des Solidaritätsmarsches, auf der Pariser Place de la Republique, drängten sich schon lange vor Beginn der Veranstaltung Hunderttausende Menschen. Mit einer Teilnehmerzahl von weit über einer Million handelt es sich nun um eine der größten Versammlungen, die je in Paris stattgefunden haben.
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Nach Angaben eines Organisators wird die Zahl der Teilnehmer auf zwischen 1,3 und 1,5 Millionen Menschen geschätzt. Das Innenministerium sprach von einer Demonstration von „nie dagewesener“ Größe, eine Zählung sei schlichtweg „unmöglich“. Als Frankreich 1998 im eigenen Land Fußballweltmeister wurde, sollen an den Freudenfeiern in Paris rund 1,5 Millionen Menschen teilgenommen haben.

Reuters/Philippe Wojazer
Angeführt wurde der Gedenkmarsch von Hollande und der in Paris versammelten Politprominenz
Demonstranten schwenkten französische Fahnen und riefen immer wieder in Sprechchören: „Vive la France“. „Ich bin hier, um zu zeigen, dass die Terroristen nicht gewonnen haben“ sagte die 34-jährige Frankomarokkanerin Zakaria Moumni. „Im Gegenteil, sie bringen die Menschen aller Religionen zusammen.“ Neben französischen wurden zum Gedenken an die bei der Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt umgekommenen Menschen auch israelische Flaggen geschwenkt.
Politprominenz marschiert Viertelstunde mit
Zusammen mit hochrangigen Politikern aus rund 50 Ländern setzte sich der Gedenkmarsch schließlich in Bewegung. An dem „Republikanischen Marsch“ nahmen auch Dutzende Staats- und Regierungschefs und sonstige Politprominenz aus aller Welt teil. Österreich wurde beim Gedenkmarsch von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) und Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) vertreten.

Reuters/Pascal Rossignol
Hollande mit Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel
Nach einer guten Viertelstunde beendeten die in Paris versammelten internationalen Staats- und Regierungschefs wieder ihre Teilnahme an dem Solidaritätsmarsch. Hollande blieb an Ort und Stelle und sprach mit den Angehörigen der Opfer, wie französische Medien berichteten. Zuvor hatte der 60-Jährige viele der Staats- und Regierungschefs umarmt.
Noch vor dem Marsch empfing Hollande im Elysee-Palast die Spitzenvertreter der jüdischen Gemeinde des Landes. Der Großrabbiner von Frankreich, Haim Korsia, und der Präsident der jüdischen Dachorganisation CRIF, Roger Cukiermann, führten die Delegation an. Auch Regierungschef Manuel Valls nahm an der Begegnung teil.

Reuters/Eric Gaillard
Ein Teilnehmer des Gedenkmarsches
Gedenkmärsche auch in anderen Städten
Auch abseits des zentralen Gedenkmarschs in Paris sind am Sonntag erneut Hunderttausende Franzosen gegen Extremismus auf die Straße gegangen, wobei nach dpa-Angaben in ganz Frankreich sich über drei Millionen Menschen an den diversen Veranstaltungen beteiligt haben sollen. Allein in der ostfranzösischen Großstadt Lyon nahmen laut Polizei 300.000 Menschen an einem Gedenkmarsch teil. Im südwestfranzösischen Bordeaux gingen den Behörden zufolge 140.000 Menschen auf die Straße, im nordwestfranzösischen Rennes waren es laut Präfektur 115.000.
In Grenoble sprach die Polizei von 110.000 Teilnehmern bei einem Trauerzug, in Marseille wurden 60.000 gezählt, im zentralfranzösischen Clermont-Ferrand 50.000. Laut Präfektur gedachten in der Loire-Stadt Angers 45.000 Menschen der Anschlagsopfer, im elsässischen Straßburg waren es 40.000. In dem 8.000-Einwohner-Ort Dammartin-en-Goele nordöstlich von Paris, wo sich die beiden Attentäter nach dem Anschlag auf die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ am Freitag in einer Druckerei verschanzt hatten, zogen etwa 10.000 Menschen durch die Straßen. Auch bei zahlreichen Sportveranstaltungen wurde in Frankreich zudem der Terroropfer gedacht - mehr dazu in sport.ORF.at
700.000 bereits am Samstag auf den Straßen
Bereits am Samstag hatten in Frankreich nach offiziellen Angaben landesweit mehr als 700.000 Menschen gegen Extremismus demonstriert. Die Teilnehmer der spontanen Kundgebungen in zahlreichen französischen Städten hielten Stifte, Titelseiten der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ und Schilder mit der Aufschrift „Keine Angst“ hoch.

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Soldaten im Anti-Terror-Einsatz in Paris
Premier Valls, der auch an die Franzosen appellierte, an der Veranstaltung am Sonntag teilzunehmen, sagte, man wolle mit dieser die Macht und Würde der Franzosen und ihre Liebe zu Freiheit und Toleranz zeigen. Er zeigte sich gleichzeitig überzeugt davon, dass alle Vorkehrungen getroffen wurden, um die Sicherheit garantieren zu können.
Anhaltende Terrorbedrohung
Dem Hinweis liegt nicht zuletzt die anhaltende Terrorgefahr zugrunde: Zuletzt drohte laut US-Angaben am Freitag etwa die Terrorgruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) mit neuen Anschlägen. Dazu kommt die laufende Fahndung nach der Lebensgefährtin des von Eliteeinheiten erschossenen Geiselnehmers Amedy Coulibaly, Hayat Boumeddiene, der bei den tödlichen Anschlägen auf die „Charlie Hebdo“-Redaktion und eine Polizistin eine zentrale Rolle gespielt haben soll.

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700.000 Menschen nahmen am Samstag in Frankreich an Kundgebungen teil
Scharfschützen und zusätzliche Soldaten
Bereits unmittelbar nach den Todesschüssen in der „Charlie Hebdo“-Redaktion wurden die Sicherheitsvorkehrungen in Frankreich massiv ausgeweitet und Tausende zusätzliche Sicherheitsbeamte mobilisiert. In Paris gilt seitdem die höchste Sicherheitsstufe des Anti-Terror-Plans Vigipirate, und nach Angaben von Innenminister Cazeneuve vom Samstag wurden die Sicherheitsmaßnahmen nun weiter verstärkt. Rund 2.200 Einsatzkräfte sicherten allein den Marsch in Paris ab, zusätzlich standen im Großraum der französischen Hauptstadt zusammen mit den 1.350 Soldaten 2.000 Polizisten im Einsatz.
Gedenken von Wien bis New York
Auch in Wien, Berlin, Madrid, London, Brüssel und vielen weiteren Großstädten solidarisierten sich Tausende Menschen mit der attackierten Satirezeitung „Charlie Hebdo“ und den insgesamt 17 Todesopfern. In Wien startete um 16.00 Uhr eine Kundgebung auf dem Ballhausplatz. Vor der französischen Botschaft am Brandenburger Tor in Berlin kamen laut Veranstalterangaben am Nachmittag Tausende Demonstranten zusammen.
In Madrid versammelten sich mehrere hundert Menschen an der Puerta del Sol. Viele von ihnen hielten Stifte und Plakate hoch und zogen nach mehreren Schweigeminuten zum Atocha-Bahnhof, wo sie sich einer Kundgebung muslimischer Verbände zur „Verurteilung aller Formen von Terrorismus“ anschlossen. Am 11. März 2004 waren bei islamistischen Anschlägen auf vier Pendlerzüge mit Halt auf dem Bahnhof Atocha 191 Menschen getötet worden.
In London erstrahlte neben einer Kundgebung auf dem Trafalgar Square am Nachmittag die Tower Bridge in den französischen Nationalfarben. In Brüssel beteiligten sich laut Polizeiangaben mehr als 10.000 Menschen an einem „Marsch gegen den Hass und für die Meinungsfreiheit“. In den USA waren Schweigemärsche vor der französischen Botschaft in Washington und in New York geplant, in Kanada waren in Quebec, Montreal, Ottawa und Vancouver Demonstrationen angemeldet.
Coulibaly verübte womöglich weiteren Anschlag
Drei islamistische Extremisten hatten zwischen Mittwoch und Freitag bei einer für Frankreich bisher beispiellosen Terrorwelle 17 Menschen getötet. Allein bei dem Angriff auf die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ am Mittwoch töteten sie zwölf Menschen. Am Freitag kamen sie selbst bei Polizeieinsätzen ums Leben. Nach einer Komplizin der Attentäter wird noch gefahndet.
TV-Hinweis
ORF2 zeigt angesichts der aktuellen Ereignisse in Frankreich am Sonntag um 22.00 Uhr eine Ausgabe von „Im Zentrum“ mit dem Thema „Europa in Angst - Das Ende der Toleranz?“. Weitere Informationen zu themenbezogenen Sendungen in tv.ORF.at.
Wie am Sonntag bekanntwurde, hat Coulibaly womöglich noch einen weiteren Anschlag verübt: Die Staatsanwaltschaft stellte am Sonntag eine Verbindung zwischen ihm und den Schüssen auf einen 32-jährigen Jogger am Mittwochabend im Großraum Paris her. Das Opfer war lebensgefährlich verletzt worden. Es habe einen Abgleich der am Ort des Angriffs auf den Jogger gefundenen Patronenhülsen mit der Tokarew-Pistole gegeben, die nach der Geiselnahme am Freitag in einem jüdischen Supermarkt in Paris entdeckt worden war, erklärten die Ermittler.
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